Meine ehemaligen Käfigschweinchen

  • Ich möchte euch gerne nach und nach meine ehemaligen Käfigschweinchen vorstellen. In den letzten zwei Jahren hat es sich rum gesprochen, dass ich "die mit den Meerschweinchen" bin und so wurde ich oft angesprochen, ob ich nicht Meerschweinchen haben wollte. Ich habe aktuell 5 Gruppen, davon 4 Haremsgruppen und 1 Bockgruppe. Ich fange mal mit der Gruppe an, auf die ich wirklich stolz bin und die auch nur dank dem Zufall zustande kam...

    Diese Gruppe besteht aus zwei Kastraten und 5 Mädels zwischen 1,6 und 4,8 Jahren die auf 9 qm in ganzjähriger Aussenhaltung leben.

    Die beiden Kastrate teilen das selbe Schicksal, beide als Jungtiere unter 10 Wochen in der Zoohandlung zusammen mit einem weiteren Böckchen gekauft. Bis dann die erste Rappelphase kam und sie sich auf engsten Raum zerstritten. Weil die Fetzen flogen und im Kampf das Einstreu umher flog, mussten sie weg. Ausserdem hatten sie sichtbare Bisswunden, vor lauter Stress Milben- und Pilzbefall und ein Tierarztbesuch kostet Geld...

    Das sind die beiden Böcke Mr. Schoko und Mr. Toffee

    Mr. Schoko war mit seinem Bruder, Bopper - (das Schweinchen mit den Zahnproblemen) in einem Käfig, der wegen den Streitereien unterteilt war. Es gab unten und oben mit einer sehr steilen Rampe verbunden. Als ich sie mir ansah, saß tatsächlich einer unten und einer oben, sie würden sich aber aus dem Weg gehen wurde gesagt. Das Futter, ein kleiner Napf mit Vitakraft-Körnerfutter, stand aber unten. Ich musste unzählige Wunden versorgen und Mr. Schoko hatte den gesamten Maulbereich eitrig durch Bisswunden. Ausserdem fehlte ihm ein Schneidezahn. Man sieht hier gut, dass seine Zähne regelmäßig gereinigt werden müssen denn sie sind immer verfärbt und mit Futterresten verschmutzt. Seine Lippen schließen sich auch nicht mehr durch die Narbenbildung.

    Ich hatte versucht, ihn mit seinem Bruder Bopper in meine Bockgruppe zu integrieren aber er war nicht sozialisiert und sehr aufdringlich den anderen gegenüber. Er wollte keinem die Rangordnung abnehmen... ist also nicht aufgeritten oder hat mackermässig gebromselt. Er wollte Freundschaften und Teilhabe... hat aber die Grenzen der anderen deutlich überschritten. Er schnupperte interessiert am Gesicht und hat gleich einen Biss abbekommen. Er hat sich auch oft zu nah an meine Böcke gelegt und wurde verjagt. Zähne klappern, gähnen etc. hat er nicht als Signal wahrgenommen... der Wunsch nach Artgenossen war zu groß. Mit seinem Bruder Bopper war er so sehr zerstritten dass sie sofort aufeinander los gingen. Ich hatte Hoffnung Platz und eine neue Gruppendynamik hätten die Streitereien beendet. Dem war nicht so - deswegen musste ich Bopper auch nach kurzer Beobachtungszeit aus der Bockgruppe nehmen. Er ging direkt auf jeden Bock los. Mr. Schoko hatte ich ein paar Tage länger gegeben, ich dachte er könne noch lernen, sich anzupassen. Er war einfach lieb, kein Zähnklappern kein Angriff jedoch Neugierde. Aber die anderen waren von seiner Aufdringlichkeit sehr gestresst, so dass ich ihn rausnahm und kastrieren ließ. Weil das er gebissen und jegagt wurde, kannte er schon von Bopper..es schien ihn gleichgültig zu sein. Nach der Kastrationsfrist und leider Einzelhaltung bekam er zwei Mädels, die ich von einer Notstation aufnahm. Zuvor hatte ich versuchst, ihn mit zwei Weibchen zu vergesellschaften, die bei mir bestens sozialisiert waren und bei mir in einer Haremsgruppe aufgewachsen sind. Irgendwie machte es Mr. Schoko wohl Freude, Fellpflege bei den Mädels zu betreiben, also schnuppern und putzen, Ohren und Augen lecken... das gefiel den beiden Mädels aber gar nicht sie liefen einfach nur weg, anstatt ihn mal in die Schranken zu weisen. Ich habe festgestellt, dass Erziehung untereinander in dem Alter nicht mehr ging. Denn auch bei den Mädels war er so aufdringlich dass sie ihm einfach bissen und verscheuchten. Ein paar Tage ging das so. Bis ich die Idee hatte, die Karten müssen neu gemischt werden. Ich hatte die Idee ihn mit Mädchen die bisher keinen Bockkontakt hatten zu vergesellschaften und die eher scheu sind und somit auf seine Fürsorge und seinen Schutz angewiesen sind. So kamen Miss Melow...

    ... ein vierjähriges Peruaner Mädchen (Sie trägt aktuell ihre Sommerfrisur - geschoren ab mitlerer Körperhälfte, weil sie extrem langes und dickes Fell hat)

    und Amber (hinten auf der Rampe vor dem Schutzhütteneingang)...

    ... ebenfalls 4 Jahre von einer Notstation zu mir. Die beiden waren zusammen ohne Bock aufgewachsen, waren sehr scheu und ängstlich. Mein Plan ging auf, Mr. Schoko wurde dankend als Beschützer angenommen. Und ich hatte eine harmonische dreier Gruppe in Innenhaltung. Mr. Schoko hatte deutlich Übergewicht was ich schlecht runter bekam. Also gab es täglich viele Stunden Auslauf...so kam der Zufall, dass er ein zweites Mal die Bekanntschaft mit Mr. Toffee machte.

