Schweine sind unbegeistert von Salat, normal?

  • Danke für deine vielen Anregungen! Das mit dem Wiegen werde ich dann mal probieren.
    Genau, bisher habe ich das Futter nicht direkt an mehrere Stellen verteilt, aber schon als einzelne Blätter/Stücke, damit sich was geschnappt und weggegangen werden kann. Die Gruppe hat anfangs ein wenig gebraucht um sich einzuruckeln, mittlerweile sind sie größtenteils harmonisch, aber die kleine Scampi wird von Lumi schon immer mal wieder von den besten Futterhappen verjagt. Scampi lässt sich davon zwar nicht abschrecken und versucht es einfach wieder, aber deswegen hatte ich bisher Hemmungen, einfach einen ganzen Salatkopf reinzulegen. Werde ich aber mal versuchen und beobachten.

    Ich glaube wirklich, die sind verwöhnt weil sie wissen, dass ich nach einer Weile immer was besseres bringe, wenn sie was liegen lassen... Aber sie lassen manchmal Sachen auch einfach wirklich, WIRKLICH liegen. Also ich sortiere nicht sofort nach einer Stunde aus. Aber gerade ist zB Raddicchio unbeliebt, den lege ich Abends rein. Morgens ist der immer noch da. Mittags immernoch. Naja und dann werf ich ihn halt irgendwann raus. Aber wenn sie dann etwas nicht wollen, dann bleibt es echt konsequent liegen.

    zB. Heute: Sie sind es eigentlich gewöhnt, dass es morgens nach dem saubermachen zum Frühstück eine große Portion Wiese gibt, genauso wie Abends nach dem saubermachen. Da stürzen sie sich immer drauf. Gestern Abend und heute früh gab es keine Wiese, weil ich die Ladund, die ich vor ein paar Tagen gesammelt habe, aktuell für Lumis Matschköttel im verdacht habe. Tja und jetzt habe ich sie eben saubergemacht, dabei wuseln die Schweinis immer fleißig durch die ganze Wohnung... ich gehe in die Küche und hole das Futter, alle rennen erwartungsvoll an den Futterplatz... und gucken mich mit großen enttäuschten Augen an, als ich nur mit einem Salatteller reinkam ;( Sie konnten es gar nicht glauben. Sind immer zum Teller und zurück zu mir gedackelt und sind mir immer wieder in die Küche gefolgt. Und DANN habe ich auch noch das unbeliebtere Heu aufgefüllt, in der Hoffnung, sie damit zum Salatfressen zu bewegen :D Lumi ist direkt eingeschnappt und hat sich schlafen gelegt!!! Die anderen haben ein bisschen alibimäßig am Salat geknabbert, aber sich auch direkt wieder abgewendet. Also wenn ich nicht wüsste, dass es Dinge gibt, auf die sie sich wie hungrige Geier werfen, würde ich mir wirklich Sorgen machen. Aber so denke ich mir, sie werden ja wohl nicht vor dem vollen Teller verhungern... Hoffentlich :P

  • Für mich liest sich das so, als seien deine Schweinchen weder mäkelig noch krank, sondern sie sind einfach schlau und haben nur den absoluten Hauptgewinn unter deinem Futterangebot im Kopf: Wiese.

    Frische Gräser enthalten, Nährstoffe natürliche Aromen, Bitterstoffe und Feuchtigkeit, an die kein gekaufter Salat herankommt. Dann liegt das Sturschalten bei dem Salat den du gibst, einfach nur daran, dass sie genau wissen, dass du ihnen eh später Wiese pflückst und reichst.

    Und das sie so gerne Wiese fressen, und du diese auch regelmäßig pflückst, ist gesundheitlich, das Beste, was deinen Schweinchen passieren kann.

    Jetzt beim Übergang in die kältere Jahreszeit könntest du auch gekauften Salat oder Kräuter direkt unter die frische Wiese mischen. Wenn deine Schweinchen gierig nach den Gräsern suchen, beißen sie automatisch in den Salat. Der Salat nimmt außerdem den Geruch der Wiese an und wird viel eher akzeptiert. Weil im Winter ist dieser nunmehr Ausweichfutter, dass deine Schweinchen so oder so futtern müssen.

