Mittelohrentzündung, Taumeln, wenig Fressen, Aufgasung

  • Hallo zusammen, 🆘😶

    ich würde gern einmal unseren bisherigen Verlauf schildern und um Rat bitten.

    Es geht um meinen Bock Maverick, ca. 8 Monate alt und aktuell ca. 710 g. Er hat in der letzten Zeit trotz Erkrankung erfreulicherweise zugenommen (teils durch Zufüttern und wenige Eigenaufnahme)

    Bei ihm wurde bei einem spezialisierten Tierarzt mittels CT eine beidseitige Ohr-/Mittelohrentzündung mit Flüssigkeit im Ohr festgestellt. Zusätzlich hat er eine angeborene Zahn-/Kieferfehlstellung, die laut CT bzw. Tierarzt aktuell aber keinen Behandlungsbedarf hat.

    Sein auffälligstes Symptom war und ist eine Gleichgewichts- und Koordinationsstörung. Zwischenzeitlich war es sehr schlimm: deutliche Kopfschiefhaltung, starkes Taumeln, Probleme mit der Orientierung. Unter der Antibiotika Behandlung wurde es deutlich besser. Er hält den Kopf inzwischen wieder recht gerade aber er taumelt beim Laufen weiterhin deutlich, besonders wenn er schneller läuft, dann schwankt er richtig hin und her. In der letzten Woche sehe ich dabei leider kaum noch weitere Verbesserung dahingehend.

    Zunächst bekam er 5 Tage Baytril/Enrofloxacin, dann waren 2 Tage „Pause“ (eigentlich Ende der Therapie) Nach dieser Pause verschlechterte sich sein Gleichgewicht sehr deutlich, weshalb Baytril wieder begonnen wurde. Seitdem bekommt er es durchgehend. Inzwischen sind es knapp drei Wochen ohne Unterbrechung. Der Tierarzt möchte die Behandlung insgesamt länger fortführen, zunächst etwa einen Monat, mit Kontrollen zwischendurch.


    Zusätzlich bekommt er derzeit nach tierärztlicher Anweisung: MCP, Novaminsulfon, seit heute zusätzlich Melosus/Meloxicam 2× täglich zur besseren Schmerz- und Entzündungsbehandlung, Bene-Bac, Sab Simplex und Critical Care, weil er selbst aktuell noch nicht genug frisst.

    Vor einigen Tagen wurde er plötzlich wieder deutlich ruhiger (nach dem ich Sab Simplex absetzen sollte). Er schlief fast nur noch, lief kaum freiwillig herum und fraß weniger selbst. Daraufhin wurde sein Bauch geröntgt. Dabei waren deutliche Gase/Aufgasungen zu sehen. Er bekam Flüssigkeit/Infusion und Vitamine und wir sollten Sab Simplex wieder konsequent geben und weiter zufüttern.

    Die Verdauung funktioniert inzwischen wieder deutlich besser. Er frisst auch immer wieder freiwillig etwas. Das Eigenfressen ist aber noch deutlich weniger als früher.

    Was mir weiterhin Sorgen macht, ist seine starke Müdigkeit/Inaktivität. Er schläft sehr viel. Er ist dabei aber ansprechbar, neugierig und frisst zwischendurch selbst. Heute nach der ersten Melosus-Gabe ist er sogar kurz herumgelaufen und hat wieder gequiekt/„erzählt“, was er die letzten Tage nicht gemacht hat. Danach hat er aber wieder viel geschlafen. Eine deutliche Besserung damit sehe ich seit 5 Stunden damit noch nicht.

    Vor 5 Tagen wurde er ja geröntgt und 3 mal täglich 0,5 ml sab simplex gegeben .. allerdings zeigt sich dahingehend noch immer keine deutliche Besserung. Heute hab ich ihn zugefüttert und gemerkt, dass Gase bei ihm ausgetreten sind.

    Mich würden besonders Erfahrungen interessieren bzw um Tipps bitten, was noch funktionieren könnte.

    Wie lange haben bei euren Meerschweinchen Gleichgewichtsstörungen nach einer Mittel-/Innenohrentzündung angehalten? Ist der lange Behandlungszeitraum noch normal ? Kann das Taumeln trotz wirksamer Antibiotikatherapie über Wochen bestehen bleiben?