    Das ist Mr. Toffee (der Vordere). Ihn hatte ich letztes Jahr schon in der Bockgruppe in Aussenhaltung ,als die beiden zerstrittenen Brüder Mr. Schoko und Bopper da alles aufwirbelten.

    Damals war er ebenfalls schon seit 3 Monaten dort und noch in Entwicklung. Er hat sich aus allem rausgehallten aber die Verhaltensweisen der anderen stets beobachtet. Er kam mit 7 Monaten zu mir "wegen Allergie der Kinder" mit einem weiteren Bock. Die beiden kamen dann in die Rappelphase und Mr. Toffee war der Verlierer, der so sehr untergeordnet war, dass er sich nicht mehr aus dem Schutzhaus traute. Es gab Futter, er schaute nur aus dem Eingang heraus, kam aber nicht. Ich habe das dann beobachtet, nachdem die anderen mit Fressen fertig waren, kam er sehr sehr unsicher und langsam zum Futter. Der andere Bock im gleichen Alter sah das aus 7 Meter! Entfernung, rannte los und verscheuchte Mr. Tofee mit einem gezielten Biss in den Hintern vom Futter. Der arme war so verängstigt, dass er wieder in der Schutzhütte verschwand aber wirklich laut fiebte vor Schmerzen. Ich nahm ihn raus mit ins Haus weil ich seine Wunde versorgen wollte und ihm ein Quartier einrichten wollte. Denn für mich war das keine normale Klärung der Rangordnung, sondern gezieltes Mobbing und das sollte Mr. Toffee nicht erfahren. Dass ich die vorhandenen Böcke kastrieren lasse, wenn es in der Bockgruppe nicht passt, war für mich bei der Aufnahme von vornerein klar. Ich habe die Erfahrung gemacht, entweder passt es von vornerein also von der ersten Sekunde an zwischen den Böcken oder aber gar nicht..Erst mal Rangordnung klar machen bedeutet für alle viel Stress.

    Aufjedenfall nahm ich Mr. Toffee dann mit rein, setze mich auf den Boden - ihn auf den Schoss um seine frische Bisswunde zu begutachten und schwups da sprang mir Mr. Schoko auf den Schoß. Ich hatte bei aller Hektik vergessen, dass er ja noch seinen Auslauf hat. Und auch da gab es zwei Optionen entweder sie können sich von der ersten Sekunde riechen oder nicht. Mr. Schoko, der liebe fürsorgliche Kerl, begann ihm das Fell zu putzen, stupste ihn an und Mr. Toffee, der deutlich kleiner ist, grub sich sofort unter ihn. Am nächsten Tag ließ ich Mr. Toffee dann kastrieren und mit einem Gitter abgetrent lebte er sechs Wochen mit Sicht- und Riechkontakt neben Mr. Schoko und seinen Weibchen. Um den beiden Gruppen die scheu zu nehmen, habe ich nach der Kastrationsfrist drei Mädchen (Foto oben Flummi, Rosi, Tiny) aus einer größeren Gruppe von mir gegeben, die neugierig, aktiv, bettelnd etc. sind. Ich sehe wirklich jeden Tag, wie sich die anderen Schweinchen von diesen drei Mädels die Verhaltensweisen abschauen und sie selbst übernehmen. Miss Melow z.B. die ein absolutes Panikschweinchen war, hat z.B. beobachtet, wie die Mädels Männchen machen, angelaufen kommen wenn eine Tüte raschelt und macht dies nun auch. Stress untereinander gibt es in der Gruppe gar nicht. Neben Hauptbeschäftigung Nr. 1 - dem Fressen wird gerne zusammen in der Sonne gedöst und da liegen Mr. Schoko und Mr. Toffee oft aneinander gekuschelt - was ja untypisch für Meerschweinchen ist. Aber leider haben die Käfigschweine alle Verhaltensweisen, die mit ihrer vorherigen Haltung zu begründen sind.

    Das soll es für heute gewesen sein. Die anderen Gruppen stelle ich euch nach und nach vor. Jetzt heisst es, Wiese pflücken... ausmisten und arbeiten gehen. Habt einen schönen Tag!

  • So hübsch die Bande und wie toll, dass du dich ihnen angenommen hast.
    Meine brennenste Frage direkt, bei sovielen Meeris (die anderen Gruppen hast du ja noch nicht vorgestellt), wie machst du das mit Wiese füttern? Da musst du ja enorme Menge sammeln gehen?
    Ich habe gerade jetzt, wo es so trocken ist, bereits Mühe mit 5 Meeris und zwei Zwergkaninchen :D

    Rebecca aus der Schweiz mit Helena (05/21), Daisy (07/23), Lucy (07/23), Carmela (07/23) & Paco (07/23)

  • Ja, so ist es... die momentane Trockenheit macht es gerade wirklich schwierig. Hinzu kommt, dass jetzt viel gemäht wurde. Und damit meine ich nicht die Futter- und Heuwiesen, die Landwirten gehören. Auf solchen sammel ich nie. Im Frühjahr wuchs alles so üppig dass ich unter 1 Stunde Riesen Mengen hatte. Jetzt brauche ich tatsächlich 2 bis 3 Stunden jeden Tag und bei 29 Schweinchen musste ich meine Arbeitszeit von Vollzeit auf Teilzeit reduzieren. Ich gehe auch teilweise weite Strecken zu Fuß zu meinen Sammelplätzen, das ist auch noch mal ein Zeitfaktor. Auch fahre ich schon mal 10 - 20 KM wenn hier wirklich alles abgegrast ist. Abgegrast durch mich. Aber das wächst ja wieder. Ich habe einen Winter viel Zeit verbracht per Google Earth "Grüne Lungen" zu finden. Z.b. Wanderwege, Brachflächen, Waldlichtungen und Waldwege. Dabei achte ich wirklich darauf, dass es Flächen sind, die aktuell nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Darunter sind einige Streuobstwiesen, die nur 1 x im Jahr gemäht werden und da finde ich immer artenreiche Mischungen aus Gräsern und Kräutern. Aber auch Picknickwiesen und Freizeitwiesen.