  • Oh das mit dem untermischen ist ein guter Tipp! Das versuche ich mal. Ich hab eh schon Angst wie es im Winter wird, wenn es einfach keine Wiese mehr gibt... ob sie mir dann aus lauter Trotz und Protest vor den Augen wegverhungern :D Nachher gehe ich nochmal Wiese sammeln, ich glaube, in der letzten Ladung war zu junges Gras dabei, das hat Lumi nicht so gut vertragen.

    Ach mann, diese kleinen Viechers bereiten mir so viel Kopfzerbrechen, aber ich liebe die so dolle ^^ Wie können so kleine Ferkel nur so dickköpfig und eigensinnig sein. Das frage ich mich jeden Tag ^^

  • Da du die Wiese in Verdacht für die Lummis Matschköttel hast, noch eine Frage: War bisher immer viel Klee in deinem Pflückgut?

    Das was jetzt draußen wächst nennt sich Grummet. Und ist sogesehen der dritte Schnitt im September/Herbst. Das dritte Grün oder Herbstgras würden wir für unsere Schweinchen ja auch nicht als Heu kaufen. Es hat schon einen Grund, dass wir den ersten und zweiten Schnitt als Heu geben. Das Gras bildet im Herbst kaum noch harte Stängel oder Blüten aus, sondern besteht fast nur aus feinen, weichen Blättern. Da es junges, frisches Wachstum ist, enthält es viel Eiweiß wovon zu viel eben genau Matschköttel verursachen kann. Ausserdem enthält jetzt der dritte Schnitt extrem viel Klee, der ist voll mit Eiweiß und leicht verdaulichen Kohlenhydraten. Wenn die Meerschweinchen das gierig fressen, gerät die Bakterienflora im Darm aus dem Gleichgewicht. Bei mir gibt es jetzt aktuell den dritten Schnitt noch aber ich kompensiere das mit Heu, dass ich nur im Herbst gebe. (Ohnehin wird im Sommer wenig Heu bei mir gefressen, da die Gräser genug Struktur haben). Weil aber im Herbst der Rohfaseranteil niedriger ist, gebe ich zum dritten Schnitt immer große Mengen reines Timothy-Heu von Heu Tom. Dieses hat einen sehr hohen Rohfasergehalt:

    Im Vergleich zu normalen Heusorten hat es eine besonders grobe, halmige Struktur. Diese dicken Halme binden das überschüssige Wasser im Darm aus dem Klee und den jungen Gräsern und sorgen dafür, dass der Kot wieder fest wird.Es wird hier unheimlich gerne gefressen ist aber leider auch teurer als normale Heusorten. Ich füttere momentan auch wieder viel Löwenzahn, da dieser gerade so schön austreibt. Das Timothy-Heu hat einen niedrigen Eiweiß und Kalziumgehalt, was meiner Meinung nach den hohen Löwenzahnanteil wieder ausgleicht.

  • Bei uns ist der Salat im Laden seit einigen Wochen extrem alt. Er hat eher die Beschaffenheit von Styropor als von frischem Grünzeug. Entsprechend mögen unsere Meerschweinchen ihn aktuell auch weniger.

    Grundsätzlich schneide ich bei Salat am Strunk eine Scheibe ab, spüle den Kopf gut ab, so dass er nass ist. Eissalat packe ich dann abgetropft in einem Beutel in den Kühlschrank. Romana stelle ich zuvor in etwas Wasser, bis er wieder möglichst knackig ist. Vor der Fütterung mache ich die Blätter, die sie dann bekommen, bei Bedarf noch nass. Was liegenbleibt sprühe ich später noch mit der Blumenspritze. Flüssigkeit finde ich eben sehr wichtig, für Tiere, die nichts trinken.

