Böckchen beißen sich fürchterliche Wunden

  • Tatsächlich habe ich eine Notstation bei München gefunden. Sie hat mehrere Frühkastrate (nach deinem Beitrag werde ich auch fragen wie es mit älteren ausschaut). Sie meinte ich könnte mit Karlchen kommen und dann könnten wir schauen ob es intuitiv mit irgendeinem gut harmoniert. Sie schreibt auch dass man das adoptierte Böckchen wieder zurückgeben kann wenn es nicht klappt. Mein Bauchgefühl findet das richtig gut.

    Vielen Dank für deine Bemühungen, ich bin sehr froh um deine Beiträge!

  • Ich will jetzt nicht als Besserwisser dastehen, aber wenn Du Karlchen mitnimmst und in einer fremden Umgebung in der Anwesenheit von fremden Personen zu einem anderen Böckchen setzt, sagt das noch nicht viel. Karlchen könnte aus Angst ganz friedlich sein und später zu Hause trotzdem aggressiv werden. Er könnte aber auch umgekehrt durch den Stress aggressiv werden - nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" - und wäre zu Hause friedlich.

    Außerdem kann es grundsätzlich bei einer Vergesellschaftung zunächst friedlich aussehen und nach einigen Stunden oder Tagen zu massivem Streit kommen. Die einzige schnelle Aussage wäre möglich, wenn zwei Meerschweinchen sich sofort heftig beißen oder anhaltend drohen.

    Wenn Du es vermeiden kannst, würde ich Karlchen noch dazu in Anbetracht seiner Wunde und Augenverletzung sowie Narkose vor einigen Tagen den Stress ersparen und das neue Böckchen nach Absprache mit einem hoffentlich geeigneten Mitarbeiter mitnehmen und es zu Hause versuchen.

    Bei einer Vergesellschaftung von Böckchen macht es durchaus einen Unterschied, ob sie ihr Revier verteidigen oder nicht. Besser ist daher immer ein Kennenlernen auf neutralem Boden. Am besten sollten sie dort für ein paar Tage bleiben. Sollte das bei Euch gar nicht möglich sein, würde ich zumindest einen Bereich abtrennen, umgestalten und dort die beiden hineinsetzen. Wenn der z.B. nur 3qm groß wäre, könntest Du auch eher eingreifen, wenn es nötig sein sollte. Wichtig ist auch dass es dann keinerlei Häuser und am besten anfangs auch keine Tunnel gibt. Ein Dach über dem Kopf - ggf. durch aufgespannte Handtücher o.ä. wäre wichtig, aber es sollte nichts geben, das man verteidigen kann oder wo man warten und den anderen, wenn er vorbeikommt "überfallen" kann.

    Bei einem Kampf sollte man nie mit bloßen Händen eingreifen, weil die Streithähne unter Umständen alles beißen, was ihnen vor die Zähne kommt. Ich habe für solche Fälle einen langen Stock, dessen Ende ich mit viel Stoff dick umwickele. Damit kann ich dazwischengehen, ohne die Tiere verletzen zu können und durch die Länge des Stockes kann ich auch etwas auf die Ferne einwirken.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Danke dir für deine Einschätzung. Fändest du die Option die Beste damit er jetzt nicht wochenlang allein sein muss? Am Zaun ist es jetzt echt niedlich, da die anderen beiden immer drumrum laufen und sie fressen nebeneinander als wäre kein Zaun dazwischen. Aber so ein richtiges soziales Miteinander ist natürlich nicht möglich und nachts ist Karlchen ja trotzdem erstmal alleine.

  • Wenn Du bereit bist notfalls bzw. wahrscheinlich, dauerhaft 2 Gruppen zu haben, würde ich für Karlchen in den nächsten Tagen ein weiteres Böckchen dazuholen.

    Es freut mich, dass sie jetzt anscheinend von einander profitieren. Das wäre ja auch meine Hoffnung, falls sie auf Dauer nicht zusammen sein könnten.

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  • Wie steht es denn mittlerweile um Deine 3 Jungs? Oder sind es schon 4?