    Ansonsten gebe ich auch täglich Zweige von Apfel, Weide, Haselnuss. Trotzdem brauche ich bis zu 10 Kg Wiese täglich. Und ich gehe auch gerne früh morgens, wenn noch tau auf der Wiese ist oder es geregnet hat, dann hat es noch mal ein ganz anderes Volumen. Worauf ich auch achte, dass die Besiedlung mit Wildkaninchen nicht so dicht ist. An einen meiner Lieblingssammelplätzen hingen im Frühjahr so Zettel "Achtung Hasenpest" und da habe ich eigentlich schon immer auf Hasenköttel geachtet. Aber wo ich jetzt Hasenköttel finde, sammel ich gar nicht mehr.

    Das Suchen von Grünflächen per Google Earth war für mich wirklich hilfreich weil man sieht ja z.B. darauf, ob in der Nähe ein landwirtschaftlicher Hof ist, oder ob viel befahrene Straßen in der Nähe sind. So kann man schon vorab viel ausschließen. Da kannst du dann z.B. Naturschutzgebiete ausschließen. Die sind ja tabu. Wobei da gerade so schön die Schilfgräser, die meine Meerschweinchen auch gerne fressen, wachsen. Wiederum findet man die auch an Seen und Gewässern, was man auch bei Google Earth sehen kann. Ansonsten gehe ich gerade auch gerne Weg- und Feldränder die wenig befahren sind. Die Wegwarte und die wilde Möhre sind hier gerade der Renner und an den Pflanzen ist ja inkl. Stiel und Wurzel viel dran. Die Maisfelder tja... das wäre Diebstahl gerade in den Mengen die wir brauchen... aber oft finde ich einzelne Pflanzen nicht direkt auf dem Feld sondern am Feldrand die sich wild ausgesät haben, die nehme ich mit.

  • Ich habe gerade mal meine heutige Ausbeute gewogen.... 16,4 Kg ohne Zweige. Ja körperlich ist es schon extrem anstrengend und eben die Verpflichtung jeden Tag... aber ich mache es gerne und der größte Dank kommt von den Schweinen.

  • Hallo. Ja das ist eine wirklich schöne Vorstellung gewesen. Ich bin mit meinen 17 Ferkeln schon auch am rotieren mit Gras besorgen.

    Kurze Frage: auf dem ersten Grasfoto liegt meines Erachtens nach als weissblütige Pflanze obendrauf links ein Wiesen- Kälberkropf...fütterst du den öfter? Denn ich hab gelesen der ist giftig🙈

    LG Helga

  • Ich habe mich auch über die sehr interessante Vorstellung gefreut!

    Seit wann hast Du Meerschweinchen und wie hat sich das seit den ersten Tieren zahlenmäßig entwickelt.

    Leben alle in Außenhaltung?

    Ich hätte noch viele Fragen, aber ich will Dich nicht damit "überfallen".

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Helgalotta, danke für deine Aufmerksamkeit aber es ist die wilde Möhre. Diese ist erkennbar an den lila oder dunkelroten Punkt in der Mitte (Möhrenblüte). Und die Blätter riechen auch nach Möhre. Tatsächlich traue ich mich aber erst seit drei Jahren Pflanzen aus der Familie der Doldenblüter zu füttern weil es da eben auch extrem giftige Pflanzen gibt. Aber für den Wiesenkerbel und die wilde Möhre habe ich gute Erkennungsmerkmale wie hier zu sehen der dunkle Punkt in der Mitte. Das ist die von dir angesprochene Pflanze oben links vom Korb.

  • Silke, also ich habe seit 5 1/2 Jahren Meerschweinchen und zwar waren es am Anfang 1 Kastrat und 1 Mädel, die auch heute noch bei mir sind. Die leben in Innenhaltung mit weiteren Schweiinchen. Zwei Gruppen habe ich noch in Innenhaltung Die sollen aber langfristig raus so dass ich einen Eigenbau innen dann noch als Ausweichgehege für kranke oder alte Tiere habe.

    Zahlenmäßige Entwicklung:

    2021 - 2 Schweine

    2023 - 6 Schweine

    2024 - 22 Schweine

    2025 - 29 Schweine

    2026 - 29 Schweine

    Todesfälle: 0

    Wie ihr seht, ist die Anzahl 2025 und 2026 gleichbleibend. Ich hatte das letzte Schweinchen im September 2025 aufgenommen und danach meine Familie versprechen müssen, dass ich dies nicht mehr kann. Im September waren es zuletzt sogar zwei Schweine, im Abstand von einer Woche. Einmal sprach mich jemand in der Arbeit an und fragte, ob ich ein Meerschweinchenbock geschenkt haben wolle, o Ton: " das Viech muss weg weil die Kinder machen es nicht mehr sauber" ich sagte erst Nein aber ich wusste, er würde ausgesetzt werden oder bei Kleinanzeigen verschenkt... also habe ich es direkt am nächsten Tag aus dem Kinderzimmer abgeholt. Weil ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen und hatte ein schlechtes Gewissen. Er war schon stark unterernährt. Aber jedes Mal wenn er mich ansieht, fühlt es sich so an als sage er danke... Das ist er:

