Bockgruppen unnatürlich?

  • Ich habe sehr innige Freundschaften gesehen, das Verteidigen gegen Andere, Trauer, das Überspringen von hohen Hürden, nur um bei einem Anderen zu sein, Rücksixht bei Krankheit und die Aufregung und der Stress, wenn Jemand nach der Gruppe ruft.

    Dem stimme ich absolut zu. Als Flips neulich krank war und ich ihn heraus nehmen musste hat er die ersten 2 Male laut um Hilfe gequiekt. Sofort war Eddie zur Stelle und wollte ihn verteidigen. Er war dann aber etwas mit der Situation überfordert, da er in mir keine Gefahr sieht ^^. Er sprang aufgeregt herum und wollte zu Flips hoch um zu sehen was los ist. Auch hat Eddie Flips mehrmals die Augen geleckt, nachdem ich ihn zurück gesetzt habe. Wirkte auf mich auch wie eine Geste der Zuneigung. Genau wie Chili und Craig liegen die beiden ebenfalls viel zusammen.

    Würden sie sich nur ertragen, würden sie sich gewiss eher aus dem Weg gehen. Gerade wenn man nur zwei Böckchen (oder generell Schweinchen) hält, kann es passieren dass sie sich zwar verstehen aber nie wirklich lieben.

    Deswegen hätte ich gern ne seriöse Quelle, die ich dann auch als Gegenargument mit großem Tamtam auf den Tisch werfen kann, wenn mal wieder jemand behauptet, dass Böckchengruppen unnatürlich sind. ^^

    Die Frage ist, was ist eine seriöse Quelle? Wissenschaftliche Studien wird man zu so einem Thema kaum finden. Es gibt leider (oder zum Glück für die Versuchstiere, je nach dem) viel zu wenige Studien oder Untersuchungen zum Verhalten von Meerschweinchen. Von daher werden solche Aussagen immer in Folge der eigenen Erfahrungen getroffen. Wissenschaftlich beweisen lässt sich ein sowas nur sehr schwer, bzw. nur mit den entsprechenden finanziellen Mitteln. Aber einer seriösen Notstation mit jahrelanger Erfahrung und vielen Tieren, würde ich erst mal Glauben schenken.


    Das muss man im Auge behalten,was mache ich wenn es Streit gibt.

    Dem stimme ich auf jeden Fall zu! :)


    Was mir aufgefallen ist das Böckchengruppen oft lebendiger sind.Wenn ich denke wie der Boss den kleinsten immer wieder gejagt hat um ihn dann auszulachen.

    Kannst du das genauer erklären? Was meinst du mit auslachen?

  • ByteSchweinchen

    Darüber, ab wann man eine Quelle als seriös betiteln kann, kann man definitiv gut streiten und hängt ja auch immer vom Anwendungsfall ab.

    Ich suche eine Quelle für die Info, wie die Vorfahren unserer Haustiermeerschweinchen gelebt haben, ob nun die Hausmeerschweinchen bei den Inkas und Co. oder die wirklich wilden (Tschudi-)Meerschweinchen in der Natur. Für die Argumentation in einem Meerschweinchenforum (oder für meinen eigenen Wissenszugewinn) würden mir persönlich Berichte aus Ecken, in denen die Hausmeerschweinchen immer noch urtümlich leben oder eben offizielle Forschungsergebnisse als Quelle reichen. :)

    Die Autorin des besagten Artikels ist auf jeden Fall eine, der ich Glauben schenke, wenn sie etwas zu Böckchenhaltung sagt. Trotzdem fehlt mir für diese Behauptung (so sehr ich sie auch einleuchtend finde) die Quelle und wenn dies nur ein Erfahrungsbericht einer Bekannten aus Peru wäre.

    Für die Beobachtungen und Erfahrungen der einzelnen Bockhalter (inkl mir) würde ich es persönlich unsinnig finden, da auf die Idee kommen, nach einer Quelle zu fragen.

    Eine Notstation ist für mich persönlich auch keine Institution, der ich bedingungslos Glauben schenke, denn nur weil jemand viele Tiere in einer Notstation betreut, heißt es nicht automatisch, dass sich diese Person gut auskennt. Sie ist in manchen Bereichen sicherlich erfahrener. Und natürlich gibt es ganz viele Notstationen, in denen man sich auskennt.