    Kein gesundes Meerschweinchen verhungert, im Gegenteil neigen alle nach meiner bisherigen Erfahrung in der Lebensmitte zu Übergewicht. Das Gewicht ist es guter Maßstab. Wenn sie langsamer essen, ist es umso besser. Das wichtigste wäre mir:

    • nicht zu viel Heu gegenüber dem Frischfutter
    • notfalls gutes aber nicht sooo beliebtes Heu geben
    • vielfältiges geeignetes Frischfutter
    • nur Sachen weglassen, dass die bei mehrmaligen Versuchen nie mögen
    • später mal wieder das unbeliebte probieren

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Oh mann, ich glaube ich muss noch viel lernen, was Gras pflücken angeht. Also Klee war in den letzten Wochen so gut wie gar nicht dabei, aber du hast recht, das Gras ist aktuell sehr weich und fein. Heute sehen die Köttel auch schon wieder deutlich besser aus, nachdem es gestern Abend und heute früh kein Gras gab. Woran unterscheidet man ersten, zweiten, dritten Schnitt? Gibt es einfach Monate, in denen man weiß, jetzt könnte das Gras auf den Magen schlagen?
    Lumi wurde vor kurzen positiv auf Würmer getestet, hab ich wahrscheinlich beim Wiese sammeln eingeschleppt - jetzt bin ich eh schon bissi paranoid und suche Stellen, an denen mit großer Wahrscheinlichkeit keine Hunde hinkommen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass die Auswahl da nicht groß ist - wo Natur ist, sind auch Leute mit ihren Hunden...
    Reines Timothy Heu habe ich hier auch, ich wollte mal ein Kalziumarmes. Ansonsten kriegen sie das vom Samersberger Heustadl, das LIEBEN sie. Aber da sind eben auch ein paar getrocknete Kräuter drin. Das Timothy Heu mögen sie hingegen gar nicht -> verwöhnte Schweine. Aber das was ich hier habe kommt mir auch schon fast eher wie Stroh vor, vielleicht muss ich da einfach nochmal ein anderes versuchen. Naja und wenn sie dann bedröppelt vor dem "doofen" Heu stehen und schmollen kann ich das nicht lange mit ansehen und fülle ihr Lieblingsheu nach -> verwöhnte Schweine.

    Das mit dem Salat immernoch mal nass machen mache ich auch so. Auch wenn Sachen schon länger liegen mache ich sie nochmal feucht, MANCHMAL wirds dadurch wieder lecker.

    Übrigens haben sie Schweine mal wieder gewonnen. Heute morgen hatte ich ihnen nochmal einen Salat gegeben, den sie gestern schon verschmäht haben. Das war einer der auf mich sehr schön und knackig gewirkt hat, für die Dödel aus irgendeinem Grund aber offenbar unlecker. Jetzt muss ich auch zugeben, dass die letzten zwei Tage die Salatauswahl etwas eintönig war, weil ich ein paar Sachen aufbrauchen wollte ;) Und nachdem sie mich den ganzen Morgen traurig, schmollend und halb verhungert aus ihrer Ecke angeguckt haben, war ich eben in meiner Pause schnell einkaufen und hab ein paar andere Salate geholt, einen Kopfsalat an der Wurzel und noch so einen Tricolorsalat an der Wurzel. Mögen sie sonst oft auch eher nicht so - haben sie sich gerade drauf gestürzt als hätten sie noch nie in ihrem Leben was zu futtern bekommen. (Nachdem sie ganzen Morgen vor einem vollen Teller saßen. Klar. -> verwöhnte Schweine).

  • Was meint ihr, wenn sie das Timothy Heu bisher eher verweigern - soll ich mal alle Heuraufen ausschließlich damit füllen, damit sie keine andere Wahl haben? Ist natürlich klar, solange es noch Reste vom leckeren Heu gibt, warum sollten sie das unleckere fressen. Aber ich hab dann so Sorge, dass sie es aus Protest gar nicht fressen :S Die verwöhnte Bande einfach mal zum gesunden Heu zwingen und die Verweigerung aussitzen?

    Dazu muss ich sagen, eigentlich gibt es aktuell keinen konkreten Grund, ihnen das leckere Heu wegzunehmen. Es hat keiner Blasenprobleme. Aber vorbeugen ist ja nie schlecht, und wenn man mit dem Timothy Heu Bauchprobleme durch Wiese mindern kann, wär das natürlich schon toll, wenn sie das fressen würden...