    Und das andere habe ich von meiner Tierärztin bekommen weil das Muttertier bei einer Not-Op verstarb und die Familie wollte das Baby nicht. Es wog gerade mal 42 g. Aber diesen Monat war ich ein Zombie, neben meiner Arbeit und Familie musste ich alle zwei Stunden das kleine füttern und saß paralell nur im Bockgehege, um die Vergesellschaftung des "Viechs, um das die Kinder sich nicht mehr kümmerten" zu beobachten. Dann hatte ich auch an sich im letzten Jahr viele verwahrloste und vernachlässigte Schweine aufgenommen, die Tierarztbesuche und Medikamente brauchten. Es ging schon so in private Auffangstation, nur eben dass ich jedes einzelne soooooo in mein Herz geschlossen habe, dass ich keins mehr abgeben könnte. Auffangstation oder Pflegestationen vermitteln die Tiere ja weiter. Aber ich könnte das nicht. Z.B. habe ich eine trächtige Dame samt zwei Böcken bekommen. Sie hat die Babys bei mir bekommen... 2 Jungs und 2 Mädels. Die Jungs habe ich frükastireren lassen. Die beiden leben seit zwei Jahren mit ihren Papas draussen in der Bockgruppe. Papas darum, weil ich nicht weiss wer von beiden die Dame geschwängert, hat weil äußerlich keine Ähnlichkeiten da sind. Es sind Cuys und die Mutter ist ein normal Hausmeerschweinchen... ihr wisst ja wie gefährlich das hätte werden können. Naja aufjedenfall habe ich bis jetzt schon 5 mal Nein gesagt. Sonst wären es jetzt 36. Und Todesfälle werden rein rechnerisch eh kommen, ob natürlicher Art oder euthanasieren wegen Krankheit. Wie ich damit umgehen kann, wird sich zeigen. Aber ich werde keins mehr aufnehmen. Die anderen "Glücklichen", werdet ihr auch noch kennenlernen :).

  • Oh ... von 6 auf 22 Tiere von einem Jahr auf das andere ist ja heftig.

    Ich kann zwar sehr gut verstehen, dass Du Tiere in so schlechten Lagen wie Du sie beschrieben hast, aufgenommen hast, aber wahrscheinlich ist es auch gut, wenn Du eine Familie hast, die letztlich gebremst hat. Es gibt so viel Elend, dass wir leider nicht allen helfen könnten und am Ende keinem mehr gerecht werden würden.

    Vielleicht wäre es ja bei einem neuen Fall eine Möglichkeit das Tier möglichst schnell zu vermitteln, statt es in eine eigene Gruppe einzugliedern? Im Idealfalle würde es gar nicht zu Dir als Zwischenstation kommen, sondern direkt durch Deine Vermittlung ein neues Zuhause finden. Aber das kostet natürlich auch Zeit und Kraft.

    Ich bin gespannt auf die weiteren Vorstellungen!

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Ich finde es wirklich super, dass du dich um diese Notfälle so gut kümmert. Das ist ja schon wirklich eine große Aufgabe. Sehr viel Zeit und sehr viel Geld nötig. 👍🏽😀

    Aber Silke hat recht. Es gibt immer und überall Notfälle, wo man helfen müsste. Wir haben dieses Jahr 2 Notfälle aufgenommen und sind jetzt bei 6 Meerschweinchen angekommen. Ich habe (ein bisschen) ein Tier in Einzelhaltung im Blick. Meine Familie, vor allem mein Mann, hat aber jetzt auch "Stopp" gesagt. Allerdings ist das auch wirklich vernünftig. Für noch mehr Meerschweinchen bräuchten wir ein komplett neues noch deutlich größeres Gehege. Und ich merke, sechs Meerschweinchen auf einen Blick zu erfassen und sofort zu wissen wer fehlt, ist nicht so einfach wie bei 4 Tieren.

    <3Karla *2019 <3 Ludwig *18.1.2022 <3 Minna *ca. 20.8.2022 <3 Selma * 2.2.2024 <3 Ottilie * 9.11.2025 <3

    Für immer im Herzen: Berta, Pieps, Charly, Greta, Emma, Sophie, Chocolate, Amalie, Lola

  • Heute möchte ich meine Bockgruppe vorstellen, die seit letzten September, also nun fast 1 Jahr stabil ist.

    Sie besteht aus 5 Böcken, die auf 10 qm in ganzjähriger Aussenhaltung leben.

    Im Häuschen sitzt Mr. Brown, ein drei jähriger unkastrierter Cuy Bock, dann Timmy, ebenfalls ca. 3 Jahre aus Einzelhaltung, dann Mr. Grey, der zusammen mit seinem Bruder Mr. Brown und einem US-Teddy Meerschweinchen zu mir kam. Die beiden Prachkerle links im Bild sind aus der Haltung Zwei unkastrierte Böcke mit einem Weibchen entstanden. Die Vorbesitzer dachten es seien drei Böcke. Als Teddy zu mir kam, sah man ihre Trächtigkeit noch nicht aber sie war dankbar, dass sie endlich zur Ruhe kommen durfte, denn zwischen zwei Böcken in einem Käfig das Objekt der Begierde zu sein, war sicherlich sehr anstrengend und enormer Stress.

    Natürlich war sie trächtig. Teddy hat im August 2024 drei Jungen bekommen und lebt mit ihrer Tochter Mina in meiner Haremsgruppe in Innenhaltung:

    Hier mit ihrer kleinen Tochter Mina vor zwei Jahren.