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  • Hallo, wir sind nach wie vor bei 3en. Ich konnte mich nicht durchringen eine zweite Gruppe direkt zu eröffnen da wir eigentlich keine Möglichkeit dafür im Winter haben. Karlchen ist letzte Woche über die Absperrung gesprungen und es funktioniert seither ganz ok. Ich habe dadurch die Abtrennung zur Seite. Der ursprüngliche Chef(Helmut) nimmt sich aktuell total zurück und die anderen zwei haben immer wieder Rangeleien aber nicht mehr in dem Ausmaß als davor. Nachts ist es noch etwas rätselhaft. Karlchen hat den Stall übernommen, die anderen schlafen soweit ich es mitbekomme draußen. Ich beobachte weiter und bin etwas guter Hoffnung wenn ich sehe wie sie heute Abend zusammen auf der Wiese fressen. Wie ist dein Eindruck von meiner Schilderung?

  • Die Kombination von 2 Zweiergruppen wäre immer noch besser für den Winter als einmal 1 Tier + einmal 2 Tiere.

    Ich hatte schon mehrfach überlegt, ob Euer Schlafhaus das Hauptproblem darstellt. Wenn ich mich richtig erinnere, hattest Du geschrieben, dass die Beißereien nachts passierten. Vielleicht können wir gemeinsam überlegen, wie man das Schlafhaus so gestalten kann, dass es darin keinen Streit mehr gibt. Oder vielleicht wären auch 2 Schlafhäuser nebeneinander eine Lösung. Allerdings würdest Du dann m.E. so oder so ein viertes Böckchen brauchen.

    Natürlich kann dann alles zerbrechen, aber m.E. ist es auf Dauer keine Lösung 3 Böckchen zusammenzuhalten in Außenhaltung, die nicht harmonische miteinander sind. Du könntest natürlich noch 1 Monat warten, wie es weitergeht, aber wenn Du dann ein viertes Böckchen holst, müsste die Lage stabil harmonisch sein, ehe es kalt wird.

    Magst Du mal das Schlafhaus beschreiben und zeigen?

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  • Ich schicke mal Bilder vom Stall und Schlafhaus. Im Winter ist noch ein Frühbeet als Anbau dran damit sie bei ganz schlechtem Wetter noch mehr Auslauf haben. Das Schlafhaus im Stall isolieren wir zusätzlich damit es für den Winter geeignet ist. Ich habe tatsächlich keine Idee wie man das was umbauen könnte für zwei Gruppen…

    Heute habe ich bei Karlchen in der Nähe des Auges eine kleine Verletzung gesehen. Meinte Tochter meinte sie hätten gekämpft und einer sei sogar kurzzeitig auf dem Rücken gelegen.

    Vermutlich läuft es darauf raus, dass Karlchen weg muss, aber der Gedanke bricht mir und den Kindern das Herz. Zumal ich auch keine Vorstellung habe wie das ablaufen würde.

  • Hey, du schreibst, allein der Gedanke, dass Karlchen weg muss, würde dir und deinen Kindern das Herz zerreißen. Fakt ist leider, das unkastrierte Böcke einfach keine gute Chance haben in ein gutes, sicheres Leben vermittelt zu werden. Deswegen habe ich von ursprünglich einer Gruppe, fünf Gruppen und jeder Bock hat sein Leben bei mir. Ich hätte es nie über das Herz gebracht, ein Schweinchen abzugeben. Wie ich an so viele Meerschweinchen kam, ist noch mal eine andere Sache. Aber viel Platz und Geld hatte ich auch nicht aber mit etwa handwerklichen Geschick, lässt sich das sicher schaffen und die Hilfe bekommt du hier im Forum.

    Nur es kann wirklich zu einer ernsthaften Verletzung kommen. Ich hatte zerstrittene Böcke aufgenommen, die hatten so tiefe Wunden die sich zu Abzessen entwickelt hatten die wirklich tief waren. Da war ein halb abgerissen Ohr noch das kleinere Übel. Weil Bisswunden können wirklich schnell zu tiefen Abzessen werden. Bevor eines deiner Schweine richtig übel gebissen wird, muss ein Lösung her. Wenn du Karlchen abgibst, dann bitte an eine Notstation. Seriöse Notstationen kastrieren die Tiere vor der Vermittlung.

  • Wie sind denn die Abmessungen von dem Gehege innen?

    Wenn Du Karlchen abgibst, hast Du es mit 2 Meerschweinchen doch schlechter als mit 2 x 2. Würdest Du ihn abgeben wollen aus Angst, dass es mit einem neuen Partner auch nicht funktionieren würde? Oder warum bist Du von der Idee ein weiteres Böckchen zu ihm aufzunehmen abgekommen?