  • Nein, es war nur als Tipp gemeint, dass du es ergänzend anbieten kannst, da so wunderbar strukturreich. Keinesfalls ist es als alleiniges Heu geeignet, eher als Ergänzung. Weil es aus einer Monokultur stammt (ausschließlich Wiesenlieschgras), und ein Wiesenheu hingegen enthält verschiedene Gräser und Kräuter. Und wenn sie gewohnt sind, in ihrer Heuraufe artenreiches Wiesenheu zu haben, dann lass das auch unbedingt so. Vielleicht kannst du ein wenig von dem Timothy-Heu bei den bevorzugten Schlafplätzen verteilen. So haben deine Schweinchen die Gelegenheit, zwischen pennen / dösen und ihren Wachphasen daran zu knabbern - vielleicht kommen sie auf den Geschmack und wenn nicht, auch nicht schlimm, dann wirds halt als kuschelige Schlafunterlage vollgepinkelt.

    Zu deiner Frage wegen den Gräsern und ihren Unterschied (Schnitt) und jahreszeitlicher Auswirkungen auf das Verdauungssystem:

    1. Schnitt (Mai/Juni): Grob, halmig, perfekt für Zähne und Verdauung. Das "sicherste" Gras.

    2. Schnitt (Juli/August): Mischergebnis aus Blättern und Stängeln. Gut verträglich.

    3. Schnitt (September/Herbst): Extrem zart, feucht, eiweiß- und kleereich. Löst sehr leicht Matschköttel aus, da strukturarm.

    Du solltest dich aufjedenfall noch mal im Winter damit beschäftigen, wie du das Futter (Gras Anfüttern) im Frühjahr sicher gestaltest, weil da besteht nach einer langen Winterpause eine große Gefahr.

  • Kein gesundes Meerschweinchen verhungert, im Gegenteil neigen alle nach meiner bisherigen Erfahrung in der Lebensmitte zu Übergewicht.

    Richtig Silke, gerade meine vier und fünf Jährigen haben alle eher zu viel auf den Rippen, was man auch als gute Reserve im Senioren-Alter betrachten kann.

    Heute morgen war ich völlig umsonst mit einem Schweinchen beim Tierarzt, bei dem ich wirklich davon ausging, er kriegt jetzt die Diagnose Leukose. Ich hatte bei ihm an den Achseln "Kugeln" gespürt und ging von geschwollen Lymphknoten aus. Es sind aber reine Fettpolster gewesen meinte meine Tierärztin. Und die kriegt man auch im Alter schwer wieder runter - solange die Haltung artgerecht ist (Ernährung und viel Bewegung). Ist dann halt so.

  • Und wenn sie gewohnt sind, in ihrer Heuraufe artenreiches Wiesenheu zu haben, dann lass das auch unbedingt so.

    Okay, dann haben die Pappnasen nochmal Glück gehabt und dürfen ihr Lieblingsheu behalten ;)
    Danke für die ausführlichen Antworten und ganzen Tipps! Das ist super hilfreich. Ich werde nachher nochmal Wiese pflücken gehen und es dann so machen, dass ich nicht wie sonst einen großen Haufen reinpacke, sondern eine oder zwei handvoll mit Salat mische und dann mal gucke, ob sie wieder mit Matschkötteln reagieren.

    Was das anfüttern im Frühjahr angeht weiß ich Bescheid, dass man da aufpassen und sich rantasten muss. Da werde ich sehr vorsichtig sein und mich mit einzelnen Halmen pro Nase rantasten, vorallem weil Lumi eh so empfindlich ist mit ihrem Bäuchlein. Im Zweifel wende ich mich bei Fragen dann nochmal an euch :)

    Manchmal ist es aber auch echt frustrierend. Man versucht so sehr alles richtig zu machen, und macht am Ende doch gefühlt alles falsch 8| Vor 25 Jahren war das irgendwie einfacher, da haben die Schweine morgens und abends Eisbergsalat, Gurke, Tomate und wenn sie Glück hatten mal Sellerie gekriegt und das wars :S Würde ich natürlich heute nicht so machen, keine Sorge. Aber man hat sich wirklich deutlich weniger Stress gemacht :D

  • Richtig Silke, gerade meine vier und fünf Jährigen haben alle eher zu viel auf den Rippen, was man auch als gute Reserve im Senioren-Alter betrachten kann.

