Mein Baby *2021 bis 26.08.2026
Heute musste ich dich gehen lassen, und mein Herz ist so schwer und ich bin so, soooo traurig dass ich dich, mein Baby für immer verloren habe. Wenn ich „mein Baby“ nenne, meine ich keinen Besitz. Es war dieser tief verwurzelte Wunsch, dich zu beschützen, dir die Fürsorge zu geben, die ein kleines, verletzliches Wesen von einem Menschen braucht. Du warst so ängstlich, so zart und schreckhaft – geprägt von deiner Vergangenheit in diesem engen Kinderzimmerkäfig, wo du so lange einsam und isoliert leben musstest. Diese tiefe Unsicherheit hast du nie ganz ablegen können.
Es bricht mir das Herz, wie sehr du leiden musstest. Deine Ovarialzysten, die unheilbaren, eitrigen Ballenabszesse... du musstest viel zu lange mit diesen schmerzenden Pfötchen leben. Jedes Pfotenbad hat dich zittern lassen, jedes dich "jagen" für die Behandlung ließ dich flüchten. Und als du es in den letzten Wochen einfach stumm über dich ergehen ließest, wusste ich im Stillen: Du hast aufgehört zu kämpfen. Als dann am Wochenende dein Rückzug, das Fiepen vor Schmerzen begann, die Matschköttel und das Blut im Urin dazukamen, gab es keine Rettung mehr. Ich hätte dir so gerne mehr Zeit geschenkt, aber deine Heilung war nicht mehr möglich, und ich durfte dich nicht länger leiden lassen.
Auch wenn du in der Gruppe wegen deiner Hormone oft keinen Anschluss fandest, von den Weibchen gemieden wurdest und der Kastrat dich verjagte – an deinem letzten Tag warst du nicht allein. Gestern durftest du noch einmal frisches Gras genießen, umgeben von der ganzen Gruppe. Sogar der Kastrat, den du seit 4 1/2 Jahre kennst, wich dir nicht mehr von der Seite.
Der gestrige Tag war unendlich schwer für mich. Der Gedanke, dass ich dich heute Morgen gehen lassen muss, hat mich die ganze Zeit erdrückt. Ich habe den ganzen Tag draußen bei dir verbracht. Ich habe dir zugeschaut, wie du im frischen Gras gegrast hast und wie du einfach da lagst, um die Wärme der Sonne zu genießen. Es hat mir fast das Herz zerrissen, die Entscheidung treffen zu müssen, dass dies das letzte Mal sein würde, dass du das Sonnenlicht auf deinem Fell spürst. Aber deine Schnerzlaute, haben mich bestätigt, das Richtige zu tun. Du hast dich zwar stark auf den Beinen gehalten, und hast das getan, was ein Meerschweinchen halt tut: Fressen und sich ausruhen aber deine Haltung war nicht mehr entspannt. Man sah deine dürren, schmerzenden Beinchen mussten viel tragen...
Jetzt musst du gar nichts mehr tragen. Keine Schmerzen und keine Angst mehr haben.
Denn heute hast du ganz schnell losgelassen. Kurz bevor die Spritze ihre volle Wirkung zeigte, hast du noch hastig einen Stängel Petersilie gefressen. Es war ein so friedlicher Abschied. Du musst jetzt nie wieder flüchten, nie wieder zittern und nie wieder Schmerzen in deinem Bauch und an deinen Pfötchen spüren. Du bist jetzt frei, mein kleines Baby. Danke, dass ich für dich da sein durfte. Danke dass ich dich so viele Jahre hier hatte. Du hast den Anfang gemacht, es kommt die Zeit, da werden dir leider die anderen folgen müssen. Du wirst hier immer geliebt und nie vergessen sein
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