    Mir ist natürlich klar, dass ein Forum keinen Tierarzt ersetzt. Mavi ist regelmäßig in tierärztlicher Behandlung und wir stehen eng mit der Praxis in Kontakt. Allerdings wissen sie langsam auch nicht mehr weiter…

    Wir bitten wirklich sehr um Hilfe! <3

    Danke euch! 🐹💛

  • Die anderen schreiben bestimmt noch mehr zur Mittelohrentzündung, denn damit habe ich keine Erfahrung. Aber ich möchte dir etwas zum Sab Simplex schreiben.

    Sab simplex enthält den Wirkstoff Simethikon und darüber hinaus noch etliche weitere Hilfsstoffe, die aber für Meerschweinchen nicht geeignet sind. Außerdem ist das Simethikon darin sehr niedrig dosiert. Es gibt für Meerschweinchen viel bessere Produkte, die Simethikon enthalten.

    Ich nehme die "Magen-Darm-Entspannung Intensiv"-Kapseln für Menschen vom dm-Drogeriemarkt. Jede Kapsel enthält 250 mg Simethikon. Reines Simethikon ohne irgendwelche Zusatzstoffe.

    Ich lasse mir vom Tierarzt eine 1-ml-Spritze und eine dicke Kanüle geben. Damit ziehe ich die Flüssigkeit aus den Kapseln auf, entferne die Kanüle und gebe den Inhalt direkt mit der Spritze ins Maul.

    <3Karla *2019 <3 Ludwig *18.1.2022 <3 Minna *ca. 20.8.2022 <3 Selma * 2.2.2024 <3 Ottilie * 9.11.2025 <3

    Für immer im Herzen: Berta, Pieps, Charly, Greta, Emma, Sophie, Chocolate, Amalie, Lola

  • Herzlich willkommen in unserem Forum!

    Wir hatten erst einmal eine Mittelohrentzündung. Die Behandlung mit einem Antibiotikum konnten wir nach ca. 5 Wochen erfolgreich abschließen. 5 Tage wie bei Euch als ersten Versuch halte ich für viel zu kurz bei einer Mittelohrentzündung.

    Da diese sehr schmerzhaft ist, sollte m.E. sofort ein Schmerzmittel in ausreichender Dosierung gegeben werden. Anscheinend habt Ihr das nicht gleich bekommen? Welche Dosis und wie oft bekommt er aktuell Schmerzmittel?

    MCP ist ein Mittel, das man höchstens bei akuten Aufgasungen kurzzeitig geben kann. Meistens heißt es, dass man es nicht länger als 3 Tage geben soll, da es zwar die Darmbewegungen anregt, nach seinem Absetzen sie aber geringer sind als vor der Gabe. Es gibt einen negativen Gewöhnungseffekt bei diesem Mittel.

    Zu Sab Simplex hatte Schweinemagd schon geschrieben. Wir haben hier noch einen erläuternden Artikel: Simeticon - egal welches Mittel?

    Bei Deiner Beschreibung habe ich an die Möglichkeit von E.Cuniculi gedacht. Wurde einen Blutuntersuchung gemacht um das auszuschließen?

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Ich hatte bereits beides - ein Meerschweinchen mit einer Mittelohrentzündun(Otitis media) und eins mit einem aktiven E.-Cuniculi-Ausbruch. Bei beiden Erkrankungen konnte ich sehr ähnliche Symptome wie die Kopfschiefhaltung und Gleichgewichtsstörungen festellten. Jedoch handelt es sich um völlig unterschiedliche Krankheitserreger mit anderen Entstehungsorten und Behandlungen. Deswegen solltest du aufjedenfall mit deinem TA als nächste Schritte einen Abstrich aus dem Gehörgang zur Erregerbestimmung sowie eine Blutuntersuchung auf E.-Cuniculi besprechen. Die Nierenwerte würde ich mit bestimmen lassen, weil ein Meerschweinchen das an E. Cuniculi leidet, zeigt auch oft deutliche Nierensymtome wie vermehrter Durst und viel Urinabsatz sowie Urininkontinenz (nasses Hinterteil und Einnässen). Zudem war bei meinem Schweinchen eine deutliche Lähmung der Hinterbeine zu erkennen, bei einer Otitis ist das in der Regel nicht der Fall. Was ich ganz schlimm anzusehen fand, waren die neurologischen Ausfälle - das Schweinchen ist auf die Seite gefallen und kam nicht mehr hoch. Zudem hatte sie starke Pupillenveränderungen wie z.B. dass die Augen sich durchgehend waagerecht im Kreis bewegten und hin und her zuckten. Ausserdem guckte sie nach oben daher auch "Sterngucker-Krankheit".