    Heute morgen war ich völlig umsonst mit einem Schweinchen beim Tierarzt, bei dem ich wirklich davon ausging, er kriegt jetzt die Diagnose Leukose. Ich hatte bei ihm an den Achseln "Kugeln" gespürt und ging von geschwollen Lymphknoten aus. Es sind aber reine Fettpolster gewesen meinte meine Tierärztin. Und die kriegt man auch im Alter schwer wieder runter - solange die Haltung artgerecht ist (Ernährung und viel Bewegung). Ist dann halt so.

    Meine neue Tierärztin meinte beim abtasten von Lumi neulich auch, man merkt, dass sie in ihrem früheren Leben wohl mal sehr übergewichtig war, weil sie viel überschüssige Haut hat :O Leider weiß ich zu ihrer Vorgeschichte nichts, ob sie da zB auch mit Trockenfutter ernährt wurde. Zu dick werden sollen meine drei natürlich nicht, aber glücklich mappelnde Meerschweinchen machen einen selber ja auch froh :)

  • Richtig Silke, gerade meine vier und fünf Jährigen haben alle eher zu viel auf den Rippen, was man auch als gute Reserve im Senioren-Alter betrachten kann.

    Übergewicht ist m.E. immer schädlich. Und als sinnvolle Reserve dient es auch nicht. Wenn ein Schweinchen mit fortschreitendem Alter langsam abnimmt, kann man mit kalorienreicherem Futter gegensteuern. Unser Scotty mit mindestens 6,5 Jahren bekommt oft als einziger ein großes Stück Paprika oder Karotte. Dazu setze ich ihn kurzzeitig in einen Transportkorb. Da ist er ganz begeistert.

    Wenn ein Meerschweinchen dagegen durch ein massive Krankheit schnell abnimmt, dann hält erstens das Gewichtspolster nicht lange und zweitens kann der schnelle Abbau von Fett zu einer Stoffwechselentgleisung führen. Das ist vorallem als Trächtigkeitstoxikose bei übergewichtigen Weibchen bekannt und kann tötlich enden.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Wenn ein Meerschweinchen dagegen durch ein massive Krankheit schnell abnimmt, dann hält erstens das Gewichtspolster nicht lange und zweitens kann der schnelle Abbau von Fett zu einer Stoffwechselentgleisung führen. Das ist vorallem als Trächtigkeitstoxikose bei übergewichtigen Weibchen bekannt und kann tötlich enden.

    Oh! das hab ich ja noch nie gehört. Nachdem Lumi es während ihrer beiden Antibiotika Gaben einige Tage ziemlich schlecht ging hat sie auch recht schnell Gewicht verloren und da habe ich tatsächlich gedacht, so ein ganz kleines Reservepolster ist wohl nicht so verkehrt. Wieder was gelernt :S

    Gerade gab es eine kleine Menge frisches Gras mit Salat gemischt. Da haben mich ein paar glückliche Schnuten angestrahlt :love: Natürlich wurde sich das ganze Gras zuerst rausgepflückt und der Salat ist noch übrig, das war ja zu erwarten. Ich hoffe, die Menge führt nicht wieder zu Matschkötteln, sonst muss ich die Portion noch weiter reduzieren.

    Ein verwöhntes zufriedenes Schwein, nachdem es endlich was gescheites zu essen gab:

  • Eine Frage hab ich doch noch: Wie macht ihr das, wenn durch das Herbstgras bei euch Matschkot auftaucht? Kriegt ihr das komplett durch Timothy Heu ausgeglichen? Reduziert ihr die Grasmenge? Oder mit getrockneter Löwenzahnwurzel Gegensteuern? Ich überlege, ob es besser ist, früher mit der Wiesenfütterung aufzuhören, oder ein paar weiche Köttel in Kauf zu nehmen (natürlich nur solange es nicht zu matschig oder gar Durchfall ist).

  • Übergewicht ist m.E. immer schädlich. Und als sinnvolle Reserve dient es auch nicht. Wenn ein Schweinchen mit fortschreitendem Alter langsam abnimmt, kann man mit kalorienreicherem Futter gegensteuern. Unser Scotty mit mindestens 6,5 Jahren bekommt oft als einziger ein großes Stück Paprika oder Karotte. Dazu setze ich ihn kurzzeitig in einen Transportkorb. Da ist er ganz begeistert.

