Böckchen beißen sich fürchterliche Wunden

  • Hallo,

    wir haben 3 Böckchen die alle ca 1 Jahr alt sind. Zwei von ihnen sind Brüder (einer davon war bisher immer der Boss) , der dritte ist verwandt mit ihnen. Bisher lief es bis auf kleinere Kämpfe gut zwischen zwei von ihnen. Die zweite Rappelphase ist nun leider sehr aggressiv. Eins der Böckchen hat ein anderes so sehr gebissen, dass das Auge eine Verletzung hat die morgen unter Narkose genäht werden muss. Die Tierärztin meinte wir sollten unbedingt alle drei kastrieren lassen. Leider habe ich da bisher wenig positive Erfahrungen gelesen, dass dies das Ganze dauerhaft beruhigen kann. Was sind denn eure Erfahrungen? Unsere Meerschweinchen leben draußen und haben super viel Auslauf und Verstecke. Falls es weiter so blutig bleiben sollte frage ich mich wie es weiter geht mit dem dreien…separieren im Sommer wäre ja möglich. Aber was im Winter?

    Herzliche Grüße und vielen Dank für eure hoffentlich Mut machenden Antworten.

    Angela

  • Herzlich Willkommen in unserem Forum!

    Das hört sich leider nicht gut an. Eine einzelne unschöne Bisswunde kann mal passieren, aber Deine Überschrift lässt vermuten, dass sie sich schon mehrere ernstliche Wunden zugefügt haben.

    Bitte beschreibe doch noch etwas mehr:

    • Sie leben ganzjährig draußen?
    • Wieviel Grundfläche habe sie immer - auch nachts - zur Verfügung?
    • Zwei vertragen sich gut und einer macht oder hat öfters Probleme?
    • Ist der Augapfel verletzt oder das Augenlid?
    • Gibst Du dem Verletzten Schmerzmittel?

    Bei mir leben seit Jahren zwischen 2 und 6 Böckchen in einer Gruppe. Das war leider auch immer wieder - nach Verändungen durch Tod und Neuzugang o.ä. - schwierig. Daher habe ich zur Zeit auch 2 Gruppen, obwohl 1 viel schöner wäre.

    Da ich in dem Zimmer arbeite und schlafe und somit sehr viel Zeit mit den Meerschweinchen verbringe, kann ich ihnen bis zu einem gewissen Grad helfen auf dem Weg zu einer harmonischen Gruppe. Das erfordert aber sehr viel Zeit und ist für die Tiere und mich belastend. In Außenhaltung ist an so etwas m.E. gar nicht zu denken.

    Ich will nach Deinen Antworten noch mehr schreiben, aber vorab: Den Gebissenen würde ich nicht mit demjenigen zusammenlassen, der ihn so gebissen hat. Auch nach der Operation wäre das m.E. nicht gut.

    Allerdings würde das bei Deiner Situation vermutlich eine dauerhafte Trennung bedeuten.

    In der Regel ist die harmonischste Bockgruppe eine aus 2 Tieren. Dann hast Du natürlich das Problem mit dem Winter. Aber 3 Böckchen sind eigentlich auch nicht genug und wenn einer wegen Streit dann nicht in das Schlafhaus darf, ist das keine Lösung.

    Eine Kastration kann auch meiner Sicht zu einer gewissen Beruhigung beitragen. Aber wenn Deine Tiere sich schon länger streiten und beißen, wird die Kastration vermutlich nicht ausreichen.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Josia (08/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24) - weitere Infos

  • Lieben Dank für deine ausführliche Antwort.

    Sie leben ganzjährig draußen bei uns auf der Dachterrasse, sie haben 30Quadratmeter würde ich mal sagen. Der Bereich ist Tag und nach zugänglich für sie. Der eigentliche Chef hat den Biss dem zugefügt der „nur“ verwandt ist. Das heißt es gibt einen mit dem es nie Streit gab bisher. Er wird aktuell von beiden bestiegen und dann geht der Kampf unter den beiden los. Das Beißen beruht mittlerweile auf Gegenseitigkeit, das war am Anfang nicht so. Der Tierarzt hat das Auge heute schon angeschaut und hofft dass er es so nähen kann, dass der Lidschluss nicht gestört wird. Das Trennen ist für mich nach wie vor ein Rätsel. Tagsüber kein Problem, aber nachts, Winter, etc…

  • Das sieht sehr schön aus und nach einem - vom Streit abgesehen - wunderbaren Lebensraum. Aber mit der Gruppensituation würde ich nicht weitermachen.