    Der entscheidende Unterschied zu meinem Schweinchen mit der Ohrenentzündung war aber der, dass keinerlei Ohr- oder Zahnschmerzen auftraten. Die Ohren waren völlig sauber, unauffällig und schmerzfrei.

    Was du beschreibst klingt auch wirklich nach einer Ohrenentzündung. Diese ist ja auch bereits diagnostiziert. Das Problem dürfte hier eindeutig die Flüssigkeit im Ohr sein. Wenn diese bereits eingedickt oder eitrig verhärtet ist, wird sie sich selten allein zurückbildenund immer weiter die Paukenhöhle schädigen und Druck auf das Innenohr ausüben. Das ist leider das Problem. Die Entzündung und somit die Flüssigkeit befindet sich HINTER dem Trommelfell und kann nicht nach außen abfließen. Deswegen sprich bei Deinem Tierarzt an, ob nicht bereits eine Spüllung /Öffnung des Trommelfells notwendig ist.

    Eine Ohrenentzündung beim Meerschweinchen kann leider chronisch werden – vor allem, wenn die Infektion bereits tiefer liegendes Gewebe oder den Knochen beschädigt hat oder das gewählte Antibiotikum nicht greift. Auch kommt es vor, dass die schiefe Kopfhaltung trotz erfolgreicher Behandlung als dauerhafter Schaden verbleibt weil Gesichtsnerven durch die Infektion geschädigt wurden. Das ist aber kein Problem, weil Meerschweinchen auch dank guter Regenerations- und Anpassungsfähigkeit mit verbleibenden Schiefkopf im Alltag gut zurecht kommen - d.h. sie lernen es sich trotz der Neigung zu orientieren und können auch Rampen laufen / hoch Klettern sowie in einem anderen Winkel problemlos fressen.

    Bei meinem Schweinchen mit der erfolgreich behandelten E. Cuniculi Infektion sind auch nach zwei Jahren immer noch Schäden da, weil sich die Nervenzellen nicht mehr regenerieren konnten. Zum Beispiel schaut sie manchmal über einen längeren Zeitraum ins Leere, oder nimmt nicht wahr dass es bereits Futter gab und bleibt wie angestarrt erwartend sitzen, während die anderen bereits fressen.

    Gibst du Vitamin B? Ich habe bei beiden Erkrankungen von RodiCare ein speziell flüssiges Ergänzungsfuttermittel namens RodiCare Vita B gegeben (über mehrere Wochen), um die Nervenregeneration bestmöglich zu unterstützen.

    Du schreibst, die Inaktivität mache dir große Sorgen - diese ist eine direkte Reaktion auf das Schwindelgefühl. Da bei einer Ohrenentzündung aber auch bei einer E.-Cuniculi Infektion das Gleichgewichtsorgan betroffen ist- verursacht jede Bewegung Schwindel. Ich denke, die Schmerzmittel können die Schwindelgefühle auch nicht ausschalten. Zudem verursacht Schwindel auch Übelkeit, was sich wiederum auf das Fressverhalten ausübt. Das Gehege sollte über die Dauer der Erkrankung aufjedenfall flach (keine Etagen / Höhen), weich gepolstert und frei von Hindernissen sein. Ich habe in der akuten Krankheitsphase über die Schlafplätze viele Decken gelegt (Höhlengefühl) und die Umgebung so reizarm wie möglich gehalten. Auch enge Kuschelhöhlen können helfen, das Schwindelgefühl etwas zu lindern.