    Mina hat ein weisses ❤️ in ihrem Unterbrauchfell

    So jetzt aber wieder zurück zu meiner Bockgruppe, und wie diese zustande kam. Scheinbar wurde die Haltung so kurz nach der Anschaffung aufgegeben, weil die beiden Cuy-Böcke sich im Käfig blutig bissen - verständlich wenn da ein Weibchen zwischen sitzt. Nachdem die beiden Jungs kein Weibchenkontakt hatten, lebten sie gut 1 Jahr bei mir friedlich zu zweit in Innenhaltung. Weil es aber Cuys sind, die schnell zur Verfettung und damit einhergehend zu Herz-Kreislauf-Problemen neigen, habe ich ihnen statt ihrem 5 qm Innengehege ein doppelt so großes Aussengehege gebaut, wo sie auch nicht lange allein blieben. Ihre beiden Söhne hatte ich frühkastrien lassen und sie waren ca. 1/2 Jahr in meiner Haremsgruppe mit ihrer Mutter Teddy und ihrer Schwester, bis ich entschied sie in Aussenhaltung zu den beiden Cuy-Brüdern zu vergesellschaften. Sie hatten dort einfach mehr Platz und Bewegungsmöglichkeiten, was aufgrund ihrer Genetik gesundheitsfördernd ist.

    Es klappte zwischen den Vieren und ca. 1 Jahr später zogen zwei Jungböcke, Mr. Toffee und Mr. Popcorn, abgegeben aus Käfighaltung, wegen Allergie der Kinder, zu ihnen, und auch zwischen den sechs war es eine ganze Zeit lang gut bis diese dann in die Rappelphase kamen.

    Für mich ist ein Indikator in der Bockhaltung, dass diese bei genügend Platz friedlich nebeneinander liegen können, dort dösen und entspannen können. Eine Zeit lang klappte das auch, aber dann hat einer der Jungböcke - Mr. Popcorn angefangen, die Cuys zu jagen und ihnen Fell rauszubeissen.

    Mr. Popcorn ist der mit dem weißen Hinterteil und dem schwarzen Kopf

    Hier sieht man ganz gut wie er Timmy in die Höhle getrieben hat und ihm bromselnd den Vorderausgang versperrt hat.

    Timmy, ein armes Käfigschweinchen, das lästig wurde hat vom ersten Tag die Dominanz von ihm abbekomnen. Da war so richtig was los. Es haben sich zwei Gruppen gebildet, jeweils ein Cuy mit einem Frühkastraten und einem Jungbock. Da ich genügend Beschäftigungsmöglichkeiten, Futterplätze und isolierte Schutzhütten hatte, sind sie sich auch gut aus dem Weg gegangen, aber Begegnungen waren immer mit Zähneklappern und wegjagen begleitet.

    Das war der Punkt, an dem man Halter von Bockgruppen starke Nerven wünscht, denn es heißt ja, Böcke müssen erst mal die Rangordnung untereinander ausmachen und Kämpfe seien dabei Bestandteil. Kämpfe und Beisserein gab es wochenlang nicht, aber Ausgrenzungen. Habe ich ja oben bereits geschrieben, das Mr. Toffee, einer der aufmüpfigen Jungböcke dann nicht mehr an die Futterplätze durfte, und sehr ängstlich die Böcke aus dem Schutzhütteneingang beobachtete. Er war sehr unsicher, was er auch durch Körpersprache zeigte, er stand auf der Rampe und hob immer eine Vorderpfote hoch und "scharrte" damit in der Luft.

    Also habe ich ihn aus der Gruppe genommen, was der andere Jungbock, Mr. Popcorn, wohl als Sieg in der Rangordnung sah, denn mit einer gewaltigen Portion Selbstbewusstsein, attkierte er Timmy. Timmy hatte leider an der Wange eine üble Bisswunde abbekommen, die zu einem eitrigen Abzess wurde. Weswegen ich Mr. Popcorn dann auch rausnahm. Denn die Cuys, nie sozialisiert konnten sich einfach nicht wehren oder mal aufgrund der Größe und des Alters für eine klare Rangordnung sorgen. Mr. Toffee und Mr. Popcorn haben inzwischen jeweils eine eigene Haremsgruppe und nachdem die beiden Jungböcke raus waren, ist Frieden eingekehrt. Ich würde tatsächlich auch nie wieder eine Vergesellschaftung in dieser Gruppe wagen.

    Wovon jetzt oben wenig zu lesen war, meine beiden Frühkastraten Krönchen und Cappy. Sie sind aufgrund der Frühkastration am rangniedrigsten und blieben das auch bei jeder neuen Vergesellschaftung. Sie hatten bei allem den wenigsten Stress.

  • Abschließend noch für euch die Charaktere und Rangordnung meiner Bockgruppe:

    1. Mr. Brown (Cuy, ca. 3 Jahre, unkastriert)


    • Rang: Ranghöchster / Anführer (Chef der Gruppe)
    • Charakter: Zurückhaltend, aufmerksam, souverän. Als ruhiger Beobachter hat er die Gruppe fest im Griff, ohne unnötigen Stress zu erzeugen. Seine Dominanz strahlt er durch Präsenz aus.

    2. Mr. Grey (Cuy, ca. 3 Jahre, unkastriert)


    • Rang: Zweithöchster (Co-Dominant / Stellvertreter)
    • Charakter: Relativ zahm, aufgeschlossen und menschenbezogen. Trotz seiner Größe als Cuy zeigt er sich gegenüber dem Menschen zugänglich, ordnet sich im Gehege aber der ruhigen Autorität von Mr. Brown unter. In letzter Zeit schläft er sehr viel, selbst wenn er in den Aussenauslauf darf, bleibt er lieber in seinem Gehege und pennt. Ich kann mir vorstellen, dass er aufgrund seiner Genetik nicht alt wird.

