Erfahrungsbericht: Osteodystrophie bei Meerschweinchen

  • Ich habe im Laufe der Zeit viele Erfahrungsberichte und Forenbeiträge über Meerschweinchen mit OD gelesen und hoffe, mein Bericht kann anderen Betroffenen nun auch ein wenig Orientierung geben.

    Motte war ein zierliches Satin-Meerschweinchen. Sie wurde ca. Februar 2022 geboren und lebte bis April 2026. Als ich sie bekam, war sie 1,5 Jahre alt. Sie wurde mir von einer Notstation vermittelt, mit der Aussage, ich solle sie wegen des Satin-Fells auf OD röntgen lassen, sie würde aber bislang noch keine Symptome zeigen. Bei mir angekommen war recht schnell klar, symptomfrei ist anders. (Kein Vorwurf an die Notstation, es ist eine kleine Notstation, die nicht wie ich jedes Schweinchen stundenlang beobachten kann, und ich war vorgewarnt.) Auffällig war eine merkwürdig verkippte Haltung beim Liegen. Ich habe davon leider nur ein schlechtes Bild, aber stellt euch vor, die Hüfte ist im Liegen um bis zu 90° gekippt, sodass ein Fuß deutlich in die Luft hängt. Aber der Körper ist dabei ganz gerade und nicht "crossaintförmig" abgelegt.

    Ich habe sie dann schnell röntgen lassen, mit dem Ergebnis Osteodystrophie. Die Knochen waren schlecht mineralisiert, Wachstumsfugen teilweise nicht geschlossen, Arthrose in den Gelenken. Sie bekam Metacam, damit verschwand die Schonhaltung und sie wurde insgesamt munterer.

    Ein halbes Jahr später war ich zur Röntgenkontrolle und die Tierärztin meinte, die Knochen sähen nun viel besser aus und ich könnte das Schmerzmittel absetzen. Im Nachhinein war das sehr fragwürdig und meiner Meinung nach ein Fehler. Wieder eine Weile später sah ich einen Beitrag einer anderen Meerschweinchen-Notstation zu OD, schrieb sie an und ließ mich von ihnen zu einem anderen Tierarzt verweisen. Dort wurde wieder geröngt und ich erfuhr, dass die bisherige Metacamdosis viel zu niedrig gewesen war. Die neue Behandlung setzte sich zusammen aus Metacam (dem höher dosierten für Hunde), Actonel (einem Humanmedikament gegen Osteoporose, das den Verlauf bremsen kann) und Rodicare Artrin. Die ersten Wochen merkte ich kaum einen Unterschied, aber dann legte Motte kontinuierlich an Gewicht zu, lernte schließlich im Alter von drei Jahren Männchen machen und wurde noch ein ganzes Stück agiler. Auf diesem positiven Stand konnte sie einige Zeit fröhlich leben. Wärme in jeder Form (Sonne, Wärmekissen, Kükenplatte,…) wurde immer gerne angenommen.


    Im Nachhinein kann ich nur empfehlen, mit Schmerzmittel nicht zu sparen. Weniger Schmerzen bedeuten mehr Lebensqualität und mehr Bewegung, und mehr Bewegung ist auch gut für Knochen und Gelenke. Ich hatte keine Probleme mit Nebenwirkungen, habe mir aber immer gesagt: lieber ein gutes Leben ohne Schmerzen, bis die Nieren aufgeben, als langes Dahinsiechen und Abwärtsspirale wegen Schmerzen.

    Bei Motte trat die OD vor allem in der Hüfte und den großen Hinterbeinknochen auf. Meerschweinchen, die Probleme im Kiefer(gelenk) haben, haben eine deutlich schlechtere Prognose. Platt gesagt, ein bisschen humpeln ist nicht so schlimm wie nicht kauen können.

    Am Ende verlor Motte erst schleichend über die Monate ein wenig Gewicht. Das war zwar nicht gut, aber auch noch nicht weiter schlimm, sie hatte sich von knochigen 800g bei ihrer Ankunft auf nicht dicke, aber wohlgeformte 980g hochgefuttert. Allerdings war der Gewichtsverlust mit Anpassung der Metacamdosis nicht wirklich aufzuhalten. Nach einer stressigen Phase mit Tod des Kastraten und Vergesellschaftung eines neuen Kastraten kam es zum Crash. Motte fiel mit Kiefer“verrenkungen“ vor dem Fressen und verlangsamten Fressen auf. Entweder war es die fortgeschrittene OD, oder ein Arthroseschub/Arthritis im Kiefergelenk. In der Hoffnung auf einen reversiblen Schub setzte ich in Absprache mit dem Tierarzt Metacam und Novalgin auf Maximum (zusammen mit Rodicare Immun und Artrin). Zwei Wochen sah es nach langsamer Besserung aus, dann verlor Motte jedoch innerhalb weniger Tage die Fähigkeit zur selbstständigen Futteraufnahme und nahm immer schneller ab. Zunächst konnte sie noch alles fressen, nur eben langsam, dann konnte sie noch halmiges/Salate in dünnen Streifen fressen und Päppelbrei von einer Schüssel selbstständig aufnehmen. Als sie drei Tage später auch den Päppelbrei nicht mehr selbstständig nehmen konnte und Halme schwieriger wurden, ließ ich sie einschläfern. Laut der Tierärztin, bei der ich für die Euthanasie war, hatte sie vermutlich keine Schmerzen beim Fressen, sondern war durch den erweichten Kieferknochen und das beschädigte Gelenk mechanisch nicht mehr in der Lage, zu kauen. Die Tierärztin stellte mir frei, ob ich Motte durch päppeln am Leben erhalten wollte, aber ich entschied mich dagegen, weil es mir nicht im Sinne des Tiers erschien.