    Zudem besprich bitte mit deinem Tierarzt eine eventuelle Trommelfell-Punktion und aufjedenfall ob die Erregerbestimmung (Antibiogramm) sowie Blutuntersuchung der nächste sinnvolle Schritt ist.

    Alles Gute!

  • Vielleicht wären auch Schleimlöser / Inhalation ergänzend hilfreich, damit doch was abfließen könnte, da es einen Kanal gibt, der das Mittelohr direkt mit dem Nasen-Rachen-Raum verbindet. Aber mit schleimlösenden Mitteln und Inhalieren habe ich keine Erfahrung. Vielleicht kann Silke dazu noch was sagen?

  • Damit meine Frage nach E. cuniculi nicht falsch verstanden wird: Ich zweifele die Mittelohrentzündung nicht an, sondern habe nur die Überlegung aufgebracht, ob beides hier vorhanden ist. Und Schwindel, Kopfschiefhaltung u.a. können ja bei beidem auftreten.

    Der Hinweis auf Schleimlöser und Inhalieren ist gut! Das war uns ausdrücklich empfohlen worden bei Josias Mittelohrentzündung. Und bei ihm hat man auf den Röntgenbildern vor der Behandlung und nach einigen Wochen deutlich den Unterschied gesehen. Die Flüssigkeit ist also abgeflossen oder vielleicht zum Teil auch resorbiert worden. Bei Letztgenanntem weiß ich nicht, ob das möglich ist.

    Nach meiner Vermutung kann man eine Entzündung im Mittelohr nur sehen beim Röntgen, weil dort Flüssigkeit ist. Das wäre für mich also noch kein Grund zum Verzweifeln, nur für eine konsequente und passende Behandlung.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Vielen Dank für eure Nachrichten und Tipps! Das hilft mir sehr, den Verlauf etwas besser einzuordnen. 😊

    Dass eine Mittelohrentzündung durchaus mehrere Wochen Antibiotikatherapie benötigen kann, beruhigt mich etwas. Rückblickend erscheinen mir die zunächst angesetzten fünf Tage auch sehr kurz. Es ist allerdings mein erster solcher Fall und ich war direkt in einer Tierklinik bei einem auf Heimtiere spezialisierten Tierarzt, weshalb ich mich zunächst vollständig auf die dortige Einschätzung verlassen habe.

    Schmerzmittel hat Mavi von Anfang an bekommen, zunächst Novaminsulfon. Seit gestern bekommt er zusätzlich Melosus (Meloxicam) zweimal täglich, Novaminsulfon soll parallel weiterhin gegeben werden. Seit Beginn des Melosus habe ich zumindest den Eindruck, dass er wieder etwas mehr selbst frisst und zwischendurch aktiver ist. Ganz normal ist er aber noch nicht.

    Eine Untersuchung auf E. cuniculi wurde bisher nicht durchgeführt. Im CT wurde allerdings eine beidseitige Mittel-/Innenohrentzündung mit Flüssigkeit in den Ohren festgestellt, sodass dieser Befund seine neurologischen Symptome zunächst gut erklärt. Ich werde E. cuniculi und auch die Nierenwerte beim nächsten Termin trotzdem einmal ansprechen, einfach um zu klären, ob ein zusätzlicher Ausschluss in seinem Fall sinnvoll wäre.

    Eine Myringotomie/Ohrspülung hatte der Tierarzt nach dem CT grundsätzlich als mögliche Behandlung erwähnt. Bei der letzten Kontrolle hielt er einen Eingriff bei Mavi aktuell allerdings doch nicht für sinnvoll und möchte zunächst länger antibiotisch weiterbehandeln.

    Das Taumeln und die Koordinationsstörung sind weiterhin deutlich vorhanden. Im Vergleich zum schlimmsten Zustand ist es besser. Damals konnte er beim Hochnehmen seinen Kopf teilweise kaum kontrollieren und bewegte ihn stark hin und her, als könne er nicht mehr unterscheiden, wo oben und unten ist. Die Kopfkontrolle ist inzwischen wesentlich besser und er hält den Kopf im Sitzen fast gerade. Beim Laufen, insbesondere wenn er schneller wird, gerät er aber weiterhin deutlich ins Schwanken. Dort sehe ich seit ungefähr einer Woche kaum weitere Verbesserung.

