Verbleibendes Pärchen versteht sich nicht mehr

  • Hallo liebes Forum,

    ich bin neu hier und hoffe auf guten Rat. Fast sechs Jahre hatte ich nun eine gut funktionierende Dreiergruppe aus zwei Weibchen und einem Kastraten. Leider ist eines der Weibchen schwer krank geworden (Hornhautverletzung und riesige Lymphknoten) und sie ist sehr schwach, deshalb habe ich sie von den anderen getrennt. Sie haben aber weiterhin Sicht- und Geruchskontakt.

    Seit der Trennung verhält sich das andere Weibchen dem Kastraten gegenüber plötzlich sehr aggressiv. Sie lässt ihn nicht ans Futter und wirkt insgesamt viel dominanter als zuvor. Als ich versucht habe, das kranke Weibchen unter Aufsicht kurz wieder dazuzusetzen, hat das gesunde Weibchen sogar nach ihr gebissen, weshalb ich sie sofort wieder getrennt habe.

    Ich befürchte, dass das kranke Weibchen es möglicherweise nicht schaffen wird. Jetzt habe ich Angst, dass die verbleibende Zweiergruppe dauerhaft nicht mehr funktioniert. Im Moment weiß ich nicht, ob das Verhalten nur Stress wegen der aktuellen Situation ist oder ob sich die Gruppendynamik grundsätzlich verändert hat.

    Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Kann sich so etwas nach dem Verlust eines Tieres wieder beruhigen oder muss ich damit rechnen, dass die Konstellation dauerhaft schwierig bleibt?

  • Willkommen :)

    Prinzipiell würde ich geschwächte und kranke Tiere nicht von ihrer Gruppe trennen, weil das zusätzlichen Stress für die Tiere bringt. Wenn das andere Weibchen aber nach dem kranken beißt, ist es in diesem Fall wohl doch notwendig.

    Die Gruppendynamik ändert sich durch Verlust oder Hinzusetzen eines Tiers immer, manchmal auch gravierend. Aber Aggression gegenüber dem Kastraten, mit dem das Weibchen sich jahrelang gut verstanden hat, finde ich ungewöhnlich. Aus meiner Erfahrung ist es so, dass bei einer Dreiergruppe, die auf zwei schrumpft, die verbliebenen beiden eher näher zusammenrücken. (Ausnahme: ich hatte zwei Weibchen, die nach dem Tod des Kastraten gar nicht gut miteinander konnten, aber die mochten sich vorher schon nicht wirklich, da fehlte der Kastrat als schlichtende Partei.)

    Ich würde das aggressive Weibchen von Grund auf durchchecken lassen, Schmerzen (sei es durch Arthrose, Harnröhrensteine, oder irgendwas anderes) können Aggression auslösen. Eierstockzysten kommen mir auch in den Sinn bei plötzlicher Aggressivität/dominantem Verhalten.

    Alles in allem: ich glaube nicht, dass es an der veränderten Gruppenzusammensetzung liegt. Hast du einen guten, explizit meerschweinchenkundigen Tierarzt in der Nähe? Viele Tierärzte kennen sich mit Kleinnagern leider nicht gut aus.

  • Herzlich Willkommen auch von meiner Seite!

    Es tut mir leid, dass es dem einen Weibchen so schlecht geht und jetzt auch noch der Streit entstanden ist. Folgende Gedanken habe ich noch dazu:

    Hornhautverletzungen am Auge heilen bei Meerschweinchen in der Regel erstaunlich schnell und gut, wenn sie richtig behandelt werden. Gibst Du vom Tierarzt verordnete Salbe und Tropfen und das oft genug?

    Ist sie wegen der geschwollen Lymphknoten in Behandlung? Die können im besten Falle "nur" auf eine Entzündung hindeuten.

    Stand das jetzt kranke Weibchen bisher über dem gesunden? Und wie war das Verhältnis zwischen den Weibchen und dem Böckchen individuell? Meine Überlegung ist, dass das verbliebene Weibchen vielleicht auch vorher schon gerne gegen den Kastraten aufbegehrt hätte und vom anderen Weibchen daran gehindert wurde. Oder sie könnte jetzt versuchen ganz noch oben zu kommen?

    Gibt es Bisswunden und wenn ja wieviele und wo?