    Wenn ein Meerschweinchen dagegen durch ein massive Krankheit schnell abnimmt, dann hält erstens das Gewichtspolster nicht lange und zweitens kann der schnelle Abbau von Fett zu einer Stoffwechselentgleisung führen. Das ist vorallem als Trächtigkeitstoxikose bei übergewichtigen Weibchen bekannt und kann tötlich enden.

    Für mich ist ausschlaggebend ob es akutes Übergewicht ist, also ein Meerschweinchen in Kugelform, das von oben gesehen keine Taillierung mehr hat oder eben ein harmloses Speckpolster. Bei übergewichtigen Schweinchen ist der Körper vorne an den Schultern fast genauso breit wie hinten an den Hüften. Ebenso sind die Beine verschwunden, ganz typisch auch die Doppelkinn-Falte (Wampe). Und da wird das Gewicht natürlich organisch gefährlich und ist zudem meist damit einhergehend, dass das Schweinchen sich nicht mehr zur Po-Pflege oder zur Aufnahme des Blinddarmkots drehen kann und generell durch ein träges Bewegungsbild auffällt.

    Dass aber ein gut genährtes, bewegungsaktives Schweinchen für Krankheitsphasen besser gewappnet ist, habe ich aktuell mit meinem Zahnschweinchen Bopper erfahren. Natürlich kommt es auf die Art der Erkrankung an, aber in seinem Fall - eine Zahnerkrankung, hat ihm die Reserve gut getan und vielleicht sogar das Leben gerettet. Als ich ihn aufnahm, wog er 1450 g und hatte einen guten Ernährungszustand, Speckpolster an Bauch und Achseln. Dann die Zahnerkrankung, in dessen Verlauf er akut an Gewicht verloren hat. Sein niedrigstes Gewicht war 835 g - d.h. er hat über 40 % seines gesamten Körpergewichts verloren.

    Wenn man dieses Beispiel auf ein Schweinchen überträgt, das standardmäßig nur 1.000 g wiegt:

    • 1.000 g Ausgangsgewicht (Normalgewicht)
    • Ein Verlust von 40 % würde bedeuten, dass das Tier auf 600 g abstürzt.

    Bei 600 g sind die Fett- und Muskelreserven bei einem ausgewachsenen Meerschweinchen komplett aufgebraucht. Der Körper fängt an, körpereigenes Eiweiß aus den Organen abzubauen. Das Risiko für ein Multiorganversagen oder ein irreversibles Leberversagen ist bei diesem absoluten Tiefstgewicht extrem hoch. Wenn Bopper nur noch 600 g gehabt hätte, ich denke ich hätte ihn aufgegeben. Oder aber wenn das Skelett sich sichtbar abgezeichnet hätte, Schulterblätter, Wirbelsäule, Rippen etc. sichtbar gewesen wären, Bopper keinerlei Fett- oder Muskelpolsterung mehr hätte, hätte ich ihn auch gehen lassen. Das zieht so viel mit sich z.B. wenn der Körper abgemagert ist, kann er die Körpertemperatur nicht mehr halten. Untertemperatur beim Meerschweinchen ist extrem gefährlich, deswegen habe ich auch immer Boppers Temperatur gemessen. Und auch habe ich ihm viel Bewegungsmöglichkeiten gegeben und auf sein Bewegungsapperat akribisch geschaut. Bei Unterernährung wirken beim Laufen die Hinterbeine schwach und wackelig , weil der Körper bereits körpereigenes Muskeleiweiß zur Energiegewinnung abbaut. Sorry das ging jetzt ein wenig in die Tiefe und gehört nicht zum Thema hier, hat dir Sophie aber vielleicht auch die Sorge vorm Verhungern deiner Schweinchen genommen. Glaub mir, du würdest sehen, wenn diese tatsächlich verhungern. Du gibst ihnen scheinbar alles was sie brauchen und machst es richtig so :thumbup:

  • Zumindest wegen Lumi, die vor kurzem noch massive Verdauungsprobleme hatte, würde ich wegen ein paar Tagen oder Wochen Gras nichts risikieren. Unser Simba ist der einzige von unseren 5 Meerschweinchen, der zur Zeit Probleme mit Gras hat. Da es aber nie mehr als deutlich zu weich war und er vorher keine Probleme hatte, gebe ich möglichst noch 1 von 3 Mahlzeiten Wiese. Löwenzahnwurzeln reichen dann bisher als Ausgleich. Aber gut beobachten muss man das in jedem Falle.