    Vermutlich ist es auch für den, der bei beiden bestiegen wird alles andere als schön. Nur weil er sich nicht wehrt, heißt das nicht, dass ihm das egal ist. Das Besteigen könnte ca. 4-6 Wochen nach der Kastration weniger werden. Aber das weiß man auch nicht. 2 Erfahrungen dazu von unseren Böckchen:

    Die ersten beiden waren Brüder. Einer bestiegt den anderen im ab ca. 1,5 Jahren so oft, dass es zu einer echte Belastung wurde. Das war m.E. weniger Dominanzgehabe als ein Abreagieren des Triebes. Das war der Grund dafür, dass ich die beiden kastrieren ließ. Und in dieser Hinsicht hat es entscheidend geholfen.

    Auch bei späteren Neuzugängen half das Kastrieren gegen das sehr häufige Besteigen. Allerdings gab es 2, die sich gerade den Chef aussuchten und ab und an bestiegen. Er war klar überlegen und war anerkannt, aber er war so lieb, dass er sich das mit Widerwillen gefallen ließ. Er mochte die beiden trotzdem sehr und sie ihn. Das war also immer noch ein Abreagieren des Triebes.

    Aus meiner Sicht ist es ein großer Unterschied, ob im Zuge der Festlegung der Rangordnung ein Böckchen bestiegen wird oder ob er immer wieder missbraucht wird. Letztgenanntes sollte man m.E. nicht zulassen.

    Du weißt ja wahrscheinlich, dass durchaus noch eine Rappelphase zu erwarten ist. Wir hatten das gerade bei zwei Brüdern mit rund 1,5 Jahren ...

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  • Meinst du denn es könnte das Ganze entzerren die Gruppe zu vergrößern? Vermutlich löst es das Problem nicht aber mich würde deine Einschätzung und Erfahrung trotzdem interessieren.

  • Ich selbst hätte nicht den Mut, die Gruppe mit weiteren Böckchen zu vergrößern. Wir hatten hier einen Bericht wo es massive Probleme in einer Gruppe von 10 Böckchen gab. Wieviele will man dann versuchen zu halten?

    Mehrfach hatte ich gelesen bzw. gesehen, dass sehr große Gruppe, also mit 15, 20 oder mehr Tieren friedlicher seien. Vielleicht ist das zum Teil aber auch nur dem Umstand gedankt, dass die Halter nicht mehr so viel von einzelnen Tieren mitbekommen. Und die eine Gruppe, die ich gesehen hatte, war eine gemischt-geschlechtliche mit rund 40 Meerschweinchen.

    Nach dem, was ich von Deine Berichten entnehme, würde ich 2 Gruppen mit je 2 Böckchen bilden. Sollte das häufige Besteigen nicht aufhören, würde ich alle kastrieren lassen. Dabei ist es sehr wichtig, dass man einen Tierarzt hat, der schon viele Meerschweinchen erfolgreich kastriert hat. Ansonsten hat man ein erheblich größerer Risiko von Komplikationen bis hin zum Tod des Tieres.

    Wenn die Fläche durch einen geeignete Abtrennung geteilt wäre, würden sich beide Gruppen immer noch anregen. Am besten dafür wäre eine mindestens 40cm Gitterabtrennung. Allerdings könnte es sein, dass sie sich dann dauernd anklappern oder am Gitter nagen. Für den Fall wäre eine geschlossenen Abtrennung, durch die sie sich sehen könnten die beste Lösung. Ich habe hier Plexiglas im Einsatz. Die Zweiergruppe ist viel entspannter und mutiger, wenn sie die Dreiergruppe nebenan sehen. Und das gilt, obwohl es bisher mit allen zusammen nicht gutgehen würde.