    Ich werde jetzt noch mal den kompletten Verlauf ergänzen:

    Vorgeschichte: Mittels CT wurde eine Mittelohrentzündung mit Flüssigkeit in beiden Ohren festgestellt. Zusätzlich wurde eine angeborene Zahn-/Kieferfehlstellung gesehen. Diese soll nach Aussage des Tierarztes derzeit nicht behandlungsbedürftig sein.

    Das Hauptproblem der Ohrentzündung waren von Anfang an vestibuläre/neurologische Symptome:

    • Kopfschiefhaltung
    • starkes Taumeln
    • Koordinationsstörungen
    • teilweise leichtes! Umfallen
    • im schlimmsten Stadium deutliche Orientierungsprobleme
    • beim Hochnehmen konnte Mavi den Kopf teilweise kaum kontrollieren und bewegte ihn stark hin und her, als könne er nicht unterscheiden, wo oben und unten ist.

    Antibiotika und erster Verlauf

    14.–18.08.2026: erster Baytril-/Enrofloxacin-Kurs über 5 Tage.

    Zusätzlich zunächst:

    • MCP 1 mg/ml: 0,2 ml 2× täglich
    • Novaminsulfon: 0,1 ml 2× täglich
    • Sab Simplex: 0,5 ml 2× täglich
    • Critical Care: anfangs ca. 10 ml, 5–6× täglich
    • Bene-Bac

    Unter Baytril besserte sich Mavi zunächst deutlich. Also scheint es ja anzuschlagen. Er wurde sicherer auf den Beinen, aktiver und begann wieder mehr selbst zu fressen.

    19.08.: erster kompletter Tag ohne Antibiotikum. Abends wieder etwas stärkeres Taumeln und erstmals & einmalig Kreislaufen.

    20.08.: deutliche Verschlechterung. Starke Kopfschiefhaltung, erhebliche Gleichgewichtsprobleme, Desorientierung und starkes Taumeln. Teilweise fiel bzw. rollte er und konnte den Kopf beim Hochnehmen kaum kontrollieren. Daraufhin wurde Baytril abends wieder begonnen.

    21.08.: weiterhin sehr starker Schwindel. Beim Tierarzt erhielt er subkutane Flüssigkeit/Infusion sowie Vitamine. Noch am selben Abend wurde er auffällig aktiver, lief herum, quiekte wieder und fraß besser.

    Zweiter Antibiotikaabschnitt

    Ab 20.08. durchgehend Baytril/Enrofloxacin.

    In den folgenden Tagen besserte sich vor allem:

    • Allgemeinzustand
    • Eigenfressen
    • Aktivität
    • Kopfkontrolle

    Die Kopfhaltung wurde wesentlich gerader. Er kann seinen Kopf heute grundsätzlich wieder selbst halten und sitzt häufig mit nahezu geradem Kopf.

    Das Taumeln und die Koordinationsstörung blieben jedoch bestehen. Besonders beim schnellen Laufen gerät er weiterhin deutlich ins Schwanken/Schaukeln. Er kann sich mittlerweile aber wesentlich besser abfangen.

    Seit ungefähr Ende August/Anfang September scheint die Verbesserung der Koordination eher auf einem Plateau zu sein. Das Taumeln ist insgesamt besser als im schlimmsten Stadium, hat sich zuletzt aber nicht mehr deutlich verändert.

    Kontrolle am 31.08.

    Beim Kontrolltermin wurde eine Operation/Myringotomie erneut angesprochen. Dr. sagte, dass er einen Eingriff aktuell nicht für sinnvoll hält und zunächst länger konservativ behandeln möchte.

    Plan:

    • Baytril weiter über mehrere Wochen, zunächst etwa einen weiteren Monat
    • danach Entscheidung, ob nochmals verlängert wird
    • MCP weiter
    • Novaminsulfon weiter
    • Bene-Bac weiter
    • Sab Simplex zunächst absetzen

    Mavi hatte bei der Kontrolle zugenommen.