    3. Timmy (War lange in Einzelhaltung in Kinderhänden, ca. 3 bis 4 Jahre, unkastriert)


    • Rang: Mittleres Rangsegment (zwischen den Cuys und den Frühkastraten)
    • Charakter: Dankbar, gesellig, aber mit leichtem Nachholbedarf beim Sozialverhalten. Er blüht in der Gruppe richtig auf und genießt die neue Gesellschaft in vollen Zügen. Er ist unheimlich neugierig und sportlich. Für ihn werde ich bald die Höhe meiner 2 Meter hohen Außenanlage ausbauen und noch Ebenen bauen.

    Wenn ich im Stall bin, kommt er immer zufrieden glucksend an und beschnuppert mich. Vielleicht rieche ich nach Weibern? Denn hormonell ist er voll und ganz Bock. Er besteigt auch die Frühkastraten, was ein klassisches Dominanz- und Regulierungsverhalten ist. Nach der Einsamkeit im Kinderzimmer lernt er, wie meerschweinchengerechte Kommunikation funktioniert. Er testet seine Grenzen aus und sichert sich seinen Platz oberhalb der extrem gutmütigen Frühkastraten. Da Cappy und Krönchen so tiefenentspannt sind und das Prozedere gelassen über sich ergehen lassen, findet Timmy hier ein gefahrloses Ventil, um seinen Rang zu festigen. Gegenüber Mr. Brown und Mr. Grey zeigt er gesunden Respekt. Er weiß genau, dass die massiven Cuys eine Nummer zu groß für ihn sind, und vermeidet Konfrontationen.

    4. Cappy & Krönchen (Brüder aus einem Dreier-Wurf, 2 Jahre, Frühkastraten)


    • Rang: Rangniedrig
    • Charakter: Absolut zahm, weil sie bei uns in die Familie reingeboren sind und in Innenhaltung von meinem Altkastraten in einer Haremsgruppe sozialisiert wurden. Ausgeglichen, entspannt und immer zufrieden. Die beiden bilden ein unzertrennliches Herz-und-Seele-Team seit dem ersten Tag ihrer Geburt. Sollte einer sterben, wird es sehr schlimm für den Verbliebenen. Das Risiko ist leider da für einen frühzeitigen Tod, da Cuy-Mischlinge. Beiden wiegen 1800 g und haben defenitiv zu viel auf den Rippen.

    Ich möchte wie gesagt, bald das Bockgehege umgestalten und mehr Lauffläche in die Höhe geben, was hoffentlich ein wenig dem Übergewicht entgegenwirkt.

  • Vielen Dank für die Vorstellung der nächsten Gruppe. Dank deiner lebendigen Beschreibung und der netten Fotos kann man sich die Schweinchen richtig gut vorstellen. Super. 🥰

    <3Karla *2019 <3 Ludwig *18.1.2022 <3 Minna *ca. 20.8.2022 <3 Selma * 2.2.2024 <3 Ottilie * 9.11.2025 <3

    Für immer im Herzen: Berta, Pieps, Charly, Greta, Emma, Sophie, Chocolate, Amalie, Lola

  • Tja, die Zahngeschichten scheinen bei mir weiter zu gehen... Heute habe ich festgestellt, dass Timmy eine dicke Wange hat. Die Schwellung geht bis zur Lippe. Eine äußere Verletzung oder so konnte ich nicht sehen. Ich habe viel Disteln verfüttert die letzten Tage, im besten Fall hat er einfach nur was in der Wangenschleimhaut / Zahntasche stecken, was zu einer Entzündung führte. Aber wenn es die Zahnwurzel ist, (weil er ja auch einige Jahre nur mit Trockenfutter gefüttert wurde), wäre es gar nicht gut, weil ich die selbe Geschichte, die mich viel Geld und Nerven kostet, mit Bopper bereits habe.

    Mr. Brown hat einen unteren Schneidezahn verloren. Das ist eigentlich nicht dramatisch, weil er ja wieder nachwachsen müsste, innerhalb der nächsten zwei Wochen - aber ich lasse lieber mal oben den Gegenspieler-Zahn einkürzen.

    Trotzdem ein komisches Gefühl morgen mit zwei Tieren in die Praxis zu gehen, in der ich erst vor einer Woche ein Meerschweinchen einschläfern lassen musste ;(.

    Wiese sammeln "nervt" mich das erste Mal in diesem Jahr. Diese Woche macht es gar kein Spaß. Nach der Hitze sind zwar wieder angenehme Temperaturen, aber ich finde nicht mehr die benötigten Mengen an verschiedenen Gräsern. So hohe Gräser wie der Nackthafer, sieht man noch viel, aber der ist ja für Meerschweinchen nicht geeignet. Schade, letztes Jahr habe ich bis November Wiese füttern können. Das heisst ab nächste Woche werde ich wieder Grünkisten bestellen müssen und das sind mindestens 2 mal 20 Kilo die Woche... der arme Postbote! Ich hätte ihm gerne noch etwas Ruhe gegönnt, aber ich habe das Wiese sammeln jetzt gerade wirklich satt. Meine Schweinchen lassen jetzt tatsächlich auch schon viel liegen, was für mich so "frisch" aussieht wird verschmäht. Ich bin gespannt, wie die Umstellung von Wiese auf Frischfutter für mein Zahnschweinchen Bopper wird. Wobei - für ihn werde ich sicherlich noch liebend gerne zusätzlich adäquate Mengen finden aber nicht mehr für 28 Schweinchen. Bopper hat übrigens heute 1057 g auf die Wage gebracht :) :) :) Als nächstes Stelle ich hier ihn und seine Gruppe in meiner Innenhaltung vor.