    Natürlich ist der Gedanke an ein hormonelles Problem bei dem verbliebenen Weibchen richtig und sollte auch verfolgt werden.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Vielen Dank für eure Einschätzungen! Tatsächlich kennt sich die Tierärztin meines Erachtens nicht besonders gut mit Meerschweinchen aus, die Arzthelferin wusste besser Bescheid und hat vor allem die Lymphknoten ernst genommen. Einer ist über das lange Wochenende pflaumengroß geworden. Sie kann gar nicht mehr richtig schlucken, ich füttere seit ein paar Tagen critical care. Ich habe fürs Auge Antibiotika-Tropfen morgens und abends, und dann noch eine Salbe, die ich drei- bis fünfmal am Tag anwende. Außerdem Schmerz-saft morgens und Antibiotika oral abends. Es ist wirklich sehr schlimm, ich denke, wenn es ihr in den nächsten Tagen nicht deutlich besser geht, werde ich sie gehen lassen müssen.

    Das gesunde Weibchen war schon immer der Chef der Gruppe, sie ist eine richtige Drama-Queen. Sie schreit am lautesten und beißt mich regelmäßig beim Krallen schneiden, und sie entscheidet nach dem Misten als erste, welches Haus sie beziehen will. Die Kranke ist ein wundervolles Schweinchen, sie ist außergewöhnlich zahm und wirkte immer total ausgeglichen. Das Stichwort 'schlichtende Partei' wäre für mich durchaus plausibel. Das Männchen ist von der Persönlichkeit her irgendwo zwischen den Damen. Er ist relativ zutraulich und unaufgeregt. Körperlich eher schmächtig. Es gibt mehrere Futterstellen, er bekommt schon immer etwas ab. Aber inzwischen muss ich ihm manchmal eine Extraportion vor die Haustür legen, da die andere Dame ihn so einzuschüchtern scheint. Bisswunden habe ich bislang keine entdeckt und ich schaue täglich.

  • Du solltest unbedingt den Tierarzt wechseln. So schnell wie möglich. Da das Meerschweinchen im Studium oft nur am Rande vorkommt, kennen sich die meisten Tierärzte damit nicht wirklich gut aus.

    Sich dir am besten einen "Fachtierarzt für Heimtiere" nicht Kleintiere.

    Hier ist eine Liste und Karte dazu, bitte bisschen nach unten scrollen:

    https://meerschweinchenwiese.d…/meerschweinchen-tierarzt

    <3Karla *2019 <3 Ludwig *18.1.2022 <3 Minna *ca. 20.8.2022 <3 Selma * 2.2.2024 <3 Ottilie * 9.11.2025 <3

    Für immer im Herzen: Berta, Pieps, Charly, Greta, Emma, Sophie, Chocolate, Amalie, Lola

    Einmal editiert, zuletzt von Schweinemagd ()

  • Vielleicht kommst Du aus einer Gegend, in der einer von uns lebt und aus eigener Erfahrung einen Tierarzt empfehlen kann. Wenn Du magst schreibe bitte die Region oder die ersten 3 Stellen Deiner Postleitzahl.

    Wir haben hier einen bebilderten Bericht von einer sehr schlimmen Augenverletzung. Diese ist wie Du sehen kannst trotzdem abgeheilt, weil es eine sehr gut abgestimmte und im Verlauf angepasste Behandlung gab. Ich schreibe das als Ermutigung im Blick auf die Augenverletzung.

    Bzgl. der Lymphknoten: Wird sie da behandelt und was soll überhaupt die Ursache sein?

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Ich wollte eben schreiben, dass die Bilder wirklich Hoffnung machen. Aber als ich ihr gerade nochmal Tropfen gegeben habe, ist sie auf meinem Schoß gestorben.

    Die Tierärztin meinte, der Lymphknoten sei wegen dem Auge so dick und die Behandlung war das systemische Antibiotikum. Das wird mir eine Lehre sein. Der nächste Meerli-kundige Tierarzt von der Liste (danke Schweinemagd!) ist in Adelberg. Ich wohne in 895.. Die Anfahrt nehme ich gern in Kauf, wenn ich das nächste Mal einen Tierarzt brauche. Falls jemand aus meiner Nähe kommt und einen näheren guten Arzt kennt, wäre ich über den Tipp dankbar.

  • Das tut mir sehr leid, dass dein Weibchen gestorben ist.

    Ich würde das aggressive Weibchen auf jeden Fall auch durchchecken lassen, ob es eine gesundheitliche Erklärung für das Verhalten gibt.

