Erlebnisse im Wartezimmer beim Tierarzt

  • Ich muss kurz los werden was ich heute im Wartezimmer der Tierarztpraxis erlebt habe:

    Situation 1 - Vormittag:

    Eine Frau kommt ohne Tier rein und geht an die Rezeption, an der eine ca. 20 Jährige TFA sitzt. Sie musste heute nochmal kommen um sich zu beschweren, wie hoch die Rechnung für die OP war. Niemand hat ihr vorher gesagt, wie teuer solche Sachen sind und dann soll sie demnächst auch noch für die Einschläferung bezahlen. Das wäre zwar ihr Tier, aber das geht ihr dann doch zu weit.

    Die TFA sagt zu ihr nur "ok ich gebe das an die Tierärztin weiter". Danach regt sich die Frau weiter auf und sagt immer wieder, wie übertrieben das Alles ist und sie sieht das nicht ein. Als sie merkt, dass sie keine weitere Reaktion bekommt, geht sie endlich.

    Anmerkung: sie sagte kein einziges Mal, dass sie es sicht nicht leisten kann. Sie fand es einfach unerhört, dass davon ausgegangen wurde, dass sie sich das für ihr Tier leisten will.

    Situtation 2 - Mittag:

    Als ich ins Wartezimmer komme unterhalten sich zwei Hundehalterinnen angeregt miteinander. Sie haben sich erkannt, weil ihre Hunde Geschwister aus dem gleichen Merle-Wurf sind (Australian Shepard). Sie tauschen sich über die Züchterin aus (so schade, dass sie die Blue-Merle-Zucht eingestellt hat, aber sie züchtet jetzt ganz süße "Moderasse x") und dann über die anderen Geschwister aus dem Wurf und die Elterntiere. Ganz traurig finden sie, dass der Vater (der zwei Hunde) schon mit 5 verstorben ist. Und das mit dem Großvater war auch so tragisch und traurig! So früh!

    An der Stelle wünschte ich mir schon Kopfhörer mitgenommen zu haben. Aber kam noch eine Frau mit einem Merlehund rein. Die Zwei fragten sofort nach, ob das auch ein Hund aus dem Wurf ist. Nein war es nicht, aber natürlich kennt man trotzdem die Züchterin und die Hunde sind irgendwie doch verwandt.

    Dann unterhielten sie sich darüber wie toll und speziell ihre Hunde sind ("Aussies sind Rassisten! Was ich mit meinem schon so erlebt habe! Der mag nur andere Aussies) und was für ein Glück es ist unter Gleichgesinnten zu sein.

    Ich kann mir gut vorstellen, was die Ärztinnen und TFAs dazu zu sagen hätten, die immer wieder an ihnen vorbei gelaufen sind.

    Leider bekam ich nicht mehr mit, ob sie irgendwann darauf gekommen sind zu fragen, warum sie jeweils dort waren.

    (Erlaubte) Merlezuchten werden glaube ich nicht allzu kritisch gesehen, aber dass man anhand dieser Informationen und dem ersten Aufeinandertreffen beim Tierarzt nicht zum Nachdenken kommt..


    Ich glaube als Mitarbeiter beim Tierarzt muss man sich echt oft auf die Zunge beißen.

  • Ich hatte mich auch erstmal belesen was es mit den Merle-Hunden auf sich hat. Das hatte ich dazu gefunden, damit erklärt sich das Problem:

    Das Merle-Gen führt neben einem größeren Weißanteil im Fell in einigen Fällen zu Fehlbildungen des Innenohrs mit Taubheit. Bei reinerbigen (homozygoten) Tieren sind 10 % einseitig und 15 % auf beiden Ohren taub. Von den mischerbigen Tieren sind 2,7 % einseitig, 0,9 % vollständig taub. Vor allem bei homozygoten Tieren können auch Fehlbildungen der Augen auftreten. Betroffene Tiere können in der Entwicklung hinter Wurfgeschwistern zurückbleiben, verminderte Lebensfreude zeigen und sterben manchmal vor der Geschlechtsreife.

    Die gezielte Zucht mit einem Gendefekt aus rein ästhetischen Beweggründen ist stark umstritten.

  • Ich verstehe leider das Problem an Situation 2 nicht so Recht. Kannst du das genauer erklären?

    Hunde der Rasse Australien-Shepherd mit der Farbe "merle" haben starke gesundheitliche Probleme. Trotzdem werden sie absichtlich gezüchtet. Schau mal hier:

    https://www.peta.de/themen/australian-shepherd-kaufen/

    <3Karla *2019 <3 Ludwig *18.1.2022 <3 Minna *ca. 20.8.2022 <3 Selma * 2.2.2024 <3 Amalie *ca. 25.4.2024

    Für immer im Herzen: Berta, Pieps, Charly, Greta, Emma, Sophie, Chocolate

  • Achso das wusste ich tatsächlich nicht!

