Schwierige oder gescheiterte Beziehungen

  • Aufgrund der längerfristigen Probleme zwischen einigen unserer Böckchen wollte ich eigentlich ein neues Thema zu Bockgruppen eröffnen. Aber vielleicht ist das zu kurz gegriffen, weil es ja bei Meerschweinchen mitunter auch zwischen Männchen und Weibchen unüberwindbare Probleme zu geben scheint.

    Es geht mir natürlich nicht darum, die Meerschweinchenhaltung schlechtzumachen oder nur für Zweierhaltung zu werben. Aber vielleicht hilft es uns und neuen Lesern, uns möglicher Probleme bewusst zu werden und damit besser planen oder auch reagieren zu können.

    Ich lade Euch ein, von massiven und länger anhaltenden Problemen zwischen Meerschweinchen zu schreiben. Gerne lesen wir natürlich auch, wenn letztlich doch noch Frieden eingekehrt ist. Beschreibt bitte die Situation und die beteiligten Meerschweinchen so ausführlich wie nötig, wie lange es gedauert hat, was Ihr versucht habt und auch wie es letztlich ausgegangen ist.

    Später will ich gerne auch von Erfahrungen bei uns berichten, aber vielleicht wollen ja einige von Euch den Anfang machen?

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Josia (08/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24) - weitere Infos

  • Willkommen in unserem Forum!

    Es freut mich dass dieses Thema hier belebt wurde. Allerdings ist es eigentlich zur Beschreibung von abgeschlossenen Problemen gedacht. Deine Gruppe ist aber mitten in der Krise und könnte hoffentlich von gemeinsamen Überlegungen und Erfahrungsaustausch im Forum profitieren. Ich werde daher daraus ein eigenständiges Thema machen: Probleme in 10er-Bockgruppe

    Wenn dann hoffentlich in absehbarer Zeit die Situation gut gelöst ist, wäre es schön hier in diesem Thema eine Zusammenfassung zu haben - gerne auch mit Link auf den Verlauf.

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  • Übersicht

    Damit wir auch in diesem Thema kommentieren und Fragen stellen können ohne den Überblick über die Berichte zu verlieren, will ich sie hier auflisten und neue nachtragen:

    1. Katastrophaler Start mit gutem Ende
    2. Von schlimmem Start zu enger Freundschaft
    3. Von Frieden zu Kampf
    4. Langanhaltender Streit mit positivem Ende

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Josia (08/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24) - weitere Infos

  • Katastrophaler Start mit gutem Ende

    Wuschel und Landolf

    Zu Beginn war Wuschel 2,5 Jahre alt und Landolf ca. 8 Monate. Beide waren deutlich vor der Vergesellschaftung erwachsen bzw. halberwachsen kastriert worden.

    Wuschel fing nach 2 Tagen des friedlichen Zusammenlebens der neuen Fünfergruppe an, Landolf massiv zu jagen und mehrmals täglich in den Rücken zu beißen. Die Wunden waren überwiegend nur oberflächlich aber blutig und sicherlich sehr schmerzhaft.

    Hinweis: Ich hatte seinerzeit leider auf die falschen ausführlich besprochenen Ratschläge von zwei verschiedenen Betreibern jeweils einer Notstation gehört und es laufen lassen: es würde sich beruhigen. Heute würde ich vom ersten Tag an völlig anders reagieren.

    Es beruhigte sich nicht und nach zweieinhalb Wochen habe ich dem Elend durch Trennung ein Ende gemacht.

    Über eine Reihe von Zwischenschritten und langsame Gewöhnung konnten die beiden zusammen mit 2 und dann bald 4 anderen Jungs nach rund 18 Monaten dauerhaft zusammenleben. Es kam nie wieder zu einem Biss und Landolf und Wuschel mochten sich bis zu Wuschels Tod nach weiteren eineinhalb Jahren gerne. Sie hatten ein freundliches entspanntes Verhältnis.

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  • Von schlimmem Start zu enger Freundschaft

    Wuschel und Scotty

    Zu Beginn war Wuschel 2,5 Jahre alt und Scotty zw. ca. 8 und 14 Monaten. Beide waren deutlich vor der Vergesellschaftung erwachsen bzw. halberwachsen kastriert worden.

    Hier lief es sehr ähnlich wie bei Wuschel und Landolf, nur wurde Scotty weniger oft gebissen und von mir schon nach einer Woche herausgenommen, weil er sich bei den Fluchten das Beinchen verstaucht oder gezerrt hatte.

    Wuschel und Scotty kamen kurz nach den beiden anderen und auch über viele Zwischenschritte und langsame Gewöhnung dauerhaft zusammen. Wuschel war dann bis zu seinem Tod der engste Freund von Scotty.

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  • Von Frieden zu Kampf

    Josia und Landolf

    Als die beiden zusammenkamen war Landolf gut 3 Jahre alt und Josia fast 2. Beide waren schon lang kastriert.