    Sorry, soviel Text zu meiner Quellenfrage 😅

  • hupe Ich meinte auch nicht dass man den Betreiberinnen von Notstationen bedingungslos glauben soll. Sondern eher, dass sie tendenziell diejenigen mit den meisten Erfahrungen sind. Wenn mir also die langjährige Betreiberin einer Notstation, welche ich als kompetent einstufe (!), mir z.B. sagt dass eine spezielle Gruppenkonstellation Ihrer Erfahrung nach eher scheitert, würde ich diesen Ratschlag beherzigen, wenn möglich.

    Aber ich verstehe absolut was du meinst! Mich würden Dokumentation zu dem Leben der wilden Meerschweinchen und der Geschichte unserer Hausmeerschweinchen auch brennend interessieren! Und wenn es nur eine längere, unkommentierte Videoaufnahme einer wildlebenden Kolonie/ Gruppe wäre. Das wäre spannend! Gibt es gewiss, muss man nur in den Tiefen des Internets finden ^^.

    Wie du auch schon schreibst, manche Dinge erscheinen auch erst mal logisch, wenn man sie liest. Andere kann man mit ein wenig nachdenken direkt als Unsinn abtun- wie z.B. die Annahme trockenes Brot würde den Zahnabrieb fördern. Das hält sich leider echt hartnäckig.

    Schlussendlich müssen wir eine optimale Lösung für unsere Hausschweinchen finden. Wie ihre Verwandten leben spielt da schlussendlich eine untergeordnete Rolle. Unabhängig davon kann man seine Haltung auch nur in einem begrenzten Rahmen anpassen. Selbst wenn ich wüsste, dass eine gewisse Pflanze ihnen gut bekäme, würde ich sie hier in Deutschland erst mal finden müssen.

    Aber interessieren würde es wohl jeden hier 8)

  • So wir haben eine Entscheidung getroffen.

    Na endlich.

    Wozu hält man eigentlich Meerschweinchen? Um sich dran zu erfreuen oder um die Welt zu retten?

    Die Welt retten dürfen gerne andere machen, sich Bockgruppen halten, wo Schwierigkeiten vorhersehbar sind. Ich möchte eine harmonische Gruppe und das geht auf Dauer nur im Harem. Alles andere ist nicht natürlich.

    Zuerst hatte ich einen Hund, als mir das nicht mehr genügte, hab ich mir einen Riesenschnauzer geholt.

  • Wahrscheinlich, alle Egoisten ausgenommen, um die Welt des einzelnen Tieres zu retten, weil es mir möglich ist, etwas dafür zu tun?

    Die Freude kommt dann später dazu, wenn man sieht, wie sich die einzelnen Charaktere entwickeln und sie nun doch noch eine gute Lebenszeit haben können.

    Eine Freundin hält nur Bockgruppen und ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die Truppe stets nach Ableben einen weiteren Bock aufnimmt und das Leben in dieser Gemeinschaft funktioniert.

    Und ein Harem ist kein Garant für ein harmonisches Miteinander! So kann nur jemand denken, der bis dato wirklich Glück hatte oder einfach nicht aufmerksam genug ist, um Disharmonien zu erkennen.

    Egal ob Bockgruppen natürlich sind oder nicht. Aber wo sollen denn die ganzen Böcke hin? Schön aussortiert und entsorgt werden wie männliche Küken? Praktisch, oder? Weil ja nur Haremshaltung praktikabel ist. Na klar …


    Nachtrag: Der letzte Absatz war Ironie, für alle die, die diese Worte nicht so gelesen/empfunden hätten!

  • Ein Harem ist auch nicht natürlich!

    Ein Böckchen wird seiner Fortplanzungfähigkeit beraubt und den Weibchen werden die Jungen vorenthalten, die sie natürlicherweise unbedingt haben möchten.

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    Anmerkung zur Moderation: Ich verschiebe den Beitrag von Rabe und die Antworten daruf in das schon vorhandene Thema zu Bockgruppen.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Vorsicht mit Ironie. Verstehen manche nicht.