    Eine Alternative wäre es, alle kastrieren zu lassen, den einen bis 6 Wochen danach alleine zu halten und ihm dann mindestens 2 Weibchen zu geben. Das könnte aber dazu führen, dass die beide anderen dann Kastraten sich zerstreiten wegen der Weibchen in der Nachbarschaft.

    Wenn Du 2 Bockgruppen bilden willst, könntest Du entweder ein rund 2 Monate altes Böckchen oder eines von mindestens 2 Jahren dazunehmen, das nachweislich in Bockgruppen friedlich gelebt hat.

    Ich weiß, wie belastend solche Situationen sind. Es tut mir leid, dass ich Dir nicht schöneres schreiben kann.

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  • Wie ist denn die Operation bzw. das Nähen verlaufen? Und wie geht es dem Patienten?

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  • Danke der Nachfrage, das ist ja lieb.

    Die OP lief gut und die Tierärztin meinte es war auch eine gute Entscheidung es machen zu lassen. Sie meinte wir sollen ihn alleine eine Woche drinnen lassen bei uns damit durch erneute Kämpfe, Wind, Etc. der Wunde nichts passiert. Die anderen beiden wurden gestern kastriert, das lief auch gut. Unklar ist natürlich immer noch wie es weiter geht. Wir haben sie gestern mal kurz vorsichtig aneinander gehalten. Sie haben viel gequiekt, dann ging das Schnappen aber sofort wieder los…

    Ich überlege ob es ein Versuch wäre ein junges kariertes Böckchen zu dem Verletzen zu tun und erstmal zwei Gruppen zu machen. Wie ist denn die Erfahrung dass man zwei funktionierende Zweiergruppen (sofern die entstehen) versuchen könnte dann nach ein paar Wochen/Monaten zusammen zu führen?

  • Das sieht ja übel aus. So eine ungeschickte Stelle! Ist das Auge selbst unverletzt? Es sieht auf dem Foto getrübt aus. Dann müsste das auch Salbe und Tropfen behandelt werden.

    Ich habe mehrmals Böckchen, die sich zunächst nicht vertrugen, nach Monaten zusammengeführt. Das war aber ein Prozess über Wochen oder Monate. Zunächst habe ich sie nur stundenweise 1:1 zusammengelassen und das unter ständiger Aufsicht und mit sofortigem Eingreifen. Dann habe ich sie über mehrere weitere Zwischenschritte zusammengetan. Aber auch dann brauchten sie noch für Wochen oder Monate meine Unterstützung. Bei einigen war es dann dauerhaft wirklich harmonisch, bei anderen wurde es nie wirklich friedlich, aber es kam zu keinen schlimmen bzw. keinen Bissen und bei anderen habe ich den Versuch abgebrochen.

    Es ist in jedem Falle extrem zeitaufwendig und auch sehr belastend. In Außenhaltung würde es bei Verhältnissen wie wir sie aus Ausgangsbasis hatten, überhaupt nicht funktionieren. Da ist man als Mensch einfach nicht genug dabei.

    Ich würde Deine Drei auch nicht mehr in die Nähe des anderen halten. Das bedeutet viel Stress und hilft nicht weiter. Wahrscheinlich hast Du es nur einmal versuchen wollen. Ich meine das für die Zukunft.

    Nach meiner bisherigen Erfahrung hat es nie funktioniert, kastrierte und unkastrierte Böckchen zusammenzuhalten. Andere Halter berichten, dass es bei Ihnen gut geht. Du müsstest halt aufpassen, dass das kleine Böckchen von dem zur Zeit verletzten triebbedingt nicht ständig bestiegen oder verfolgt wird. Meerschweinchen sind da sehr unterschiedlich - wie in vieler Hinsicht.

    Wenn Du 2 harmonische Gruppen hättest, die mit Sichtkontakt nebeneinander leben, würde ich es persönlich dabei belassen. Die Chance, dass alle 4 sich friedlich zusammenfinden und dauerhaft harmonisch leben werden, ist vermutlich gering. Auf jeden Fall besteht aber die Gefahr, dass wieder einer schlimm oder noch schlimmer gebissen wird. Und es kann immer passieren, dass es keinen Weg zurück gibt, weil sich die bisherigen Zweiergruppen nicht mehr vertragen.