    Demnächst will ich bei Simba eine Kur mit Sobamin und Apfelpektin versuchen. Aktuell schaffe ich das zeitlich schlecht.

    Zur Gewichtsabnahme bei Krankheit: Unsere schwer kranken Tiere haben durch Breizufütterung bisher alle nicht schnell abgenommen. Extrem war es bei unserem Miro, der leider monatelang nur von Brei leben musste wegen seiner Zahnprobleme. Sein Gewicht ging zwar langsam aber stetig herunter, aber das war ein Prozess über Monate. Und eingeschläfert wurde er nicht wegen Untergewicht. Ich will damit sagen: Deutliches Übergewicht war auch hier nicht nötig.

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

  • Zur Gewichtsabnahme bei Krankheit: Unsere schwer kranken Tiere haben durch Breizufütterung bisher alle nicht schnell abgenommen. Extrem war es bei unserem Miro, der leider monatelang nur von Brei leben musste wegen seiner Zahnprobleme. Sein Gewicht ging zwar langsam aber stetig herunter, aber das war ein Prozess über Monate. Und eingeschläfert wurde er nicht wegen Untergewicht. Ich will damit sagen: Deutliches Übergewicht war auch hier nicht nötig.

    Tut mir leid mit Miro... und ein wichtiger Punkt ist hier Silke, dass bei einer funktionierenden Breizufütterung (Päppeln), der Körper gar nicht erst auf seine Fettreserven im Krankheitsfall zurück greifen muss. Dadurch dass du ihn mit Päppelbrei unterstützt hast, hast du seinem Körper ja laufend Energie, Rohfaser und Nährstoffe von außen zugeführt. Miros Stoffwechsel wurde weiter versorgt, sein Stopfmagen blieb in Bewegung, und der Fett- und Muskelabbau wurde abgefangen. Deshalb hat Miro sein Gewicht über Monate halten bzw. nur sehr langsam abbauen können. Nur der Grunderkrankung konntest du damit leider nicht entgegenwirken.

    Bei Bopper hingegen war es so, dass er über mehrere Tage hinweg schleichend die Futteraufnahme einstellte und die Brücken, die ihm die Futteraufnahme verwehrten, trotz Tierarztbesuche zu spät bemerkt wurden. Als ich dann weiter zu einer Zahnspezialisten fuhr, war es dann so fortgeschritten, dass nur sofortiges Einschläfern ihrer Aussage nach aktues Leid hätte abgewendet. Er wirkte aber noch körperlich fit, daher meine Vermutung, dass ein gutes Normalgewicht mit leichtem Fettpolster ihn davor schützte, dass der Kreislauf kollabierte. Es war aber ein knappes Zeitfenster - paar Tage später wäre genau das passiert, Fettreserven hin oder her.

    Bevor aber jetzt jemand meine Aussage so auslegt und schlussfolgert: "Mein Meerschweinchen ist eh dick, es schafft die Krankheit auch so mit einem guten Fettpolster" Nein!:

    Übergewicht ist im akuten Krankheitsfall dafür keineswegs nötig und sogar schädlich (u.a. wegen der Risiken für Füße, Leber und Gelenke).

    Bei Meerschweinchen ist ein starker Gewichtsverlust ist immer ein deutliches Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung – und niemals kann ein Fettspeicher eine Krankheit heilen, stoppen oder gar wegkompensieren. Dies könnt ihr im besten Falle nur wenn ihr sehr sehr zeitig zum Tierarzt geht. Und da Meerschweinchen Krankheiten so schön verstecken können, ist die Krankheit dann meist eh schon sehr fortgeschritten und ernst!

    Ein zu viel an Fettgewebe ändert nichts an der Grunderkrankung, egal ob es sich um Zahnprobleme, Organversagen, Entzündungen oder Tumore beim Schweinchen handelt.