  • Willst Du nicht lieber mit einem Kürzen der oberen Schneidezähne warten, bis sie etwas zu lang sind?

    Wenn nur 1 unterer abgebrochen ist, kann der verbliebene vielleicht beide oberen Schneidezähne kurz genug halten. Wenn Du jetzt gleich abschleifen lässt, wird es noch schwerer Futter aufzunehmen oder abzubeißen.

    Brechen untere Schneidezähne überhaupt ohne strukturelle Probleme ab?

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Timmys Zähne und Kiefer waren soweit ohne Befund. Die Tierärztin vermutet sehr warscheinlich eine Spießung durch Futterteile, die zu einer bakteriellen Infektion führte. Wenn sich ein harter Futterest oder Heuhalm tief in die Schleimhaut oder die Zahnfleischtasche bohrt, verbleibt er dort leider oft unerkannt und das Gewebe reagiert sofort mit einer Entzündungsreaktion, um den Fremdkörper abzuwehren. Das ist im vorderen Bereich der unteren Schneidezähne der Fall, dort reagierte Timmy extrem schmerzempfindlich auf die Untersuchungswerkzeuge und es blutete auch.

    Hier sieht man an der rechten Lippenseite / Maulwinkel eine deutliche, gerötete und gereizte offene Stelle. Da trat bereits vor dem Tierarztbesuch deutlich Eiter heraus und sie musste somit nicht geöffnet werden. Die Wange war sofort deutlich weniger geschwollen.

    Auffallend waren auch die Verunreinigungen, denn wegen des schmerzhaften Abszesses kaut Timmy nicht mehr richtig und der Reinigungsmechanismus, fällt komplett aus, was man hier an den Futterresten gut sehen kann:

    Er bekommt jetzt 14 Tage Antibiotika, tägliche Spülungen mit einem Mundschleimhaut-Antispeptikum bzw. Kamillentee und dann wird er noch mal unter Narkose richtig untersucht und ggf. behandelt. Leider hat die Praxis gerade keine Kapazität, dies eher zu machen. Den Vorteil, dass man erst mit Antibiose behandelt und dann unter Narkose noch mal schaut, sieht die Tierärztin darin, dass die Wunde dann nicht mehr eitert und angeschwollen ist. Ich sehe es aber eher so, dass falls die Einspeisung tiefer im Gewebe ist, und nicht durch das Eiter herausgespült wird oder in der Zahnfleischtasche steckt, dass das Antibiotikum die Entzündung nur vorübergehend unterdrückt. Das Problem ist halt, wenn die Ursache nicht mechanisch entfernt wird, die Entzündung nach Absetzen des Antibiotikas eh sofort wieder ausbricht. Und 14 Tage Antibiotika finde ich zudem recht lang für die Belastung des Verdauungssystems. Zum Glück ist Timmy ansonsten top fit und wird es vermutlich gut wegstecken. Er frisst problemlos und die gewohnten Mengen, belastet aber eben die entzündete Stelle nicht, was wiederrum über einen Zeitraum von 14 Tagen sicherlich nicht gut für das Gesamtgebiss ist, weil keine asymmetrische Abnutzung erfolgt.

    Zu Mr. Brown - den habe ich tatsächlich zuhause gelassen Silke, obwohl mir mein Bauchgefühl eigentlich was anderes sagt in Bezug auf das kurze Einschleifen des Gegenspieler-Zahns. Richtig, wenn die oberen Zähne völlig gerade und normal aussehen, müssen diese vom Tierarzt nicht sofort präventiv eingekürzt werden, weil dann ganz sicher für einige Tage Probleme bestehen, dass Futter mit den Schneidezähnen sauber abzubeissen.

    Bis jetzt sehen die obere Schneidezähne symmetrisch aus aber ich sehe erste verklebte Futterreste in der Längsrille zwischen den Schneidezähnen und muss beobachten, ob er durch das Malmen die Futterfasern selbst gelöst bekommt, oder ob sich mehr festsetzt. Auch habe ich heute morgen beobachtet, dass er die Augen schloss bzw. zukniff beim Kauen - was auf Schmerzen deutet. Er bekommt bereits Metacam. Ich gehe davon aus, dass ein kompletter Abbruch sehr schmerzhaft ist weil der Zahnnerv frei liegt. Heute war aber bereits eine kleine weisse Spitze zu sehen - das heisst, der Zahn wächst nach.

    Brechen untere Schneidezähne überhaupt ohne strukturelle Probleme ab?

    Nein, bei Meerschweinchen mit vollkommen gesunden Zähnen und einer intakten Struktur brechen Schneidezähne natürlich nicht einfach so von selbst ab.

    Ich gehe davon aus, dass es eine mechanische Einwirkung (Trauma) war. Z.b. Dass er abgerutscht ist, und mit dem Maul auf einen Ast oder einen Stein aufgekommen ist. Ich habe das Gehege ja nicht mit Watte ausgepolstert, sondern habe natürliche Einrichtungsgegenstände mit unterschiedlichen Materialhärten. Was ich eher nicht glaube, dass dies durch reines Knabbern an Zweigen. passierte. Momentan gibt es viel Zweige samt Blätter von Obstbäumen, da wird auch gerne die Rinde runtergeknabbert. Sollte ein Zahn Haarrisse vorweisen, kann ich mir schon vorstellen, dass dieser bei geringer Belastung abbricht, ansonsten keineswegs an Zweigen. Bisher sahen seine Zähne eigentlich immer gesund aus. Natürlich kann eine Wurzelentzünndung im Kiefer (für mich nicht sichtbar) die Ursache sein, ich denke dann würde ein gesunder Zahn aber nicht kerzengrade und stabil nachwachsen. Deswegen warte ich jetzt mal mit täglicher Kontrolle ab, was nachwachsen wird und hoffe, es war lediglich ein einmaliges Zahntrauma.