    Wenn Du es trotzdem versuchen willst, würde ich auf jeden Fall warten, bis die 3 Großen deutlich über 18 Monate alt sind. Dann ist aber Winter, so dass es vor dem nächsten Frühjahr kaum möglich wäre. Aber wie gesagt, das heißt nicht, dass ich es im nächsten Jahr probieren würde.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Josia (08/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24) - weitere Infos

  • Ich hatte bisher nur zeitweise 2-3 kastrierte Männchen mit mehreren Weibchen zusammen, hatte hier aber schon schon einmal bzw. zweimal den Fall, dass sich die beiden Kastrate einmal heftiger gebissen haben und danach war es undenkbar sie noch einmal zueinander zu lassen. Es hätte erneut in schlimmen Verletzungen geendet.

    Beide Male haben sie sich bereits angeklappert, wenn sie sich nur gesehen haben, wären sich am liebsten direkt angesprungen (egal ob es nun auf dem Schoß oder durch ein Gitter war). Für mich wäre das ein deutliches Zeichen und ich würde die zwei nicht mehr aneinander lassen. Neben der Verletzungsgefahr ist es auch einfach riesiger Stress, wenn zwei Tiere so deutlich zeigen, dass sie nicht zueinander passen, sie dann immer wieder miteinander zu konfrontieren.

    Ich würde entweder 2 Zweiergruppen versuchen oder einen abgeben und dann eine Zweiergruppe machen. So oder so müssten sie dann aber rein, wenn es Winter wird. Erweitern der Gruppe würde ich nicht versuchen, die Gefahr, dass es dann völlig kippt und keiner der Jungs mehr mit anderen Jungs kann, ist m.E. deutlich höher als die Chance, dass es klappt. Jungsgruppen in Außenhaltung sind sowieso immer noch einmal kritischer als reine Haremsgruppen oder halt in Innenhaltung...

    Aber ich möchte noch einmal betonen, ich hatte nie wirklich reine Jungsgruppen, daher habe ich keine direkte Erfahrung damit und ich übertrage lediglich meine Erfahrung von mehreren Kastraten bei Weibchen plus meine Erfahrungen mit schlimmen Kämpfen/Verletzungen generell (gab es hier auch schon unter Kastrat/Weibchen und Weibchen/Weibchen, sodass man diese Tiere nicht mehr guten Gewissens zusammenlassen konnte).

    Liebe Grüße von den 5 Quietschnasen:

    <3 Domino, Lumi, Nessaja, Toka und Karla <3

  • Danke für eure Tipps. Im Winter rein ist bei uns leider keine Option. Wir haben einen im Winter isolierten Stall, mit zusätzlich isoliertem Schlafhaus und permanenter Temperaturkontrolle. An den ganz kalten Tagen/Nächten kann ich Wärme zuführen. Das hat diesen Winter prima geklappt. Sollte ich das dritte Böckchen abgeben habe ich aber ja das Problem dass zwei für den Winter draußen zu wenig sind. Was wäre denn dann die Option? Aktuell habe ich natürlich noch die Hoffnung, auch wenn diese klein ist, dass nach der Kastraktion von allen es vllt doch zu 3. wieder klappt. Wie lange würdet ihr denn nach dem Kastrieren warten um es zu versuchen? Der 3. der jetzt alleine ist tut uns allen natürlich auch echt leid…wegen der Wunde am Auge aber aktuell auch gut so. Wir geben alle paar Stunden zwei verschiedene Salben ins Auge die uns die Tierärztin gegeben hat.

  • Wenn Du bereit bist, mit einem Temperaturwächter automatisch das Schlafhaus zu heizen, wenn es zu kalt wird, würde es aus meiner Sicht vertretbar sein, 2 Zweiergruppen zu halten. Meerschweinchen regen sich auch dann gegenseitig an und geben sich mehr Gefühl der Sicherheit, wenn sie sich nur durch Gitter oder eine durchsichtige Abtrennung wahrnehmen können.