    Ich bin ein Freund von Studien. Wo ist die Studie, die besagt, dass Böckchengruppen unnatürlich sind? Es gibt so viele Tierarten, wo heranwachsende Männchen vom Leitmännchen irgendwann aus dem Familienverband hinauskomplimentiert werden (sinnvollerweise, sonst gäbe es ja Inzucht) und dann erstmal mit ner Boygroup durch die Gegend streifen, bis es ihnen irgendwann gelingt, sich ne Damengruppe klar zu machen. Oder eben auch nicht.

    Prof. Norbert Sachser dürfte es gewesen sein, der feststellte, dass auch Meerli-Jungsgruppen stabile soziales Gefüge herstellen können.

    BTW: Es gibt definierte Zoos, die im Rahmen des Erhaltungsprogrammes ausschließlich Elefantenbullen in einer Gruppe halten (aber keine Damen vor Ort haben, sonst gäbe er direkt Ärger in der Gruppe). Aus halb Europa kommen zu denen die überzähligen männlichen Bullen, welche die anderen Zoos mit Damen eben nicht auf Dauer harmonisch unterbringen können.

    Oder die Rinderzucht: Jungbullenweide: Geht, aber nicht wenn Mädels in der Nähe sind. Nehme an, bei Pferden isses ähnlich.

  • Ach, noch was zu Studien: Es gibt wahnsinnig viele Meerschweinchenstudien. Spanisch hilft beim googeln. Ich hab manchmal das Gefühl, dass jede zweite Agrar- oder Veterinärdoktorarbeit in Südamerika über Meerschweinchen geht. China ist da auch stark im Kommen. Weils da Nutztiere sind. Daher ist der Fokus anders. So stellten die Südamerikaner fest, dass die Jungböcke einander viel beißen und verletzen, was (obacht Fokus) Narben auf der Haut hinterlässt, was unschön aussieht und den Verkaufspreis des Fleischkörpers senkt. Eine Studie ergab dann, dass die Auseinandersetzungen durch Kastration deutlich abnehmen. (Wenn sie die Böcke nicht in der gleichen Halle wie die Mädels aufziehen würden, wäre es vermutlich noch friedlicher).

  • Danke für diese Informationen. Ich wusste gar nicht, dass es da ( inzwischen?) so viele Studien gibt. Sehr interessant.

    <3Karla *2019 <3 Ludwig *18.1.2022 <3 Minna *ca. 20.8.2022 <3 Selma * 2.2.2024 <3 Ottilie * 9.11.2025 <3

    Für immer im Herzen: Berta, Pieps, Charly, Greta, Emma, Sophie, Chocolate, Amalie, Lola

  • Estudio de cuyes ist das, wonach zu suchen ist. Klar: Fokus ist bei den Südamerikanern immer der wirtschaftliche Nutzen. Und trotzdem habe ich da schon viel an Erkenntnissen rausziehen können. Und die chinesische Doktorantin, welche die Grundlagenforschung zum E. und A. Locus bei Meerschweinchen gemacht hat, würde ich am liebsten abknutschen. Sie hats gemacht, weil bei vielen bedeutenderen Nutztieren die Schwarz- und Rotreihe, Wildfarbend oder nicht offenbar irgendeine Rolle spielt und genetisch identisch ist wie bei Meerlis, aber Meerschweinchen bei Studien erheblich einfacher zu halten sind, als ein Rudel Kühe.

    Was ICH mit ihren Ergebnissen gemacht habe, war ein Genlabor zu suchen und zu finden, welches auf meine Anregung hin einen Gentest auf E/ep/e sowie A/a entwickelt hat. Weltweit der erste. Das hat noch keine große Relevanz.

    Aber als nächstes suche ich mir ne chinesische Doktorantin, welche die sogenannte Satinkrankheit genetisch verortet und dann könnte diese Erbkrankheit Geschichte werden. Oh, ich schweife ab.

    Da tut sich jedenfalls wahnsinnig viel gerade. Die vollständige genetische Entschlüsselung der Meerschweinchengene läuft seit einigen Jahren in einer Großstudie. Warum? Weil sie bedeutende Labortiere sind.