    Josia war anfangs niedrig in der Rangordnung und suchte keinen Streit. Lange Zeit war das Verhältnis der beiden nicht eng aber auch nicht schwierig. Dann fing Landolf irgendwann an, Josia zu verjagen. Er rannte ihm hinterher oder hackte ihm mitunter auf das Hinterteil. Das führte mitunter zu kleinen oberflächlichen Verletzung, ist aber m.E. auch nichts, was man auf Dauer hinnehmen sollte. Es kam nach meiner Erinnerung nie zu Kämpfen in der Zeit.

    Als Dachsi, der mit dem früher verstorbenen Wuschel zusammen die Gruppe immer geführt hatte, zu krank war, um sich körperlich durchsetzen fing Josia an, gegen Dachsi aufzubegehren. Alle anderen respektierten Dachsi auch noch als er kaum mehr laufen konnte. Im Rückblick zeigte Josia schon zu der Zeit Bestrebungen die Führung zu übernehmen. Nach dem dicht aufeinanderfolgenden Tod von Dachsi und Miro gelang es Josia die Führung der verbliebenen Dreiergruppe zu übernehmen. Dabei war Josia nie so beliebt wie Dachsi und Wuschel. Die beiden verbliebenen wollten einfach nicht gegen ihn angehen, zumal Landolf sehr unter dem Verlust von Dachsi litt.

    Als dann über wiederum einige Zwischenschritte Landolf in Simba einen neuen sehr engen Freund gefunden hatte, kam es zunehmend zu Streit mit Josia. Wärend eines halben Jahres gab es einige unblutige "Ringkämpfe" und keine Lösung. In einer von außen hinzugekommenen Stresssituation kam es dann zu einem heftigen Biss bei Landolf.

    Aufgrund der Gesamtsituation suchte ich schweren Herzens Josia ein neues Zuhause bei einem Weibchen. Dort hat er endlich die Nähe und Chefrolle, die er sich immer gewünscht hatte. Und beide scheinen damit sehr glücklich zu sein.

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  • Langanhaltender Streit mit positivem Ende

    Landolf und Miro

    Beide kamen als Brüder mit ca. 6 Monaten zu uns. Scotty hatte auch schon vor dem Umzug mit uns mit ihnen zusammengelebt. Alle drei wurden kurz danach kastriert.

    Ihr Verhältnis war seit ich sie kannte angespannt, aber zunächst ohne Kämpfe. Kritisch wurde es als wir sie zu Dachsi und Wuschel setzten. Miro schloss sich eng an Wuschel an und Landolf an Dachsi. Durch seinen großen Beschützer Wuschel wagte es Miro den bisher überlegenen Landolf zu jagen. Nach solch einem Angriff rannte Miro wieder zu seinem Beschützer. Leider steckte er Wuschel damit an, der wie beschrieben Landolf dann sehr zusetzte.

    Durch die Herausnahme von Landolf kamen die Brüder erst 11 Monate später wieder zusammen. Leider gab es seither immer wieder anhaltendes Gezeter und vereinzelte Kämpfe und Bisse zwischen den beiden. Erst als Miro nach rund eineinhalb Jahren des neuen Zusammenlebens sehr krank und geschwächt war, wurde es friedlich zwischen den beiden. Landolf war klar überlegen und Miro akzeptierte das. Das hielt auch an, als es Miro nach vielen Monate wieder gut ging.

    Besonders bewegend fand ich: In der zweiten schweren Krankheitsphase von Miro gab es gegen Ende seines Lebens noch mal eine kurze deutlich bessere Phase. Miro konnte endlich wieder mit den anderen essen. In seiner Begeisterung verdrängte er Landolf mehrmals von dessen aktuellen Futterstelle. Landolf ließ sich das ohne Streit oder Stress gefallen, obwohl er wie gesagt ranghöher war und körperlich fit.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Josia (08/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24) - weitere Infos

  • Mein Zwischenfazit

    Ohne weitere Verhältnisse beschreiben zu wollen denke ich derzeit:

    • Wenn eine klare Hierarchie und eine fähige Leitung fehlen, sind Bockgruppe sehr schwierig bis nicht harmonisch möglich.
    • Zweiergruppe haben auch in solchen Situationen bessere Aussichten auf ein harmonisches Zusammenleben.
    • Schlimme Erfahrungen, die Meerschweinchen miteinander gemacht haben, müssen nicht automatisch ein späteres friedliches Zusammenleben verhindern.
    • Man kann als Halter mit viel Zeiteinsatz und konsequentem Eingreifen und Unterstützen manche Beziehungen auf dem Weg zum Frieden begleiten. Bei anderen ist "Hopfen und Malz verloren".
    • Es ist die Frage wieviel Streit man den Meerschweinchen und sich selbst zumuten und wann man für immer trennen sollte.
    • Solange es harmonisch ist, ist eine größere Gruppe in vieler Hinsicht schöner und gesünder für die Tiere. Einfach immer nur Zweiergruppen bei Böckchen zu versuchen wäre daher auch schade.