  • Danke für den ausführlichen Bericht!

    Ich finde es auch fraglich, 2 Wochen zu warten, bis der Tierarzt schaut, ob ein Fremdkörper darin steckt. Sollte der dann gefunden werden, sind es 2 verlorene Wochen, in denen viel Schaden entstehen kann: durch das Antibiotikum, Schmerzmittel, Erwerb einer Schonhaltung, Verspannungen, Erfordernis die Backenzähne abzuschleifen und Verdauungsstörungen.

    Wenn erst einmal der Teufelkreis aus Schmerzen, Schonhaltung, Verspannung und Zahnspitzen oder Brückenbildung angefangen hat, ist nicht sicher, dass man schnell wieder herauskommt, auch wenn die ursprüngliche Ursache behoben ist. Außerdem werden beim Abschleifen von manchen Tierärzten Fehler gemacht und keiner kann es so gut, wie es durch normale Abnutzung entsteht.

    Hättest Du denn einen alternativen Tierarzt für eine Zweitmeinung?

    Jetzt eine kurze Sedierung und Gasnarkose für eine gründliche Untersuchung zu geben, wäre bei einem gesunden Tier weniger belastend als ggf. 14 Tage verlängerte Antibiotium und Schmerzmittelgabe und dann längere Narkose wegen Abschleifen.

    Zu den abgebrochenen Schneidezähnen: Meine Betonung lag auf unteren Schneidezähnen. Vielleicht ist es Zufall, aber wir hatten das Abbrechen von gesunden Zähnen zweimal bei oberen und an Berichte ohne vorgeschädigten Zahn erinnere ich mich auch nur in Bezug auf die oberen. Das erscheint mir auch nahliegend, da die unteren über den oberen verlaufen und diese damit zuerst abbrechen müssten bei einem Sturz. Aber sicher bin ich mir da nicht. Vielleicht hat ein anderer Haltung damit mehr Erfahrungen?

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Hättest Du denn einen alternativen Tierarzt für eine Zweitmeinung?

    Zu den abgebrochenen Schneidezähnen: Meine Betonung lag auf unteren Schneidezähnen. Vielleicht ist es Zufall, aber wir hatten das Abbrechen von gesunden Zähnen zweimal bei oberen und an Berichte ohne vorgeschädigten Zahn erinnere ich mich auch nur in Bezug auf die oberen. Das erscheint mir auch nahliegend, da die unteren über den oberen verlaufen und diese damit zuerst abbrechen müssten bei einem Sturz. Aber sicher bin ich mir da nicht. Vielleicht hat ein anderer Haltung damit mehr Erfahrungen?

    Ja andere Praxen habe ich schon, aber keineswegs so professionell wie meine Tierärztin. Das Problem ist nicht die Fachkompetenz, sondern die zeitlichen Kapazitäten. Die Praxis hat aktuell geänderte Öffnungszeiten und eine andere Tierärztin "hilft" aus, weil meine Tierärztin Urlaub hat. Natürlich ziehe ich auch Betracht, zu einem "Zahnspezialisten" mit 1,5 Stunden Entfernung zu fahren sofern dieser mir zeitnah einen Termin geben kann.

    Letztes Jahr ist bereits bei Mr. Choc, dem Bruder von meinem Zahnschweinchen Bopper ein unterer Schneidezahn in der Bockgruppe verloren gegangen. Er hat aber defenitiv strukturelle Probleme, zwar nicht an den Wurzeln, aber an der Subtanz. Aufgrund der jahrelangen Fütterung mit Trockenfutter (harte Maiskörner, Getreidekörner etc.) hat er minderwertige, brüchige Zahnsubstanz. Der Zahn wuchs bei mir schön gerade wieder nach und ein Schleifen der oberen war nicht nötig. Ich verstehe aber aufjedenfall was du meinst Silke und denke auch, dass ein isoliert abgebrochener Unterkiefer-Schneidezahn immer ein sehr starkes Indiz dafür ist, dass im Gebiss bereits strukturell etwas nicht stimmt.

    Und ja das stimmt - ich denke auch es ist warscheinlicher, dass immer erst die Oberen brechen würden bei einem Trauma, allein basierend auf der Anatomie. Denn Die oberen Schneidezähne sind gebogen und stehen bei Stürzen, Nagen an Hartem oder Unfällen wie das Anstoßen an einen Stein somit natürlich direkter in der Hauptaufprall-Zone. Und die unteren Schneidezähne sind beim Meerschweinchen extrem lang, meißelförmig und tief im Kieferknochen verankert, weswegen sie mechanisch schon mal viel mehr aushalten als die Oberen.

    Als äußeres Trauma kann ich mir nur vorstellen, dass Mr. Brown bei der Rampe zur Schutzhütte abgerutscht ist und dann eben ungünstig auf den Unterkiefer aufgekommen ist. Natürlich ist mangelnde Zahnsubstanz oder Fehlbelastung auch nicht ausgeschlossen aber das werde ich im Auge behalten.

    Aufjedenfall habe ich die Rampe nun gestern verändert. Ich habe eine längere, (somit hat diese eine günstigere Steigung) mit zwei Absturzsicherungen an den Seiten gebaut. Zudem mit Kunstrasen ausgelegt. Es ist wahnsinn, wie die Schweinchen diese gerne annehmen und wiederholt freudig hoch und runter laufen, weil diese wohl optimal ist. Darunter sieht man noch die bisherige Rampe als "Verstärkung"


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