    Ich hatte mit meinen Meerschweinchen vor einigen Jahren folgende Erfahrung gemacht: ich hatte eine harmonische Vierergruppe, bestehend aus einem Kastraten und drei Weibchen. Nachdem der Kastrat verstorben ist, fing Frieda an, Maya zu jagen. Sie hat nicht gebissen, sie aber immer wieder verjagt und ist ihr auch aktiv hinterher. Da dachte ich, es fehlt der Kastrat, auch wenn Bounty nie groß geschlichtet hat. Sobald ein neuer Kastrat einzog, hat Frieda Maya in Ruhe gelassen. Kurz darauf ist leider auch eins der Weibchen, Hope, gestorben. Und wieder fing Frieda an, Maya zu jagen. Sobald ein neues Weibchen einzog, war es wieder friedlich und das blieb es auch bis zu Mayas Tod und auch danach jagte Frieda kein anderes Schwein. Woran genau Friedas Verhalten lag, weiß ich nicht. Frieda war über Maya in der Rangfolge, aber auch über Hope. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es eine Rolle gespielt hat, welches Schweinchen gestorben ist, sondern eher, dass es an der veränderten Gruppensituation lag. Hope war ein sehr liebes Meerschweinchen, das einfach in der Gruppe mitgelaufen ist. Sie hätte sich nicht in Streitereien oder Ähnliches eingemischt. Mit einem neuen Tier hat sich die Aufmerksamkeit gefühlt dann wieder mehr verteilt. Interessanterweise hatte Maya als sie einen Eierstocktumor hatte das auch nur an Frieda ausgelassen und hat nur sie gejagt.

    Damit will ich nicht sagen, dass es bei dir die gleiche Situation ist und es mit einem neuen Meerschweinchen besser wird. Ich weiß ja selbst nicht, wie genau sich das Verhalten erklären lässt. Frieda wurde durchgecheckt und hat sich sonst auch nie auffällig Verhalten. Es ist lediglich eine Erfahrung bezüglich Veränderung in der Gruppe nach dem Tod eines Tieres, die ich gemacht habe.

    ♡ Kiwi (ca. 08/24), Quint (12/25), Yuki (03/25) ♡

  • Das tut mir sehr leid für Dein geliebtes Tier und für Dich!

    Ich halte es für ausgeschlossen, dass die Lymphknoten anschwellen wegen einer Hornhautverletzung. Und selbst wenn sich das Auge entzünden sollte, hätte das vermutlich keine solch starke Auswirkung auf den gesamten Körper. Von daher finde ich es gut, dass Du Dir einen anderen Tierarzt suchen willst. Viele von uns haben leider schon in der einen oder anderen Situation eine falsche Behandlung oder gar grundlegende Mängel bei einem Tierarzt erlebt. Hinterher macht man sich dann Vorwürfe, aber das wichtigste ist, das man für die Zukunft eine bessere Behandlung findet.

    Ich hoffe, Du findest auch für die Gruppensituation die richtige Lösung!

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Oh nein, welche schlechten Nachrichten. Es tut mir so leid. ☹️ Ich hatte so sehr auf eine Besserung gehofft...

    An einer Hirnhautentzündung oder "nur an" geschwollenen Lymphknoten stirbt kein Schweinchen. Interessant wäre gewesen, warum der Lymphknoten so groß war. Und dann natürlich die Frage, ob man das, was den großen Lymphknoten verursacht hat, hätte behandeln können.

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  • Der nächste Meerli-kundige Tierarzt von der Liste (danke Schweinemagd!) ist in Adelberg. Ich wohne in 895.. Die Anfahrt nehme ich gern in Kauf, wenn ich das nächste Mal einen Tierarzt brauche. Falls jemand aus meiner Nähe kommt und einen näheren guten Arzt kennt, wäre ich über den Tipp dankbar.

    Dann wohnst du in der Nähe von Heidenheim.

    Ist es dir bis nach Reutlingen zu weit, Fahrzeit rund 1,5 Stunden?

    Dort gibt es eine hochspezialisierte Praxis, die nur Meerschweinchen, Kaninchen etc. behandelt. Von ihr habe ich schon wirklich sehr viel sehr gutes gehört. Im Moment bin ich mit meinem Tierarzt sehr zufrieden und bin dort schon 13 Jahre. Ich würde aber wenn er im Urlaub ist, bei Problemen oder wenn er nicht weiter weiß sofort dorthin gehen.

    Leonie Lympp, Reutlingen

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