    Bitte beschreibt auch einige Eurer schwierigen Meerschweinchenbeziehungen. Ich glaube dadurch können wir alle lernen, egal ob es sich um Bockgruppen oder Männchen und Weibchen oder Weibchen untereinander handelt.

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  • Darf ich dich fragen wie genau du die Zwischenschritte angegangen bist ?

    Mir graut es nämlich schon vor er erneuten Vergesellschaftung zwischen Peanut (w) und Chilli (m). Aktuell sind die zwei ja durch ein Gitter räumlich aber mit sicht getrennt, wegen Peanuts Kastration und da gibt es bisher eigentlich auch keinen Streit am Gitter.

    Aber Peanut fängt immer an mit den Zähnen zu Knistern wenn Chilli ihrer Meinung nach zu nah am Gitter steht.

    Wie kann ich ein erneues eskalieren vermeiden ?


    Ich wünsche mir auch so sehr einen friedlichen Ausgang damit auch Chilli und Brownie nicht wieder ausziehen müssen :(

  • Ich vermute und hoffe, dass es zwischen Peanut und Chilli einfacher sein wird, sobald die hormonelle Störung weg ist und einige Wochen nach der Beißerein ins Land gegangen sind.

    Zu den Zwischenschritten müsste ich seitenweise schreiben. Ich will es kurz versuchen:

    Zunächst lebten die beiden "Opfer" Landolf und Scotty kurzzeitig allein um dann wieder aneinander gewöhnt zu werden. Ihr Verhältnis war mal besser mal schlechter, aber es war eine Übergangslösung. Wir hatten dann also eine Dreiergruppe und eine Zweiergruppe.

    Dann fing ich nach ingesamt ca. 9 Monaten an, die fünf Meerschweinchen einzeln kurzzeitig auf neutralem Boden zusammenzusetzen. Je nachdem wie entspannt sie waren, waren das 30 Minuten, 2 Stunden oder später auch mal 4-6 Stunden. Dabei passte ich durchgehend sehr genau auf und griff mit Worten oder Ablenkung oder einem ungefährlichen Gegenstand ein, wenn sie zu aggressiv wurden.

    Diese Begegnungen führte ich erst zwischen denen herbei, die voraussichtlich am besten miteinander zurechtkommen würden. Das waren Dachsi und Landolf. Aber auch später bei Wuschel und Landolf lief es erstaunlich friedlich. Nur einmal kam es durch meinen Fehler zu einem kurzen Kampf. Ich hatte dummerweise den Transportkorb offen stehen gelassen. Zuerst war einer hineingegangen, dann der zweite und dann wurde es durch die Enge wild. Es kam zu keiner Verletzung, aber danach war Landolf verunsichert und entsprechend aggressiver. Das gleiche war übrigens bei seinem geliebten Dachsi passiert, als der ihn mehrmals wegen zu großer Aufdringlichkeit mit einem harmlosen Hacken zurechtwies. Das verunsicherte Landolf dann für mehrere Begegnungen.

    Mit anderen Worten die wichtigen Punkte waren:

    • langsame Gewöhnung
    • jedes Treffen nicht länger als sie es unter der Anspannung aushielten
    • ohne die anderen Schweinchen auf neutralem Boden
    • ausgestreutes Futter für positive Erlebnisse
    • mehrere Quadratmeter Platz
    • keine Engstellen wie Häuser o.ä.
    • mein Eingreifen, wenn es kritisch wurde, ehe es weiter eskaliert
    • die Tiere müssen grundsätzlich zueinander passen

    Unsere Aufgabe als Halter ist es, möglichst rechtzeitig zu erkennen, wo wir eingreifen müssen und wo wir die Meerschweinchen in Ruhe machen lassen können. Sie müssen sich auch mal jagen, bedrohen, besteigen und u.U. auch mal anspringen dürfen. Das Ziel ist so wenig wie möglich und so viel wie nötig einzugreifen. Ich greife selbst lieber zweimal zu oft ein, als einmal zu wenig, was zu einem Rückschlag oder schlimmstenfalls ernsthaften Verletzungen führen könnte.

    Zum letzten Punkt meiner Liste: Wenn z.B. zwei Meerschweinchen dauerhaft die Alleinherrschaft anstreben oder keiner die Führung übernehmen aber auch keiner sich unterordnen will, scheitern alle Bemühungen.

    Wir können helfen, wenn Meerschweinchen aus Angst, Überforderung oder wegen unglücklicher Umstände in Streit geraten. Und das ist nach meiner bisherigen Erfahrung meistens die Ursache für Probleme bei Vergesellschaftungen

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Josia (08/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24) - weitere Infos

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