    Verschlechterung nach Absetzen von Simeticon

    Nach dem Absetzen von Sab Simplex wurde Mavi über mehrere Tage wieder deutlich ruhiger:

    • sehr viel Schlaf
    • kaum freiwilliges Herumlaufen
    • weniger Eigenfressen
    • weniger sichtbare Köttel
    • häufig nur noch im Häuschen, teilweise holte er sich Futter nur durch den Eingang hinein.

    Er fraß aber weiterhin einzelne Dinge selbst und ließ sich gut zufüttern.

    03.–04.09.: Verdacht auf Bauchproblem

    Wegen weniger Fressen und scheinbar weniger Kot Rücksprache mit der Praxis. Empfehlung zunächst:

    • Sab Simplex wieder beginnen
    • intensiv zufüttern
    • bei fehlender Besserung Vorstellung beim Tierarzt.

    04.09.: erneute Untersuchung und Röntgen des Bauches.

    Im Röntgen waren tatsächlich deutliche Gasansammlungen/Aufgasungen im Bauch sichtbar.

    Mavi bekam erneut:

    • Flüssigkeit/Infusion & Vitamine

    Neue Anweisung:

    • Sab Simplex 0,5 ml 3× täglich übers Wochenende
    • anschließend 0,5 ml 2× täglich weiter und nicht mehr komplett absetzen
    • weiterhin intensiv zufüttern
    • MCP und übrige Therapie weiter.

    Darmverlauf danach

    Zunächst blieb er noch mehrere Tage sehr ruhig und fraß weniger selbst. Die Kotproduktion ließ sich später aber eindeutig nachweisen. Es wurden später zunächst einzelne große, normal geformte Köttel gefunden. Kein Durchfall.

    Damit ist klar, dass der Darm aktuell arbeitet und Kot weitertransportiert wird.

    Mavi hat außerdem weiter zugenommen und wiegt inzwischen ca. 710 g.

    08.09.: weiterhin starke Müdigkeit → Schmerztherapie erweitert

    Obwohl Darm und Köttel wieder deutlich besser waren, blieb Mavi auffällig:

    • schläft sehr viel
    • deutlich weniger aktiv als an seinen guten Tagen
    • Eigenfressen vorhanden, aber noch reduziert
    • weiterhin vestibuläre Koordinationsstörung.

    Nach Rücksprache wurde deshalb zusätzlich Melosus/Meloxicam 2× täglich verordnet.

    Aktuelle tierärztliche Anweisung:

    • Baytril/Enrofloxacin 1× täglich
    • MCP 0,2 ml 2× täglich
    • Novaminsulfon 0,1 ml 2× täglich
    • Melosus/Meloxicam 2× täglich
    • Bene-Bac 2× täglich
    • Sab Simplex 0,5 ml 2× täglich
    • Critical Care weiterhin zufüttern, da die Eigenfutteraufnahme noch nicht normal ist.

    Reaktion auf die neue Schmerztherapie

    Bereits am ersten Tag nach Beginn von Melosus zeigten sich kleine, aber auffällige Veränderungen:

    Mavi ist wieder mehrfach freiwillig aus dem Häuschen gekommen, hat seine Runden gedreht und nach längerer Zeit wieder gequiekt/„erzählt“.

    Er hat freiwillig gefressen:

    • Möhre
    • Möhrengrün
    • Heu
    • Kräuter

    Am Abend war er zeitweise komplett außerhalb des Hauses unterwegs, lief mehrere Runden durchs Gehege und fraß dort selbstständig. Einmal sprang er sogar kurz hoch/drehte sich – möglicherweise Popcornen oder ein Ausweichsprung vor seinem Kumpel.

    Zwischendurch schläft er aber weiterhin viel.

    Leider kann die Schmerztherapie aber auch nicht die endgültige Lösung sein.

    Aktueller Zustand am 09.09. - Baytril Behandlung Tag 21

    Positiv:

    • Gewicht steigt, etwa 740 g
    • Darm arbeitet: große, normal geformte Köttel
    • frisst wieder mehrfach selbst
    • ist ansprechbar und neugierig
    • kommt wieder häufiger aus dem Haus
    • läuft wieder freiwillig herum
    • quiekt/„erzählt“ gelegentlich wieder
    • Kopfhaltung deutlich besser als zu Beginn

    Weiterhin problematisch:

    - schläft noch sehr viel

    • Eigenfutteraufnahme noch nicht wieder normal
    • insgesamt noch deutlich weniger aktiv als vor der Erkrankung
    • weiterhin ausgeprägtes Taumeln/Schwanken
    • insbesondere beim schnelleren Laufen deutliche Koordinationsprobleme
    • vestibuläre Symptome haben sich zuletzt über ungefähr eine Woche kaum weiter verbessert
    • unklar, ob noch aktive Entzündung/Flüssigkeit im Ohr besteht oder ob ein Teil bereits eine länger dauernde vestibuläre Nachwirkung ist.