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  • Danke für eure Nachrichten.

    Es geht ausschließlich um die Situation im Winter. Hier weiß ich nicht wie sie gelöst werden kann mit 2 Gruppen, da der Stall den wir haben hier keine Möglichkeit bietet.

    Unser Gehege ist grundsätzlich ist ja total groß. Der Stall hat Größe (LxBxH): 155 x 76 x 80 cm, plus im Winter den überdachten Bereich und jederzeit Auslauf auf den Rest des Geheges.

  • Ich bringe mal isolierte Katzenhäuser ins Spiel.

    So was meine ich https://www.running-rabbit.eu/

    Gibt natürlich auch andere Anbieter. Die sind vergleichsweise klein, wenn Du da viel Stroh / Heu hineinpackst und einen Unterstand, könnten die Tiere sich aus dem Weg gehen, wenn sie wollen ohne das eines frieren muss, wenn Du es zusätzlich aufstellst. Ich habe keine Erfahrung damit, aber ich hab die Empfehlung schon häufiger gelesen / gehört.

  • Dieses Haus habe ich auch. Es ist aus 18 mm Fichtenholz und wenn du auf den Boden noch PVC klebst, ist es auch dicht. Bei mir klappt es in der Bockgruppe nur, weil ich viele Häuser und Schutzhäuschen habe. Im letzten Winter hockte leider immer ein Bock allein in dem oben verlinkten Häuschen, die anderen waren mindestens zu zweit in den Schutzhäuschen und haben sich gegenseitig gewärmt. Ich habe bei starken Frost für das allein sitzende immer ein Snuggle Safe reingelegt. Versuch es doch mal mit einem weiteren Schutzhäuschen. Auch wenn es nur einen Ausgang hat... was eine Engstelle im Konflikt ist. Vielleicht gibt es einfach wirklich nur Stress wegen den nächtlichen Schlafplätzen in deiner Gruppe. Von dem Anbieter gibt es die isolierte Schutzhäuschen auch mit Heizung. Falls du Stromanschluss hast und dich informieren kannst, ob dieses vor Anknabbern sicher ist, wäre das vielleicht auch gut um die Körperwärme im Winter gewährleisten zu können, falls es nur von einem Schweinchen bewohnt werden würde.

  • Ich würde etwas neu planen und bauen. Auf keinen Fall würde ich bei Böckchen ein Katzenhaus mit nur 1 Eingang verwenden. Wenn einer den Eingang versperrt und den anderen angreift, gibt es kaum eine Chance die Beißerei, die dadurch entsteht zu beenden.

    Ihr habt wirklich viel Platz, aber das Gehege ist m.E. für Böckchen zu eng. Es steht ja auch noch ein Haus darin. Das ist bei harmonischen Gruppen sicherlich kein Problem, aber es nimmt den Platz zum Ausweichen, wenn es zu Spannungen oder gar Streit kommt.

    Gerne können wir gemeinsam überlegen, aber meine ersten Gedanken sind:

    • 2 Häuser mit z.B. je 1500x80 cm aus massivem Holz bauen
    • beide nebeneinander stellen und in mittlerer Wand 2 Durchgänge vorsehen, die man öffenen kann, falls es mal zuverlässig harmonisch wird
    • je 2 Ausgänge (1 nach vorne, 1 zur Außenseite) vor die man im Winter einen "Vorhang" aus dickem Stoff hängt
    • auf beiden Seiten eine Heizmatten o.ä. mit Temperaturwächter anbringen, so dass die Temperatur auf z.B. 6-9 Grad eingestellt werden kann
    • in jeder Hälfte 3 nach oben und 2 Seiten offene Kammern mit viel Stroh tun im Winter
    • ausreichende Lüftungsschlitze unter dem Dach, da Feuchtigkeit das größte Problem ist

    Man könnte einfacher 1 Haus in der Gesamtgröße bauen, aber das wäre dann kaum mehr zu bewegen.

    Wie gesagt, müsste man über Details noch nachdenken und es sorgfältig planen. Falls Ihr selbst bauen könnt, wäre das gut und nicht zu teuer zu machen. Ansonsten würde ich mich nach jemandem umsehen, der mir das genau nach Plan baut.