    Sowieso finde ich es immer schwierig wenn man sieht wie viele Menschen sich heutzutage Hüte- oder Jagdhundrassen holen. Ich glaube nicht dass diese Tiere in eine Stadtwohnung gehören und dann kommt dieses Gen-Lotto Spielen noch dazu... Alles sehr schwierig

  • DieWildenKerle abgesehen davon, dass ich es sehr kritisch sehe Gene aus ästethischen Gründen bei der Zucht zu fördern, die zu gesundheitlichen Problemen führen, fand ich die Situation aus noch mehr Gründen fragwürdig:

    • Zwei Junghunde aus demselben Wurf treffen beim Tierarzt aufeinander und treffen dort noch einen weiteren Junghund aus der gleichen Zucht. Natürlich könnten Alle wegen Impfungen dort sein, aber es machte auf mich nicht den Eindruck.
    • Die Tiere, mit denen gezüchtet wurde sind nicht alt geworden und hatten irgendeine schwere Krankheit, um die herum gesprochen wurde
    • Die Züchtern hat die Zucht dieser Hunde aufgegeben und züchtet stattdessen jetzt eine komplett andere (kleine) Rasse

    Ich war einfach schockiert davon, wie sehr man negative Konsequenzen von Zucht aus optischen Gründen ausblenden kann.

    Und ich habe zum ersten Mal erlebt wie Australian Shephard Liebhaber untereinander sein können. Ich bin gestern nicht ins Detail gegangen, aber die Beschreibung von Hundeerlebnissen würde ich nicht als witzige und besondere Eigenschaft von Blue-Merle-Aussies bezeichnen, sondern als beunruhigende Verhaltensauffälligkeit. Würde mein (nichtexistenter) Hund mich zu Boden reißen um einem fremden Hund an die Kehle zu gehen, würde ich nicht lachend darüber sprechen, dass "Aussies eben Rassisten sind". Das war für mich als Jemand außerhalb solcher Hundehalterkreise wirklich absurd.

  • Jasmin ich hätte innerlich wahrscheinlich gekocht vor Wut über ein solch ignorantes Verhalten.

    Dass Hunde durch gezielte Zucht Schwierigkeiten mit der innerartlichen Kommunikation haben ist leider wirklich der Fall. Z.B. sorgt eine fehlende Rute, kurze Nase, viele Falten, ständiges Grunzen/ hecheln durch Atemnot, vermehrtes Bellen und Jaulen, geduckte Gangart u.s.w dafür dass betroffene Hunde missverstanden werden und ihr Verhalten als eine Art der Aggression interpretiert wird. Aber Rassisten gibt es unter Hunden nicht, wie kommt man den auf so eine Idee? Ich vermute eher dass die Besitzer als "Rasseliebhaber" andere Rassen, besonders Mixe, abwerten und ihre eigene Einstellung in das Verhalten der Hunde hinein interpretieren.

    Wirklich ein Paradebeispiel dafür wie ignorant und oberflächlich viele Tierbesitzer sind und die Gesundheit und Bedürfnisse ihrer Tiere ignorieren, solange die Farbe stimmt.

    Tierärzte und Pfleger tun mir unfassbar leid. Ich kenne zwar auch zwei Tierärzte welche die Einstellung teilen (Straßenhunde sind Müll, nur Rassetiere sind gut genug) aber die meisten leiden wahrscheinlich sehr darunter. Mit Sicherheit auch einer das Gründe weshalb das Suizidrisiko bei Tierärzten überdurchschnittlich hoch ist. Wer Tierärztin wird um Tieren zu helfen und dann tagtäglich mit solchen Besitzern zu tun hat, stumpft entweder ab oder wird krank ?( .

  • ByteSchweinchen das mit den Kommunikationsproblemem war mir außer bei der Route gar nicht bewusst, aber es macht absolut Sinn.

    Es macht wirklich wütend, weil es so eine komische Form der Tierliebe ist. Solche Halter wissen vermutlich unglaublich viel über ihre Lieblingsrasse, aber beschäftigen sich nicht genug mit dem Verhalten ihrer Hunde und deren Bedürfnissen. Geschweige denn genetischen Konsequenzen (Krankheit, Verhalten). Einen Arbeitshund glücklich und gesund zu halten ist ohnehin schon eine Herausforderung.

  • Gerade mit diesen Hunden mit Faltengesicht gibt es auch Kommunikationsprobleme. Mein Hund ist ein totaler Pazifist, aber wenn sie schon von weitem die röchelnden Nachbarsbulldoggen hört, knurrt sie und stellt ihr Fell auf.

    Einen gewissen Rassismus bei Hunden gibt es schon, z.B. Labradore kommen besser mit anderen Labbis klar, bzw. viele andere Hunde kommen mit deren distanzlosem Verhalten nicht gut zurecht. So sind Labbis nun mal.

    Aber die Hunde heute, insbesondere Rassehunde vom Züchter, haben kein Sozialverhalten gelernt und wenig Erziehung genossen. Die Mischlinge aus dem Ausland sind meistens nicht die, die Theater an der Leine machen und andere attackieren wollen.

  • Einen gewissen Rassismus bei Hunden gibt es schon, z.B. Labradore kommen besser mit anderen Labbis klar, bzw. viele andere Hunde kommen mit deren distanzlosem Verhalten nicht gut zurecht. So sind Labbis nun mal.

    Dem stimme ich zu, für Bulldoggen ist das Röcheln normal, sie kennen das von sich selbst, der Mutter, den Geschwistern... andere Hunde jedoch nicht. Genau wie bei dem überfreundlichen Verhalten der Labbis :).

    Allerdings würde ich nicht von Rassismus sprechen wollen. Hunde diskriminieren andere Hunde nicht auf Grund ihrer ethnischen Herkunft oder ihrer Farbe. Sie reagiern nur ihrer Prägung und Erfahrung entsprechend auf gewisse Verhaltensweisen und Eigenschaften anderer Rassen.

    Aber ich vermute dass wir im Prinzip das Gleiche meinen :).

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