    Der einzige Grund, warum in der Tiermedizin bei Kleinsäugern von einem „guten Ernährungszustand“ gesprochen wird, ist wohl der, dass dieser dem TA und uns ein kurzes Zeitfenster schafft, um die eigentliche Ursache zu diagnostizieren und die nötige Therapie (wie z.B. Schmerzmittel, Antibiose, OP, Zahnkorrektur oder Päppeln) einzuleiten, bevor der Kreislauf zusammenbricht. Ein Meerschweinchen mit einem akuten Kreislaufkollaps hat leider meist keine gute Prognose. Und meist kommen auch massive Leberschäden ins Spiel, weil es auch für die Leber sehr belastend ist, Fettreserven zu verarbeiten. Das Bobby bei so einem Gewichtsverlust keinerlei Leberschäden davon getragen hat (laut Blutuntersuchung) ist wohl auch eher die Ausnahme.

  • Eine Frage hab ich doch noch: Wie macht ihr das, wenn durch das Herbstgras bei euch Matschkot auftaucht?

    Tatsächlich habe ich auch im Herbst eigentlich nie Probleme mit Matschkot, obwohl ich so lange wie möglich Wiese füttere. Daher biete ich auch nichts Besonderes an, solange sie keine Probleme haben. Allerdings ist es so, dass ich gerade im Herbst auch recht viel Schilfgras füttere, weil das einfach noch schön hoch gewachsen ist. Das ist ja auch recht rohfaserreich und unterstützt die Verdauung. Heu wird hier noch immer kaum gefressen, wenn es im Winter gar keine Wiese gibt, fressen sie davon deutlich mehr.

    Aber wenn du ein empfindliches Schwein hast, das gerade mit der Wiese nicht mehr so gut klar kommt, finde ich es auch vertretbar, etwas früher mit der Wiesenfütterung aufzuhören, auch wenn es schade ist. So lange geht die Wiesensaison ja eh nicht mehr.

    ♡ Kiwi (ca. 08/24), Quint (12/25), Yuki (03/25) ♡

  • Sobamin und Apfelpektin

    • Sobamin muss in ausreichender Menge gegeben werden. Richtwert für mich ist 1g Sobamin pro Schweinchen und Tag.
    • Ich mische in einem Eierbecher z.B. für 2 Schweinchen 1/2 Meßlöffel (rund 3g) Sobamin mit 1 kleinen Messerspitze Apfelpektin trocken und geben dann soviel Apfelsaft dazu, dass es durch eine Spritze mit abschnittener Spitze passt. Es dickt beim Stehen ein. Da muss man etwas Erfahrung sammeln.
    • Manche Schweinchen nehmen es bei uns recht gerne, die meisten sind nicht so begeistert, aber durch den Apfelsaft ist es auch keine wirklicher Kampf.
    • Bei Pektin ist es wichtig, dass es reines Apfelpektin ist. Ich verwende immer das von Natura. Das kann man u.a. auch bei Amazon bestellen.
    • Verdauungsstörungen, gerade wenn sie länger anhalten, können viele Wochen zum Ausheilen brauchen. Da ist viel Geduld und anhaltende Unterstützung erforderlich. Ich würde Sobamin rund 4 Wochen lang täglich geben.
    • Ich nutze von Sobamin entweder die 150g-Dose oder die relativ gesehen deutlich günstiger 550g-Dose. Man kann es auch über die Apotheke vor Ort bestellen lassen unter PZN 07382594 bzw. 15736072.

    Diese beiden Mittel sollten ergänzt werden durch frische Zweige, gemahlene aromatische Saaten und kurzzeitg - je nach Situation - getrocknete Löwenzahnwurzeln (wenn es zu weich wird), Colosan und Simeticon (bei drohender Aufgasung).

    Scotty (ca. 08/19), Landolf (ca. 02/20), Simba (06/23), Fuchsi (08/24), Fridolin (08/24) - im Herzen geblieben: Dachsi (04/18-09/24), Wuschel (04/18-11/23), Miro (ca. 02/20-10/24), Josia (08/20-08/26) - weitere Infos

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