    Zusätzlich wäre es dann gut, wenn Du auch für viel Anregung sorgen würdest. Das geht am besten, wenn man Futter an verschiedenen Plätzen verteilt und dabei auch Stellen wählt, an denen sich die Schweinchen recken müssen. Zusätzlich ist aus der Hand kleine Leckerbissen wie Paprika, Karotte u.ä. füttern und Tricks beibringen eine gute Abwechslung.

    Ich gehe nach meiner bisherigen Erfahrung davon aus, dass die Wirkung der Hormone auf das Verhalten etwas nachlässt nach 4-6 Wochen.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Josia (08/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24) - weitere Infos

  • Danke dir! Wir haben jetzt aktuell die zwei Brüder (Helmut und Hansi) draußen getrennt von dem Patienten (Karlchen). Mein Gefühl ist dass tatsächlich Karlchen den Kampf immer eröffnet und Helmut nur reagiert. Helmut war bisher ja der Chef. Meine Überlegung ist, ich weiß es hört sich wagemutig an: wenn ich sie vorerst getrennt halte und zu Karlchen einen Frühkastraten hinzutue. Wäre er da dann automatisch der Chef und würde sich nach einer längeren getrennten Phase dadurch vllt nicht mehr mit Helmut anlegen? Oder ist das alles zu spekulativ?

  • Wenn ich es richtig verstehe, hattest Du angenommen, dass Karlchen friedlich war und einer der Brüder oder beide ihn angegriffen hatten. Wenn das richtig war, müsste entweder Karlchen versucht haben, die Führung von Helmut zu übernehmen und es kam dadurch zu der Beißerei. Oder er ist durch den heftigen Biss so wütend, dass er jetzt angreifen will.

    So oder so kann man m.E. bei Meerschweinchen in diesem Alter nicht sagen, wie sie sich in der Rangordnung weiterentwickeln werden. Unser Josia war anfangs der Rangniedrigste, als unser Chef krank wurde, versuchte er gegen ihn aufzubegehren, nicht gegen die anderen. Dann irgendwann, nach dem Tod des Chefs, wurde er der Chef, konnte sich aber nie ganz gegen den schon lange Zweiten durchsetzen. Es kam immer wieder zu unblutigen Kämpfen. In einer äußerlich verursachten Stresssituation biss Josia dann heftig zu. Das Ganze ereignete sich über einen Zeitraum von rund 4 Jahren. Alle unsere Böckchen sind kastriert. Josia könnte sogar ein Frühkastrat sein. Wir haben ihn mit 16 Monaten übernommen. Er war lange Zeit sehr bescheiden und einfach zu haben. Letztlich hatte er aber über die Zeit den Streit mit dem alten Chef, die anhaltenden Streitereien mit dem Zweiten der Gruppe und hat das Verhältnis zu zwei dreimonatigen neuen Böckchen völlig verdorben.

    Ich schreibe das so ausführlich als Beispiel, dass man aus dem aktuellen Verhalten oder dem der Vergangenheit nicht immer die Zukunft richtig vorhersagen kann. Es gibt andere Fälle bei uns wie unseren Zweiten - Landolf, der sich immer selbst treu geblieben ist. Das gleiche galt für Dachsi, Wuschel und Miro.

    Wenn Karlchen der Chef in einer Zweiergruppe sein könnte, würde er deswegen noch lange nicht bei einer Zusammenführung der vier Meerschweinchen friedlich sein. Dabei wäre dann alles wieder offen.

    Wie verhalten sie sich denn zu Dritt mit der Abtrennung? Ist das Dauerstress oder kannst Du erst einmal so weitermachen, bis die Wunde und das Auge geheilt sind?

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  • Mit der Abtrennung gibt es am Anfang Zähne klappern am Zaun, aber es beruhigt sich auch. Hansi nimmt sich immer komplett raus, während die beiden Streithähne zum Fressen auf der Wiese die Nähe zueinander suchen. Sie können irgendwie nicht miteinander aber auch nicht ohne. Die Tierärztin hat empfohlen Hansi mal einen Tag zum einen und einen anderen zum anderen zu tun, bis Karlchen dann kastriert ist und ein paar Wochen verstrichen sind. Meinst du das ist eine gute Idee? Wir haben es einmal gemacht und es lief ähnlich ab wie wenn Karlchen alleine war, nur dass eben Helmut alleine war.