  • Vielen Dank, dass Du diesen Bericht hier eingestellt hast! Das hat sicherlich weh getan, aber es kann anderen Meerschweinchen mit Osteodystrophie (OD) helfen.

    Eine Frage habe ich noch: Wurde mal über zusätzliche Gabe von Vitamin D und evtl. auch Calcium gesprochen oder hast Du darüber anderswo gelesen?

    Ich frage das, weil beides natürlich nicht OD aufhalten könnte, aber vielleicht einen gewissen Ausgleich bringen könnte.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Vitamin D habe ich über eine UV-Lampe abgedeckt, das hatte der Tierarzt auch empfohlen. Sie wird nicht aktiv aufgesucht, deswegen hängt sie über einer Futterschale.

    Calcium habe ich nicht gegeben, aber darauf geachtet, nicht calciumarm zu füttern (viel Petersilie, öfters frische Luzerne etc). Zum Glück hatte ich keine Probleme mit Blasengries bei den anderen und musste das nicht jonglieren.

  • Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht. Für mich war das sehr interessant. Aber natürlich ist es auch wirklich traurig, dass es (bisher?) keine Behandlung gibt, die dauerhaft einen stabilen Zustand bringt.

    Wir haben ja ein Satinschweinchen, unsere Selma. Bisher ist alles in Ordnung, keine Anzeichen für OD, aber ich möchte natürlich den Anfang nicht verpassen.

    Wie lange hat es denn gedauert von den ersten Anzeichen (schiefes Liegen) bis zum Ende?

    <3Karla *2019 <3 Ludwig *18.1.2022 <3 Minna *ca. 20.8.2022 <3 Selma * 2.2.2024 <3 Ottilie * 9.11.2025 <3

    Für immer im Herzen: Berta, Pieps, Charly, Greta, Emma, Sophie, Chocolate, Amalie, Lola

  • Das lässt sich nicht sagen. Als ich sie mit 1,5 Jahren bekam, hatte sie schon Symptome und wurde etwas über vier, also ca. 3 Jahre. Was davor war, weiß ich nicht. Aber das ist vermutlich individuell, je nach Schwere und Schnelligkeit des Verlaufs und wie rechtzeitig "Gegenmaßnahmen" getroffen werden.

    Wie alt ist Selma denn? Nach deinen Berichten ist sie ja topfit, ich denke die Chancen stehen ganz gut, dass sie es nicht hat :)

  • Selma ist jetzt 2 Jahre und 3 Monate alt.

    Ich habe gerade eben noch ein Foto gemacht weil sie so "schön" da lag und deine erste Beobachtung ja eine besondere Haltung im Liegen war.

    Und ein Foto vom Freitag:

    Bei euch war das anders, oder?

    <3Karla *2019 <3 Ludwig *18.1.2022 <3 Minna *ca. 20.8.2022 <3 Selma * 2.2.2024 <3 Ottilie * 9.11.2025 <3

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  • Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass die Anzeichen beim Schlafen auch schon deutlich subtiler sein können. Unsere Toffifee hatte keine Hüftgelenke mehr, und bei ihr war auffällig, dass sie nicht ohne weggestreckte Beinchen gelegen hat. Egal ob sie gestresst war oder nicht, immer hatte sie die Beinchen weggestreckt. Das habe ich auch beobachten können bei Helga mit ihrer massiven Arthrose. Also wenn ein Schweinchen nur/auffällig oft entlastend liegt, kann es auch Sinn machen da mal nachzuforschen.

    Haremsgruppe und gemischte Gruppe <3

    "untere Gruppe" bestehend aus Luna und Zorro

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    Mehr Infos zu uns hier :)

  • Das ist interessant, bei Motte war es eher so, dass sie die Beine nicht ausstrecken konnte beim Liegen. Seitlich "crossaintförmig" habe ich selten gesehen, nach hinten weggestreckte Beine nie.

    Sicher kann man es wohl nur im Röntgen erkennen.

  • Mein Satin "Kelpie" scheint verschont - zum Glück.
    Er ist schon vier Jahre alt und zeigt noch keine (deutlichen) Anzeichen. Und beim Röntgen letztes Jahr, was bei Atherom-Entfernung mit gemacht wurde war nur ein Zeh auffällig (Laut TÄ vermutlich mal gebrochen gewesen) und ein Fußgelenk minimal. Er fängt zwar langsam an etwas zu hoppeln beim laufen, aber wie gesagt er fängt langsam an. Ich denke das sit eher Arthrose langsam weil er nicht mehr der jüngste ist. Ich hatte auch ein nicht-Satin bei dem das in dem Alter losging aber zum Glück langsamer fortschreitet. Der nicht-Satin mit Arthrose wurde 8, hatte da dann aber auch lange Schmerzmittel bekommen.

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