    Bisherige Gespräche über Euthanasie

    Im bisherigen Behandlungsverlauf wurde ich mehrfach von tierärztlicher Seite gefragt, ob wir „die Reißleine ziehen“ bzw. Mavi eingeschläfert werden soll. Zuletzt wurde mir außerdem gesagt, dass man therapeutisch im Grunde nicht mehr viel machen könne.

    Für mich kommt eine Euthanasie überhaupt nicht in Betracht. Zumal es ja doch „nur“ eine Ohrenentzündung ist und kein Tumor oder Ähnliches. Die wiederholte Thematisierung des Einschläferns belastet mich momentan zusätzlich, weil Mavi aus meiner Sicht weiterhin deutlich Lebenswillen und positive Phasen zeigt.


    Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll damit es ihm besser geht. Langsam bin ich am Ende meiner Nerven.

  • Du hast den Krankheitsverlauf sehr gut dokumentiert, was man darin aufjedenfall erkennt: dass es ein Auf und Ab ist, das dir natürlich auf die Nerven schlägt. Vor allem, wenn die Tierärzte bereits zum Einschläfern raten und du aber spürst, dass dein Mavi eigentlich noch leben möchte und ihn nicht aufgeben möchtest. Dass du das nicht willst, weil es sich "nur" um Ohrenentzündung und im Vergleich keine unheilbare Krebserkrankung handelt, ist für mich total nachvollziehbar. Dass die Tierärzte dazu raten, liegt wahrscheinlich daran, weil untherapierbarer, permanenter Druckschmerz im Kopf das Wohlbefinden und damit die Lebensqualität des Tieres leider massiv zerstört.

    Leider wissen auch gute, professionelle Tierärzte für Heimtiere / Kleintiere, dass eine langwidrige, eitrige Ohrentzündung beim Meerschweinchen keineswegs eine Banalität ist, sondern zu den schmerzhaftesten und schwerstbehandelbaren Erkrankungen überhaupt gehören - wie du ja schon festgestellt hast.

    Ich denke, dass Dein Meerschweinchen nach drei Wochen Antibiose immer noch Inaktivität, Taummeln und Gleichgewichtsprobleme zeigt, ist ein eindeutiges Signal dafür, dass die aktuelle Behandlung an ihre Grenzen gestoßen ist und so nicht weitergeführt werden kann. Was nicht heisst, dass das Antibiotika nicht gegen die Bakterien gewirkt hat, sondern ich denke eher, dass sich noch Eiter / Entzündungsflüssigkeit hinter dem Trommelfell befindet, das durch den Druck dafür sorgt, das der Orientierungssinn dauerhaft gestört bleibt. Wenn der aktuelle Tierarzt nach 21 Tagen (erfolgloser?) Antibiose keinen neuen Behandlungsplan (Wirkstoffwechsel / chirurigische Entlastung / Spülung) vorschlägt oder nur zum Einschläfern rät, würde ich eine Zweitmeinung einholen und das Meerschweinchen umgehend bei einem zweiten Fachtierarzt für Heimtiere / Kleintiere mit der Zusatzbezeichnung ohrenkundig vorstellen.

    Anderseits, kannst du auch noch warten und beobachten weil Nerven brauchen sehr lange, um sich zu regenerieren. Das funktioniert aber nur, wenn die eigentliche Entzündung und der Druck im Ohr vollständig abgeheilt ist.