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  • Danke für den Vorschlag. Das muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen. Ich wurde hier im Ort auf eine Frau aufmerksam gemacht, die in einer Notstation mitwirkt. Sie klärt dort mal ab ob sie eines aufnehmen könnte. Nun hat sich seit 2 Tagen die Situation hier irgendwie geändert. Man sieht immer mehr Karlchen und Hansi zusammen, dafür Helmut (der frühere Chef) alleine. Er hat auch einige Bisse am Po/Rücken. Dann futtern sie wieder alle 3 friedlich nebeneinander. Bin nach wie vor echt verunsichert wie die Situation einzuordnen ist.

  • Bisse am Po und Rücken bedeuten, dass er nicht mehr kämpft und ein anderer ihn beißt, obwohl er sich unterordnet. Das finde ich persönlich, wenn es anhält, schlimmer als Bisse am Kopf, die normalerweise entstehen, wenn Meerschweinchen noch nicht geklärt haben, wer der Überlegene ist.

    Meerschweinchen habe eine sehr dicke Haut. Wenn Du Bisswunden siehst, hat das sehr weh getan und bedeutet, dass der andere ihn entweder loswerden will oder nicht gelernt hat, friedlich zusammenzuleben.

    Ich würde das nicht über Wochen weiterprobieren. Zudem besteht immer die Gefahr, dass es jetzt Helmut irgendwann reicht und er sich doch wieder wehrt. Dann kann es zu neuen sehr schlimmen Verletzungen führen.

    Nach dem, was Du schilderst halte ich es für wahrscheinlich, dass die Drei keine friedliche Gruppe mehr werden. Wir als Halter zwingen die Meerschweinchen in Gemeinschaften, die sie sich nicht ausgesucht haben und denen sie ohne unsere Hilfe nicht entkommen können. Das hat nichts mit natürlichem Verhalten zu tun.

    Das schreibe ich nicht als Vorwurft an Dich. Aber gerade als Böckchenhalter müssen wir uns bei Problemen immer wieder fragen, was wir den Tieren zumuten dürfen und was nur sinnlose Quälerei ist.

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  • Ja da bin ich total bei dir, dieser Verantwortung bin ich mir absolut bewusst. Ich warte noch die Antwort der Notstation ab und schaue es mir ein paar Tage an. Angenommen sie würden Karlchen aufnehmen: gelingt es dass er friedlich vergesellschaftet wird? Und wie würde es mit meinen zwei weitergehen? Ergänzen durch Weibchen wären keine Option, da es der Platz nicht zulässt…müssten ja mindestens 4 sein. 2 junge Kastrate oder 1-2 „ältere“ harmonische die bereits zusammen leben?

  • Ich würde keinen abgeben, sondern zu einem der dominanteren ein passendes Böckchen dazunehmen. Das könnte entweder ein maximal 8 Wochen altes kastriertes Böckchen sein oder eines von 2-4 Jahren sein.

    Bei dem Kleinen würde es zunächst wahrscheinlich sehr einfach werden. Wie es dann später weitergehen würde, weiß man aber nicht. Wobei Zweiergruppen bei ausreichendem Platz wie schon geschrieben oft dauerhaft gut funktionieren.

    Bei einem kastrierten Böckchen mit mindestens 2 Jahren könnte es anfangs zu Rangeleien kommen und dann friedlich sein oder im schlimmsten Falle schnell klar werden, dass die beiden nicht zueinander passen. Es kann aber auch von der ersten Minuten an friedlich sein. In jedem Falle ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Du bei einem erwachsenen Böckchen schnell sehen würdest, ob die beiden dauerhaft zusammen passen.

    Ein neues erwachsenes Böckchen sollte möglichst nicht dominant sein. Das würde es von Anfang an leichter machen. Für eine Erziehung eines Deiner Böckchen ist es aus meiner Sicht ohnehin zu spät. Es könnte nur noch einen guten Einfluss durch ein freundliches, entspanntes Böckchen geben.

    Eine gemischte Gruppe kann auch bei 2 Böckchen und 6 oder 8 Weibchen scheitern. Und 8 oder 10 Meerschweinchen ist schon eine viel größere Herausforderung als 3 oder 4. Irgendwann werden fast alle Meerschweinchen krank und benötigen dann viel Zeit und Geld.

    Warum überlegst Du, einen abzugeben?

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