  • In früheren Jahren habe ich oftmals Bockpaaare gehalten, kastriert und nicht kastriert. Alles lief harmonisch ab, natürlich war es nicht leicht, im Sterbefall einen bockverträglichen Kollegen zu bekommen, der Witwer der am längsten alleine war, musste 4 Wochen auf Gesellschaft warten. Mein Arbeitgeber ist tierfreundlich und das Einzeltier hat mich zur Arbeit begleiten dürfen. Bürohunde hat jeder, Angelika pfeift eben ihr Schwein. Das erste Mädel zog bei mir ein, als ein Witwer sehr um seinen Freund trauerte und nix mehr fraß, da kam am selben Tag noch ein kleines Mädel ins Haus. Seit der Zeit halte ich gemischte Paare.

  • Ich bin auch der Meinung, eine reine Bockhaltung sei NICHT unnatürlich.

    Ich kenne auch Halter von Bockgruppen, bei denen die Böcke absolut harmonisch zusammenleben. Man ließt hier im Forum ja regelmäßig von verzweiftelten Haltern, bei denen sich die Böcke blutig beißen. Das liegt an einer Mischung aus Persönlichkeit, Genetik, Sozialisation und den Haltungsbedingungen und zusätzlich die Würze des Ganzen: an den Haltungserfahrungen.

    Meine Erfahrungen sind, das Böcke, die eine schlechte Sozialisationphase hatten, dass Benehmen also nie gelernt hatten, schlechte Chancen haben. Sich sozial zu verhalten, also die Körpersprache anderer zu deuten, viel allen meinen Böcken schwer. Alle hatten das gleiche Schicksal und keiner ist bis zu seinem 12. Lebensmonat mit älteren, souveränen Kastraten oder in einer großen, gemischten Gruppe aufgewachsen. Keiner meiner Böcke wusste, wann er nachgeben und sich unterordnen muss.

    Die Beisser bei mir wussten natürlich nicht wie Streitschlichtung funktioniert und gingen sofort auf Konfrontation. Zwei sehr dominante, charakterstarke Böcke hat bei mir aber nie geklappt. Den unterlegenen Bock habe ich immer schließlich aus der Gruppe genommen. Den er müsste sonst in Angst leben. Ansonsten ist meine Bockgruppe nur stabil, eben weil ich die verschiedenen Persönlichkeiten habe, es gibt bei mir tiefenentspannte, devote Böcke und geborene Anführer (Genetik meiner Meinung). Von einander lernen sie Verhaltensweisen, die sich wiederum auf den Charakter auswirken. Was ich aber gemerkt habe: die Gruppe, wenn sie stabil ist und die Rollen geklärt sind, brauchen sich einander. Und das denke ich, ist in der Natur auch so... Es sind Flucht- und Rudeltiere und wie ja bereits von euch geschrieben, zeigt die Verhaltensbiologie und Feldforschungen an Wildmeerschweinchen genau das. Man kann das also auf die Hausmeerschweinchen übertragen weil es überschüssige Böcke gibt oder aber Zoohandlungen und unseriöse Züchter (Vermehrer) immer wieder Böcke zusammen an unerfahrene Halter verkaufen. So gesehen haben unsere Haustierschweinchen dadurch die selbe Ausgangslage wie sicherlich auch ganz natürlich viele Wildmeerschweinchen, die keine eigene Weibchen abbekommen. Diese bilden aus Überlebensinstik und auch dem Bedürfniss der sozialen Teilhabe sogenannte Subgruppen oder "Satelliten-Gemeinschaften". Sie leben am Rand der Territorien, teilen sich oft die gleichen Futterplätze und nutzen die Gemeinschaft als Schutz vor Fressfeinden. Natürlich weichen sich die Böcke bei Spannungen einfach aus. Sie gehen sich tagelang aus dem Weg. Im Käfig oder auch im Gehege ist der Platz einfach zu klein. So können sie die Individualdistanz nicht einhalten. Meine Erfahrung ist, bricht einmal Stress aus – und der führt zu Aggression und Beisserei ist es schwierig mit der Bockgruppe. Entweder trennt man oder erfahrene Halter optimieren noch mehr die Haltungsbedingungen, dies z.B. durch eine andere Gruppendynamik. Hier ein Beispiel für natürliches Verhalten:

    rechts und links zwei unkastrierte Böcke und in der Mitte ein Frühkastrat. Gehhege 10 qm mit vielen Versteckmöglichkeiten und zweiten Ebenen. Ein Eichhörnchen trippelt über das Dach... Panik bricht aus und die Schisser profitieren vom gemeinsamen Schutz. In der Natur ist das genauso!

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