    Übrigens, mein Meerschweinchen mit der einseitigen Ohrenentzündung hat auch dauerhaft nach erfolgreicher Behandlung ein verändertes Gangbild. Es hat auch mit der Behandlung lange gedauert wie bei dir. Ich fasse es kurz zusammen: An einem Sonntag Inapetenz und Apathie wahrgenommen - heisses, geschwollenes Ohr. Notdienst diagnostiziert Otitis media, verschreibt 5 Tage Baytril. Natürlich viel zu kurzer Behandlungszeitraum. Am 5 Tag keine Besserung - Vorstellung bei meiner Tierärztin: Antibiose verlängert ( zusätzlich noch mal 14 Tage) In dem Fall: keine Flüssigkeit im Ohr. Taumeln, Umfallen, Kopfschiefhaltung blieb aber vom ersten Tag bis einige Tage nach Ende der Antibiose. Bei schnellen Bewegungen kann ich heute immer noch dauerhaft gebliebene Nervenschäden beobachten - insbesondere beim Schnellen laufen. Aber wie bereits geschrieben lernen Meerschweinchen, das auszugleichen. Nutzt mein Meerschweinchen die Stufen zu der zweiten Ebene, macht es das nach der Ohrenentzündung ausschließlich durch schnelles Laufen. Das liegt daran, das sein Gehirn falsche Signale über die Raumlage empfängt - um die Koordination nicht zu verlieren, versucht er den wahrgenommen Schiefstand durch schnelles Laufen auszugleichen. Wie gesagt, sowas oder auch dauerhafte, leichte Kopfschiefhaltung ist oft die Folge einer Ohrenentzündung beim Meerschweinchen.

  • Ich danke dir sehr für die ausführliche & hilfreiche Antwort! Einen Arzt aufzusuchen mit HNO Spezialisierung ist natürlich ein suuuper Tipp! 🤯 Wir sind übermorgen nochmal in der Tierklinik zur weiteren Besprechung & wenn mich das dann nicht zufriedenstellt, holen wir uns eine Zweitmeinung (idealerweise beim HNO) ein.

    Da hast du natürlich Recht. So kann es nicht wirklich weitergehen.. Mal sehen was der Arzt sagt und dann entscheiden wir weiter. Ich habe schonmal bei einem HNO Spezialisten angefragt

    Es freut mich, dass es deinem Meerschwein damit gut geht und es gut ausgleichen kann ;) Ich wäre froh, wenn die Entzündung endlich weg ist, selbst wenn das Taumeln so wie bei deinem Meerschweinchen bleibt.

  • Auf E. cuniculi zu testen, wäre insofern m.E. wichtig, weil dagegen ein Antibiotikum nicht hilft. Das wird mit Panacur behandelt. Das Antibiotikum, das man dann oft zusätzlich gibt soll nur gegen zusätzliche bakterielle Entzündung helfen.

    Ich kann natürlich keineswegs sagen, dass E.cuniculi der Auslöser ist, aber solange man es nicht weiß und mit Antibiotikum alleine es nicht abheilt bisher, würde ich die Untersuchung zeitnah machen lassen.

    Blutabnahmen bei Meerschweinchen können leider schwierig sein. Aber ein damit erfahrener Tierarzt sollte das schaffen, oft sogar problemlos.

    Hier findest Du zusätzliche Informationen:

    Zu den Medikamenten:

    Novalminsulfon (Wirkstoff Metamizol) wirkt bei Meerschweinchen nur 4-8 Stunden. Es ist daher zu wenig, das Mittel 2x täglich zu geben. 4x täglich wäre das Minimum, das ich von meerschweinchenkundigen Tierärzten kenne.

    Melosus (Wirkstoff Meloxicam) wird von nicht spezialisierten Tierärzten meistens zu niedrig dosiert. Wieviel bekommt er denn aktuell jeweils?

    Ich weiß nicht, ob MCP gegen Übelkeit durch Schwindelgefühl überhaupt hilft. Da könntest Du mal nachlesen. Auf jeden Fall besteht nach dem Absetzen die Gefahr, dass bei so langer Gabe das Meerschweinchen verstopft und aufgast. Falls es wirklich weiter sinnvoll sein sollte, das Mittel zu geben, wäre es ein Versuch, es langsam abzusetzen, also auszuschleichen, wenn er es nicht mehr braucht. Zudem müsstest Du versuchen, die Verdauung dann besonders zu unterstützen.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

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