  • Wenn Du warten willst, bis Karlchen kastriert ist und dann noch rund 5 Wochen verstrichen sind, würde ich die täglichen Wechsel über so lange Zeit nicht machen. Das kann die Beziehung von Helmut und Hansi belasten oder sogar zerstören.

    Um die sinnvollen Optionen zu ergänzen:

    Du könntest versuchen für Helmut und Hansi ein neues gutes Zuhause zu finden. Wenn sie die Kastrationsfrist abgesessen haben, könnten sie getrennt auch zu Weibchen gehen. Oder Du findest jemanden der nur 2 Meerschweinchen will und sich für Böckchen entscheidet. Dann könntest Du zu Karlchen 3 Weibchen holen. Natürlich müsste er dazu kastriert sein und die 6 Wochen danach müssten verstrichen sein. Aber letztlich wäre das die stabilste Lösung für Deine Außenhaltung. Allerdings wäre dann ein Platz für Bockgruppen auf Dauer verloren.

    Du könntest versuchen für Helmut nach seiner Kastrationsfrist einen guten Platz bei Weibchen zu finden und Hansi und Karlchen zusammen halten. Karlchen könnte dann zwar auch noch kastriert werden, müsste aber keine Frist alleine absitzen.

    Was ist denn jetzt Dein Plan?

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  • Ich bin momentan noch nicht in der Lage eine klare Entscheidung zu treffen. Meine 3 Töchter blutet das Herz wenn wir welche weggeben würden. Wir haben ihnen auch erklärt dass wir die Entscheidungen zum Wohle der Tiere treffen. Die Tierärztin hat ihnen große Hoffnungen gemacht dass es nach dem Kastrieren zu 3. wieder klappen könnte. Ich mache mir halt Sorgen um die Zeit bis wir ein zusammentun probieren können, weil es ja bedeutet dass einer einige Wochen alleine ist. Denke wir müssen uns noch paar Tage Gedanken machen…🥲

  • Einige Wochen alleine sind sehr unschön. Aber das haben schon viele Böckchen anscheinend letztlich unbeschadet überstanden. Das viel größere Problem ist, dass 2 Eurer 3 Böckchen ihre Rangstreitigkeiten bis aufs Blut führen. Und das wird sich vermutlich durch die Kastration nicht ändern.

    Außerdem müsstet Ihr ja keinen abgeben, wenn Ihr einen jungen Kastraten zu Karlchen aufnehmen würdet. Durch den würden letztlich die Chancen auf die Zusammenführung nicht unbedingt schlechter werden, als wenn es nur 3 Böckchen bleiben würden.

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  • Eines fiel mir noch ein:

    Wenn Du ein weiteres Böckchen aufnehmen willst, muss das kein Jungtier sein. Wir haben bisher zweimal erwachsene Böckchen (jeweils kastriert) zu den anderen gesetzt und das war extrem entspannt. Es gab keinerlei Streit. Mit halbwüchsigen Böckchen (zwischen 3 und etwa 9 Monaten), haben wir dagegen Probleme gehabt. Aus einem Notfall haben wir einem zwei Böckchen mit 4-5 Wochen übernommen. Da gab es natürlich kein Problem mit den Erwachsenen.

    Man kann bei Meerschweinchen nichts sicher sagen. Es hängt so viel von den individuellen Tieren und der jeweiligen Situation ab. Aber ich wollte das einfach auch noch erwähnen.

    Wenn Du bei einem privaten Halter oder einer guten Notstation ein Böckchen finden würdest, das z.B. 1,5 und 4,5 Jahrend wäre und nur mit Böckchen zusammengelebt hat, wäre das einen Versuch wert. Dazu müsstest Du aber Rückgaberecht vereinbaren.

    Mit Böckchen meine ich immer kastrierte und unkastrierte Tiere.

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